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Letzter Akt im Achenbach-Drama: „Rheingold“ wird versteigert

Köln/Düsseldorf. Der größte Teil des Besitzes des verurteilten Kunstberaters Helge Achenbach ist gepfändet und versteigert. Zum Abschluss kommt das „Rheingold“ unter den Hammer. Die einstige Vorzeige-Sammlung ist zerschlagen.

Letzter Akt im Achenbach-Drama: „Rheingold“ wird versteigert

„Freischwimmer 33“ von Wolfgang Tillmans. Foto: VAN HAM Kunstauktionen GmbH & Co. KG

Nichts von dem Schatz bleibt übrig. Auch das „Rheingold“ des verurteilten Kunstberaters Helge Achenbach kommt unter den Hammer. Wie der sagenumwobene Nibelungenhort schillerte einst die gleichnamige Kollektion zeitgenössischer Kunst.

Mit fünf finanzkräftigen Partnern hatte der heute 65 Jahre alte Achenbach die Sammlung „Rheingold“ 2002 gegründet, die zuletzt auf fast 1000 Werke angewachsen war. Nach Achenbachs Festnahme 2014 wurde sein Anteil gepfändet, das übrige „Rheingold“ ging in den Sammlungen der anderen Eigner auf.

Nach einer Reihe von Prozessen wird Achenbachs „Rheingold“-Anteil aus fast 70 Werken, darunter Arbeiten von Fotokünstler Wolfgang Tillmans, Thomas Struth und Candida Höfer, am Mittwoch in Köln versteigert. „Es ist dann alles verwertet, was zu verwerten war“, sagt der Chef des Auktionshauses Van Ham, Markus Eisenbeis.

Van Ham hatte bereits rund 2500 Kunstwerke aus Achenbachs einstigem Firmenbesitz für insgesamt rund 11,5 Millionen Euro versteigert. Der Erlös floss in die Insolvenzmasse. Nun ist Achenbachs einstiger Privatbesitz an der Reihe, den die Familie des gestorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht zur Absicherung von Schadensersatzansprüchen hatte pfänden lassen.

Fast 20 Millionen Euro sollen Achenbach und zwei seiner insolventen Firmen laut Gerichtsurteil an die Albrecht-Familie zahlen. Wegen Millionenbetrugs an dem 2012 gestorbenen Berthold Albrecht war Deutschlands einst prominentester Kunstberater 2015 zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Kürzlich war bereits ein durch die Albrecht-Familie gepfändetes und gerichtlich lange umstrittenes Nagelrelief von Günther Uecker für einen Rekordpreis von 2,75 Millionen Euro (mit Aufschlag) versteigert worden. Auch für den „Rheingold“-Schatz erwartet Eisenbeis einen Millionen-Erlös. Hochschrauben dürften den Wert zwei „Freischwimmer“-Arbeiten von Wolfgang Tillmans, für dessen Kunst die Preise auf dem Markt in jüngster Zeit steil nach oben gegangen sind.

Ursprünglich sollte aus dem „Rheingold“ laut Statut übrigens kein Werk vor dem Jahr 2022 versteigert werden, schrieb Achenbach in seiner 2013 veröffentlichten Autobiografie. Denn mit der Kunst sollten nach dem Willen der Sammler „keine Spekulationsgewinne“ eingefahren werden. „Wir, die Sammlung Rheingold, wollen vor allem die Szene im Rheinland unterstützen und damit der Kunsterosion entgegenwirken“, schrieb Achenbach. Dennoch kommt ein Teil der Sammlung nun auf den Markt.

Mit Qualitätssiegel versehen wurde die Kollektion einst durch eine geschickte Kooperation mit rheinischen Museen, die die „Rheingold“-Kunst ausstellten und von Schenkungen der Sammler profitierten. Eingefädelt hatte Achenbach diese Konstruktion, auf sein gutes Kunstgespür vertrauten auch seine Geschäftspartner bei den Ankäufen.

Achenbach wartet derweil auf die Entscheidung des Düsseldorfer Oberlandesgerichts über eine vorzeitige Haftentlassung noch vor Weihnachten. Der umtriebige Kunstberater ist bereits seit Monaten im offenen Vollzug. Seine Kunst mitsamt „Rheingold“ ist er los, aber er malt nun selber Großformate.

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