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Mit dem Motorschlitten über das Eis der nordrussischen Seen

Petrosawodsk. Wer die russische Grenzregion zu Finnland besucht, begegnet einer altertümlichen Kultur. Im Sommer ist Karelien ein Paradies für Kajakfahrer - im Winter bewegt man sich schneller und lauter fort.

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Blick auf die Ikonenwand der orthodoxen Mariä-Schutz-Kirche auf der Insel Kischi im russischen Onegasee. Der Holzbau von 1764 war heizbar und wurde deshalb von Bauern und Fischern auf der Insel als Winterkirche genutzt. Foto: Friedemann Kohler/dpa-tmn

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Winterlicher Blick aus dem Tor eines russischen Bauernhauses im Freilichtmuseum auf der Insel Kischi im Onegasee: Hier war das Leben hart - und für viele ist es das noch immer. Foto: Friedemann Kohler/dpa-tmn

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Halt am Unesco-Welterbe: Eine Gruppe von Motorschlittenfahrern macht Rast an einer der zahlreichen Holzkirchen auf der Insel Kischi im Onegasee. Foto: Friedemann Kohler/dpa-tmn

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Das Steuern eines Motorschlittens ist auch für Laien machbar - allerdings sollte man es mit der Waghalsigkeit nicht übertreiben. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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Die Weite der russischen Winterlandschaft hat ihren Reiz - kann im Nebel jedoch auch schnell zu einem Orientierungsverlust führen. Daher sollte man dicht beieinander bleiben. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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Die Tage sind kurz im winterlichen Karelien. Wenn die Dunkelheit über das Land zieht, geht es mit Licht weiter. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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Besonderes Wintererlebnis: Die Lichter der Motorschlitten funkeln nach Einbruch der Nacht wie Sterne am Horizont. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

Während der Rückfahrt über den gefrorenen Onegasee legt der Sturm richtig los. Der wirbelnde Schnee hüllt unsere Kolonne aus elf Motorschlitten ein, nimmt jede Sicht. Weit weg sind die Ufer von Europas zweitgrößtem See, selbst der Horizont verschwimmt. Nur eine fahle Sonnenscheibe hängt über uns.

35 Kilometer durch das Nichts sind zu überstehen. Auch wenn 16 Grad Frost gefühlt doppelt so eisig in den Kragen kriechen. Wir hoffen, dass Andrej auf dem Leitschlitten weiß, wohin er navigiert, dass er uns heil herausholt aus diesem Abenteuer im nordrussischen Karelien.

Andrej Dwalischwili hat sich schon bei der Einweisung vor zwei Tagen als guter Reiseführer erwiesen. Eine Stunde Fahrt von der Republikhauptstadt Petrosawodsk entfernt verwandeln sich neun Touristen in Michelin-Männchen: Erst dicke Skiunterwäsche, dann Hose, Jacke, Schal und Sturmhaube anziehen. Zum Schluss folgen Overall, dicke Stiefel, Handschuhe und Helm.

Draußen erläutert Andrej die Motorschlitten: Gasgeben, Bremsen, Kurven fahren. Wer den Anschluss an die Kolonne verliert, soll an Weggabelungen warten. „Sonst fahrt ihr zweieinhalb Stunden in die falsche Richtung, bis der Sprit alle ist“, warnt der Tourguide. Deshalb fährt Helfer Jewgeni Semaschko, im Hauptberuf Feuerwehrmann, als letzter. Er kennt den Weg und sammelt die Verlorenen ein.

Es geht los, der erste See, die erste Waldpassage, das Fahren braucht tatsächlich kaum Vorkenntnisse. Wenn der Schlitten über frischen Schnee auf freier Eisfläche stürmt - was für ein Vergnügen! Doch die Gefährte stinken und machen einen Höllenlärm. Erst wenn bei einem Halt auch der letzte Motor schweigt, kann man etwas Grandioses genießen: die Stille der nordrussischen Winterlandschaft.

Die Stille und die Natur faszinieren auch Roman Sacharenkow am meisten an seiner Heimat Karelien. Er und seine Frau Irina bieten in ihrem Reisebüro in Petrosawodsk Outdoor-Reisen durch diese Grenzregion zu Finnland an. „Wir sind selber gerne draußen, daraus hat sich der Beruf entwickelt“, erzählt Irina.

Im Sommer sind die karelischen Seen und Flüsse ein Paradies für Kajakfahrer. Der lange Winter bietet Skilanglauf, Schneeschuhtouren oder eben die Motorschlitten.

Irina schwärmt auch für die Kulturschätze der Region. Auf der Insel Walaam im Ladogasee steht ein wichtiges Kloster der russischen Orthodoxie. Es ist von St. Petersburg aus gut zu erreichen. Ein mittelalterliches Kloster beherrscht auch die Inselgruppe Solowki im Weißen Meer. Und es gibt die berühmten Holzkirchen auf der Insel Kischi im Onegasee, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen.

Gemütlich wird es bei Pjotr Kurotschkin. Der Fabrikmanager aus Moskau hat sich auf der Insel Bolschoi Klimezki den Traum vom eigenen Hotel erfüllt. Erst wärmt eine Banja, das russische Schwitzbad, die kalten Glieder. Wem zu heiß wird, der kann sich im Eisloch abkühlen. Später gibt es Abendessen und russisches Jägerlatein am Kamin.

Für den Besuch in Kischi hat Andrej einen sonnigen Tag gewählt. Die 22 kunstvollen Holzkuppeln der Verklärungskirche sind von weitem zu sehen. Im 18. Jahrhundert errichteten altrussische Baumeister hier einen „Pogost“, ein Ensemble aus Sommerkirche, kleinerer, heizbarer Winterkirche und Glockenturm. Das Einzigartige an den Kirchen von Kischi ist, dass sie fast ohne Nägel gebaut wurden. Alle Verbindungen sind gefugt oder gezapft.

Für einen Wintertag ist auf der Insel überraschend viel los. Luftkissenboote und hochgebaute Jeeps auf Ballonreifen karren Tagesgäste aus Petrosawodsk über den See. In die karelische Hauptstadt muss auch unsere Gruppe zurück - Schneesturm hin oder her. In dem wirbelnden Nichts auf dem Onegasee, in dem es sonst keine Orientierung mehr gibt, hält Andrej mit GPS-Hilfe die Richtung. Das ersehnte Ufer taucht erst wenige Meter vorher aus dem Nebel auf. Völlig erschöpft, aber hoch zufrieden haben die Motorschlittentouristen das Ziel erreicht.

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Blick auf die Ikonenwand der orthodoxen Mariä-Schutz-Kirche auf der Insel Kischi im russischen Onegasee. Der Holzbau von 1764 war heizbar und wurde deshalb von Bauern und Fischern auf der Insel als Winterkirche genutzt. Foto: Friedemann Kohler/dpa-tmn

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Winterlicher Blick aus dem Tor eines russischen Bauernhauses im Freilichtmuseum auf der Insel Kischi im Onegasee: Hier war das Leben hart - und für viele ist es das noch immer. Foto: Friedemann Kohler/dpa-tmn

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Halt am Unesco-Welterbe: Eine Gruppe von Motorschlittenfahrern macht Rast an einer der zahlreichen Holzkirchen auf der Insel Kischi im Onegasee. Foto: Friedemann Kohler/dpa-tmn

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Das Steuern eines Motorschlittens ist auch für Laien machbar - allerdings sollte man es mit der Waghalsigkeit nicht übertreiben. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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Die Weite der russischen Winterlandschaft hat ihren Reiz - kann im Nebel jedoch auch schnell zu einem Orientierungsverlust führen. Daher sollte man dicht beieinander bleiben. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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Die Tage sind kurz im winterlichen Karelien. Wenn die Dunkelheit über das Land zieht, geht es mit Licht weiter. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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Besonderes Wintererlebnis: Die Lichter der Motorschlitten funkeln nach Einbruch der Nacht wie Sterne am Horizont. Foto: Jarno Artikka/VisitKarelia/dpa-tmn

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