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Linkshänder profitieren bei „schnellen“ Sportarten

Oldenburg. Wenn im sportlichen Wettkampf Sekundenbruchteile und blitzschnelle Reaktionen zählen, schlägt oft die Stunde der Linkshänder. Für sie scheint das Motto zu gelten: Je höher der Zeitdruck, desto besser.

Linkshänder profitieren bei „schnellen“ Sportarten

Timo Boll ist erfolgreicher Tischtennisprofi - und Linkshänder. Foto: Vio Dudau

Dass Linkshänder und Linksfüßer im Sport ihre Gegner durch ungewohnte Aktionen ins Schwitzen bringen können, das ist bekannt. Topsportler wie Lionel Messi, Timo Boll, Henry Maske und viele mehr haben das hinlänglich belegt.

Der Vorteil scheint aber besonders hoch in Ballsportarten mit hohem Zeitdruck zu sein, wie Studien des Sportwissenschaftlers Florian Loffing von der Oldenburger Carl von Ossietzky Universität nahelegen.

Er untersuchte sechs Ballsportarten, von denen drei - Tischtennis, Cricket und Baseball - einen deutlich höheren Anteil von Linkshändern in der Weltspitze aufwiesen. Der Wissenschaftler - der übrigens mit links schreibt und mit rechts Tennis spielt - befasst sich seit über zehn Jahren mit dem Thema. Seine jüngste Publikation wurde bei der britischen Royal Society in der Fachzeitschrift „Biology Letters“ veröffentlicht.

Überproportional vertreten sind Linkshänder in der Weltspitze (Männer/Top 100) bei den von Loffing als „schnell“ identifizierten Sportarten Tischtennis, Cricket und Baseball. „Generell geht man von einem Linkshänder-Anteil von rund zehn Prozent in der westlichen Gesellschaft aus. In der Weltspitze beim Baseball sind es dagegen bei den Werfern 30,39 Prozent, beim Tischtennis 25,82 und beim Cricket bei den Werfern 21,78 Prozent“, so Loffing, der dafür die Top-100- Listen analysierte.

Bei den Rückschlagsportarten Tennis, Badminton und Squash wurde dagegen im Vergleich ein geringerer Zeitdruck ermittelt und in diesem Zusammenhang auch eine geringere Linkshänder-Anteil in der Weltspitze festgestellt. „Wobei ich jetzt nicht sagen würde, dass Squash oder Badminton langsame Sportarten sind“, warnte Loffing vor Fehlschlüssen. In Videoanalysen werteten der Wissenschaftler und sein Team Ballwechsel aus, um den Zeitdruck zu definieren.

„Wir haben dabei den Zeitpunkt notiert, wann ein Spieler den Ball mit dem Schläger berührt. Zeitdruck haben wir dann als Abstand zwischen dem Schläger-Ballkontakt des einen Spielers und dem Schläger- Ballkontakt des anderen Spielers definiert“, erläutert Loffing. „Je geringer der Zeitwert, desto höher der Zeitdruck.“ Bei Cricket und Baseball wurden die Ballflugzeiten als Parameter genommen.

Entgegen der Annahme, dass Linkshänder generell in interaktiven Sportarten - also Tennis, Tischtennis oder Badminton - einen Vorteil haben, legen die Auswertungen die Vermutung nahe, dass der Vorteil in der Weltspitze gemessen am Linkshänderanteil selbst innerhalb der interaktiven Sportarten variiert. „Zeitdruck kann ein möglicher Faktor sein, der den Vorteil verstärkt oder abschwächt“, resümiert Loffing.

Dass Linkshänder einen Vorteil im interaktiven Sport haben, ist schon seit den 1980er und 1990er Jahren wissenschaftlich belegt. Dabei geht es um den Nachteil des Gegners, denn der ist aufgrund der Mehrheit an Rechtshändern in seinem Sport auf deren Aktionen „gepolt“. Trifft er nun im sportlichen Duell auf Linkshänder, fällt es ihm daher schwerer, auf dessen Aktionen zu reagieren.

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