Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Markus Söder: Gewinner mit vielen Gesichtern

München. Seit 34 Jahren ist der Franke Söder Mitglied in der CSU - nach vielen Umwegen und Machtkämpfen steht ihm nun die Tür in der Staatskanzlei offen. Sein Ehrgeiz dürfte damit aber nicht gestillt sein.

Markus Söder: Gewinner mit vielen Gesichtern

In der Partei hat Söder viele Unterstützer, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Foto: Daniel Karmann

Gandalf, Marilyn Monroe, Homer Simpson, Shrek, Edmund Stoiber, Mahatma Gandhi - Markus Söder hat schon viele Gesichter gezeigt. Nicht nur im Karneval. Nun steht der ehrgeizige Franke vor seiner bislang größten Rolle.

Spätestens im Frühjahr wird der 50-Jährige seinen Posten als Finanzminister in Bayern an den Nagel hängen und als Ministerpräsident in die Münchner Staatskanzlei umziehen, in das Büro, von dem er schon lange geträumt hat.

Damit wird nach der historischen CSU-Pleite bei der Bundestagswahl ausgerechnet der Mann zum großen Gewinner in der CSU, auf den lange Zeit kaum noch jemand einen Cent gesetzt hätte. Sogar Söder selbst verglich sich zwischenzeitlich mit dem englischen Dauerthronfolger Prinz Charles. Doch die Krise brachte Söder zurück auf die Siegerstraße. Für ihn zahlte sich dabei auch aus, dass er fleißig wie kein anderer Netzwerke gepflegt, Kontakte geknüpft und Fördergeld verteilt hat.

„Ab 50 beginnt im Leben eines Mannes die Zeit der Ernte“, zitierte Söder Anfang des Jahres, kurz vor seinem runden Geburtstag, seinen Vater. Ob er seine Ernte fortsetzt, wenn Horst Seehofer - wann auch immer - auch den Posten des Parteichefs räumt? In München würde das viele nicht überraschen.

Die Meinungen über Söder gehen auch in der CSU weit auseinander. Selbst seine Kritiker räumen aber ein, dass er ein überaus fleißiger und talentierter Politiker ist. Nicht wenige teilen aber auch die Überzeugung, dass er vor allem auf eigene Rechnung arbeitet. Als Ministerpräsident wird er daher unter einer besonderen Beobachtung stehen. Die erste Abrechnung folgt im Herbst 2018 bei der Landtagswahl.

Schenkt man Seehofers früheren Worten Glauben, dürften der CSU rauhe Zeiten bevorstehen. Vor Jahren warf er Söder „charakterliche Schwächen“ und einen „pathologischen Ehrgeiz“ vor, Söder leiste sich „zu viele Schmutzeleien“. Das Verhältnis zwischen dem Regierungschef und seinem Finanzminister war seit Jahren sehr angespannt, fast immer herrschte eisiges Schweigen, einzig die Machtkonstellationen zwang die beiden zur Zusammenarbeit.

In der Partei hat Söder dennoch viele Unterstützer, besonders an der Basis und in der Landtagsfraktion. Als Hardliner und akribischer Arbeiter im Finanzministerium hat er sich viel Respekt erworben, fachlich lobte sogar Seehofer bisweilen seine Arbeit. Außerhalb Bayerns gilt er vielen als Scharfmacher, Populist, Provokateur, Rechtsaußen. „Diese Kritik muss man wegstecken können. Wer mich kennt, weiß, dass mich diese Beschreibungen nicht richtig charakterisieren“, sagt Söder.

Die CSU-Laufbahn des vierfachen Vaters ließ schon immer große Ziele vermuten: Seit 1983 ist der promovierte Jurist Parteimitglied, von 1995 bis 2003 war er Chef der Jungen Union Bayern. Seit 1994 ist er Landtagsabgeordneter, seit 1995 Teil des Präsidiums, von 2003 bis 2007 war er Generalsekretär unter Edmund Stoiber („mein Mentor und eine politische Vaterfigur“), seit zehn Jahren ist er Minister.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Hintergründe

„Major Tom“ geht von Bord

Paris. Tom Enders gilt als energischer Sanierer und hat Airbus umgekrempelt. Bevor er den Flugzeugriesen verlässt, hat der Deutsche noch einen wichtigen Job zu erledigen.mehr...

Hintergründe

Groko, Koko und Co.: Die Optionen bei der Regierungssuche

Berlin. Vor vier Jahren waren Union und SPD schon etwas weiter bei der „Operation große Koalition“. Am 14. Dezember 2013 stimmten 75,96 Prozent der SPD-Mitglieder für den Koalitionsvertrag, der Weg zur Wiederwahl von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war frei.mehr...

Hintergründe

Zaudern statt Zauber

Berlin. Die SPD ringt um eine Entscheidung: Grünes Licht für Sondierungen mit Kanzlerin Merkel? Die Union will aber nur über eine „GroKo“ und nicht über „KoKo“ und Co. verhandeln. Ein Problem für SPD-Chef Schulz. Im Hintergrund wird schon ein Jamaika-Neuanlauf ins Spiel gebracht.mehr...

Hintergründe

Umfrage: Deutsche Verbraucher sind besonders zuversichtlich

Frankfurt/Main. Kurz vor dem Jahreswechsel blicken die Deutschen optimistischer in die Zukunft als die meisten anderen Europäer. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen.mehr...

Hintergründe

Die elf SPD-Punkte für Gespräche mit der Union

Berlin. Nach dem ersten Spitzengespräch mit der Union will die SPD über konkrete Sondierungen entscheiden. Sie hat für eine mögliche erneute große Koalition elf Kernthemen aufgestellt, Streitpunkte könnten besonders die Steuer-, Gesundheits- und Flüchtlingspolitik werden.mehr...

Hintergründe

Zwischen Krabbelgruppe und Regierung

Berlin. Schon das erste Gespräch ist eine schwere Geburt. Können Kanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer den SPD-Vorsitzenden Schulz doch noch von einer Koalition überzeugen? Am Ende gibt es eine dürre Erklärung.mehr...