Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

In Portugal

Mehr als 60 Tote bei verheerendem Waldbrand

LISSABON Bei einem der schlimmsten Waldbrände in Portugals Geschichte sind mindestens 63 Menschen ums Leben gekommen. Viele der Opfer verbrannten in ihren Autos bis zur Unkenntlichkeit, mehrere Dörfer wurden von den Flammen in Mitleidenschaft gezogen, Dutzende Häuser wurden zerstört. Hat die Feuerwehr zu spät reagiert? Zumindest gibt es scharfe Kritik.

Mehr als 60 Tote bei verheerendem Waldbrand

Feuerwehrleute der Republikanischen Nationalgarde versuchen am 18.06.2017 in Avelar (Portugal) einen Waldbrand zu löschen. In Portugal ist am Samstag ein großer Waldbrand ausgebrochen. ACHTUNG: Dieses Bild hat dpa auch im Bildfunk gesendet. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++

Ein Blitzeinschlag hatte den Brand laut Polizei am Samstagnachmittag in der Region Pedrógão Grande ausgelöst. Die Gegend liegt knapp 200 Kilometer nordöstlich von Lissabon. Das Feuer breitete sich dann vor allem am späten Samstagabend wegen starker Winde rasch aus.

Die Zahl der Todesopfer wurde am frühen Sonntagabend von Ministerpräsident António Costa von 62 auf 61 korrigiert. Es wurde aber noch mit einem Anstieg der Opferzahlen gerechnet. Am frühen Dienstagmorgen erhöhte sich die Zahl der Toten auf 63. Ein Feuerwehrmann erlag am Montag seinen Verletzungen. Einige betroffene Dörfer habe man wegen der noch stark wütenden Flammen nicht erreichen können, sagte der Staatssekretär im Innenministerium Jorge Gomes. Es ist der Waldbrand mit den meisten Todesopfern in Portugal seit Beginn der Aufzeichnungen.

Verheerender Waldbrand in Portugal

Ein Mann beobachtet am 18.06.2017 in Avelar (Portugal) auf dem Balkon eines Hauses einen Waldbrand auf einem Hügel nahe der Stadt. Bei einem verheerenden Waldbrand im Zentrum von Portugal ist die Zahl der Todesopfer auf 39 gestiegen. (zu dpa «Waldbrand in Portugal tötet mindestens 39 Menschen» vom 18.06.2017) Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Feuerwehrleute der Republikanischen Nationalgarde versuchen am 18.06.2017 in Avelar (Portugal), einen Waldbrand zu löschen. Hunderte Feuerwehrleute kämpften gegen die Flammen in Portugal. ACHTUNG: Dieses Bild hat dpa auch im Bildfunk gesendet. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++
Ein Feuerwehrmann ruht sich am 18.06.2017 nach seinem Einsatz bei der Bekämpfung eines Waldbrandes in Penela (Portugal) aus.  
Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Patricia De Melo Moreira/AFP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Feuerwehrleute versuchen am 18.06.2017 in Avelar (Portugal) einen Waldbrand zu löschen. Bei einem verheerenden Waldbrand im Zentrum von Portugal ist die Zahl der Todesopfer auf 39 gestiegen. (zu dpa «Waldbrand in Portugal tötet mindestens 39 Menschen» vom 18.06.2017) Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Feuerwehrleute der Republikanischen Nationalgarde versuchen am 18.06.2017 in Avelar (Portugal) einen Waldbrand zu löschen. In Portugal ist am Samstag ein großer Waldbrand ausgebrochen. ACHTUNG: Dieses Bild hat dpa auch im Bildfunk gesendet. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Nachrichten für Kinder+++
Ausgebrannte Autos stehen am 18.06.2017 auf der Landstraße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos (Portugal). Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Ausgebrannte Autos stehen am 18.06.2017 auf einer Straße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos (Portugal). Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Polizisten stehen am 18.06.2017 auf der Landstraße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos (Portugal) neben ausgebrannten Autos. Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Autos fahren am 18.06.2017 in Pedrogao Grande (Portugal) auf der Landstraße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos an einem ausgebrannten Auto vorbei. Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Polizisten stehen am 18.06.2017 im Rauch auf einer Straße bei Pedrogao Grande (Portugal). Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
dpatopbilder - Ein Ausgebranntes Auto steht am 18.06.2017 auf einer Straße zwischen Castanheira de Pera und Figueiro dos Vinhos (Portugal). Der verheerende Waldbrand mit mehreren Toten in Portugal ist der Polizei zufolge durch Blitzschlag ausgelöst worden. Foto: Armando Franca/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Dutzende Menschen wurden bei dem verhängnisvollen Waldbrand zum teil schwer verletzt. Wie groß die betroffene Fläche ist, war zunächst unklar. Am Sonntagnachmittag hatte die Feuerwehr zwei der vier Feuerfronten unter Kontrolle, sagte Gomes. Knapp 700 Feuerwehrmänner kämpften am Abend mit mehr als 215 Fahrzeugen und vier Löschflugzeugen gegen die Flammen.

Trockenheit und Wind behinderten Löscharbeiten

Der Einsatz von Löschflugzeugen und Hubschraubern sei am Sonntag zunächst aufgrund der starken Rauchentwicklung unmöglich gewesen, sagte Gomes. Die extreme Trockenheit und die starken Winde behinderten weiterhin die Löscharbeiten. In der Region ist es derzeit sehr heiß mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad.

Ministerpräsident Costa kündigte eine dreitägige Staatstrauer von Montag bis Mittwoch an. Zudem wurde am Sonntag mit einem Moment des Schweigens vor der Confed-Cup-Partie Portugal gegen Mexiko der zahlreichen Todesopfer gedacht. Cristiano Ronaldo & Co. trugen im russischen Kasan Trauerflor.

Das Leiden stand den unzähligen Betroffenen der Region ins Gesicht geschrieben. „Wir haben alles verloren, unser Haus, unsere Tiere, alles“, erzählte eine ältere Frau unter Tränen dem TV-Sender RTP. Ein Mann sagte kopfschüttelnd: „In meinen 53 Jahren habe ich so etwas nicht gesehen.“

Ganze Dörfer von Flammen eingeschlossen

Es gebe einige Dörfer, die „von den Flammen völlig eingekesselt“ seien, hatte in der Nacht der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, der Zeitung „Público“ gesagt. Nach Angaben des Innenministeriums waren etliche der später tot geborgenen Menschen mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als die Flammen sie plötzlich einschlossen. Auf Bildern waren ausgebrannte Autos, brennende Bäume und Häuser zu sehen.

Das Feuer wurde nach Angaben der Polizei durch einen Blitzschlag ausgelöst. „Alles deutet ganz klar auf natürliche Ursachen hin“, sagte der Direktor der Kriminalpolizei, José Almeida Rodrigues, der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa. Zuvor hatte Bürgermeister Alves noch gesagt, er sei überzeugt, dass das Feuer gelegt wurde.

Augenzeugen berichten von überforderter Feuerwehr

Zu Beginn war die Feuerwehr nach Angaben von Augenzeugen völlig überfordert. „Als die Flammen in der Nacht unseren Häusern immer näherkamen, habe ich stundenlang keinen einzigen Feuerwehrmann gesehen“, sagte eine ältere Frau dem Fernsehsender RTP. Bürgermeister Alves hatte zuvor eine „ungenügende Zahl von Einsatzkräften“ beklagt.

Die EU sagte Portugal Hilfe zu. Auf Bitte des Landes würden Löschflugzeuge organisiert. Frankreich habe sofort drei Maschinen zugesagt. Zusätzlich helfe Spanien mit zwei Flugzeugen.

Auch die Bundesregierung bot Portugal Hilfe an, wie Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter schrieb. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe gegenüber dem portugiesischen Ministerpräsidenten António Costa zudem die Anteilnahme der Deutschen zum Ausdruck gebracht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schickte Rebelo de Sousa ein Kondolenzschreiben. Darin heißt es: „Die dramatischen Bilder von dem zerstörerischen Waldbrand in Portugal, dem so viele Menschen nicht entfliehen konnten, haben mich sehr betroffen.“ 

von dpa

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Jamaika-Koalition

Union und FDP optimistisch nach erstem Treffen

BERLIN Nach dem ersten Treffen zwischen Union und FDP schauen beide Parteien optimistisch auf die kommenden Sondierungsgespräche. CDU-Generalsekretär Peter Tauber äußerte sich zuversichtlich über die Zukunft einer möglichen Jamaika-Koalition.mehr...

Jamaika-Koalition

Erste Sondierungsgespräche der Parteien beginnen

BERLIN Dreieinhalb Wochen nach der Bundestagswahl haben Union, FDP und Grüne mit Sondierungen für die sogenannte Jamaika-Koalition begonnen. Bei den ersten Gesprächen am Mittwoch und Donnerstag treffen aber noch gar nicht alle drei Parteien aufeinander.mehr...

Tatverdächtiger fesgenommen

Zwei Tote nach Schüssen in Kneipe in Oberbayern

Traunreut In einem Pub im oberbayerischen Traunreut hat es eine Schießerei mit zwei Toten und zwei Schwerverletzten gegeben. Ein Mann hatte am Samstagabend gegen 22.30 Uhr mit einem Gewehr die Kneipe betreten.mehr...

Vermischtes

Sterbenden Rentner in Bank ignoriert: Prozess startet

Essen (dpa) Sprachlos machte der Fall, fassungslos das Verhalten: Vor knapp einem Jahr liegt ein hilfloser Mann im Vorraum einer Essener Bankfiliale. Vier Kunden ignorieren ihn, er stirbt später. Jetzt stehen drei Bankkunden vor Gericht.mehr...

Jamaika-Koalition

Merkel schwört Union auf harte Verhandlungen ein

BERLIN Kurz vor dem Start der Sondierungsgespräche geht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) von harten Gesprächen mit den potenziellen Jamaika-Partnern FDP und Grüne aus. Und sie scheint richtig zu liegen: FDP-Chef Christian Lindner provoziert die CDU schon vor den Gesprächen mit klaren Forderungen.mehr...

Fragen und Antworten

Koalitionsgespräche beginnen am Mittwoch

BERLIN Schwarz, gelb und grün, das sind die Farben der Karibik-Insel Jamaika. Und die der neuen Regierungskoalition in Deutschland - wenn alles gut geht. Am Mittwoch beginnen Union, FDP und Grüne damit, das erste deutsche Jamaika-Bündnis auf Bundesebene auszuhandeln.mehr...