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Lobbyistin

Berlin. Eva Blumenthal wechselt aus der Politik in den Lobbyismus. Und muss dafür nicht nur ihre Ideale über Bord werfen, sondern auch frühere Freunde über die Klinge springen lassen. Wenn nicht noch mehr.

Lobbyistin

Rosalie Thomass ist die „Lobbyistin“. Foto: Georg Wendt

Eva Blumenthal ist jung, klug, blond, kompetent, idealistisch und Bundestagsabgeordnete. Das klingt so, als könnte es nicht gut gehen. Geht es aus nicht.

Irgendjemand will ihre Karriere in der Politik beenden, bevor sie so richtig begonnen hat und spielt einem Parteifreund kompromittierendes Material zu, das beweisen soll, dass sie bestochen wurde. „Frau Blumenthal, Sie haben noch eine große Zukunft vor sich, aber vielleicht nicht als Bundestagsabgeordnete“, raunt ihr der mächtige Chef der Lobbyagentur PPC zu. Da weiß sie noch nicht, dass sie gerade Opfer einer Intrige wird, ihr Bundestagsmandat zurückgeben muss, die Seiten wechselt und einen Job bei PPC bekommt.

Die Idealistin wandelt sich zur Opportunistin, die ihre Sache verdammt gut macht. Das gilt auch für Rosalie Thomass (30, „Eine unerhörte Frau“), die in „Lobbyistin“ die Hauptrolle der Eva Blumenthal spielt. Die neue Serie mit sechs Teilen zu je 30 Minuten startet an diesem Mittwoch um 21.45 Uhr auf ZDFneo.

In der ersten Folge muss Blumenthal noch lernen, wie Lobbyarbeit geht. Ihr Kollege Holger Thomas (Daniel Aichinger) weiht sie beim Sommerempfang des Brauereiverbandes ins Handwerk ein. Bald danach zeigt sie ihm, dass sie es längst verstanden hat und schafft es, ein Gesetz zur Verschärfung der Promillegrenze zu verhindern - ganz zum Gefallen ihres neuen Arbeitgebers und derjenigen, die dafür bezahlen.

PPC-Chef Wolfgang Zielert, von Bernhard Schir („Das Sacher“) so aalglatt, prinzipienlos und unsympathisch gespielt, wie Lobbyismuskritiker es sich nur wünschen können, verlangt von ihr allerdings gleich danach, sie solle ihren früheren Chef, Wirtschaftsminister Bertram Kaiser (Max Urlacher), mit Informationen zu angeblichen Fälschungen in seiner Doktorarbeit unter Druck setzen. Denn der will beim Erneuerbare-Energien-Gesetz nicht so, wie PPC und der Energiekonzern EWO es möchten. Als er daraufhin tot in der Spree gefunden wird, stellt sich die Frage, ob das nur ein Unfall war.

Die Serie will „Debatten anstoßen, polarisieren, manche Fragen auch offen in den Raum stellen, damit sich der Zuschauer seine eigene Meinung bilden kann“, wie ZDF-Redakteur Martin R. Neumann es formuliert. Das ist vielleicht etwas dick aufgetragen. Die Diskussionen um die „Lobbyistin“ haben allerdings tatsächlich längst begonnen.

Harte Kritik gab es schon vier Wochen vor dem Start beim Branchendienst „Meedia“. Der bescheinigte der Serie „unfassbar absurde Drehbucheinfälle“ und hielt ihr vor, „völlig missraten“ zu sein, mit Szenen auf dem Niveau von „Hai-Alarm auf Mallorca“. Das war mal ein actionreicher Film von RTL aus dem Jahr 2003.

Es stimmt, die Serie ist nicht frei von Klischees: Chef-Lobbyist Zielert ist skrupellos und eiskalt, ein Machiavellist, dem jedes Mittel recht ist. Politik erscheint als brutales Spiel, in dem Narzissmus und Machtgier mehr zählen als Überzeugungen - auch das ist vielleicht etwas schlicht. Der Berliner Politbetrieb wirkt wie eine abgekapselte Welt mit bizarrem Eigenleben, die hippe Wohnung von Eva Blumenthal wie aus einem Katalog für Bulthaup-Küchen.

Und dass Evas Freund vor ihr auf die Knie fällt, um ihr im unpassendsten Augenblick einen Heiratsantrag zu machen, ist nur ein Beispiel für Einfälle, die nicht jeder genial finden muss. Regisseur Sven Nagel, der zusammen mit Mika Kallwass auch die Drehbücher geschrieben hat, ist in dieser Hinsicht eher der Mann fürs Grobe.

Aber „Lobbyistin“ ist in jedem Fall spannend und unterhaltend - und das Thema ernster zu nehmen als viele andere, aus denen im deutschen Fernsehen Serien gestrickt werden. Ganz abgesehen davon, dass Rosalie Thomass in der Rolle der erst skrupelhaften, aber dann eben doch ausgesprochen effizienten Lobbyistin richtig glänzen kann - vielleicht ja sogar noch in einer zweiten Staffel.

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