Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Mugabe - Vom Freiheitskämpfer zum Despoten

Harare. Robert Mugabe war einst ein Hoffnungsträger Afrikas. Doch dann klammerte er sich an die Macht. Er ließ Simbabwe in den Ruin abgleiten. Seither wurde sein Name mit Wahlfälschung, Gewalt und Hyperinflation verbunden.

Mugabe - Vom Freiheitskämpfer zum Despoten

Robert Mugabe während einer Rede auf der 13. Parteikonferenz der Zanu-PF im Dezember 2012. Foto: Tsvangirayi Mukwazhi

In fast vier Jahrzehnten an der Macht hat sich Simbabwes Präsident Robert Mugabe vom Freiheitskämpfer und weltweit respektierten Hoffnungsträger zu einem Despoten entwickelt, der sein Land heruntergewirtschaftet hat.

Der 93-Jährige wollte sich nächstes Jahr für eine weitere Amtszeit als Präsident bewerben, für seine Nachfolge baute er schon Gattin Grace (52) auf.

Doch dann machten ihm seine alten Weggefährten der Armee einen Strich durch diese Rechnung. Nur Tage nach dem Militärputsch vom Mittwoch vergangener Woche wandten sich offensichtlich alle Weggefährten in Windeseile von ihm ab. Um einer Amtsenthebung durch das Parlament zu entgehen, erklärte er am Dienstag seinen Rücktritt.

Mugabes Verdienste bei der Überwindung des weißen Minderheitsregimes und der Einführung der Demokratie 1980 sind unbestritten. Doch er wurde immer machthungriger und verlor den Blick für die Probleme der Menschen. Aus der Kornkammer des südlichen Afrikas wurde ein verarmtes, hungriges Land. Die Infrastruktur verfiel, die Währung kollabierte, Hunderttausende flohen.

Der Mann mit dem kuriosen Zahnbürsten-Bärtchen und den großen Brillengestellen klammerte sich zuletzt immer brutaler an die Macht - vermutlich auch, weil er Angst davor hatte, ihm könnte wegen früherer Vergehen der Prozess gemacht werden. Pressefreiheit und Opposition ließ er nach Kräften unterdrücken. Als gewiefter Taktiker bemühte er auch immer wieder das (weiße) Ausland, um einen Schuldigen für die magere Bilanz seiner Regierung zu finden.

Mugabe engagierte sich bereits Anfang der 1960er Jahre im politischen Kampf gegen das rhodesische Siedlerregime. Dafür musste er zehn Jahre lang im Gefängnis schmoren. Nach seiner Haftentlassung 1974 ging er ins Nachbarland Mosambik und wurde schnell einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime von Regierungschef Ian Smith. Nach Jahren des Guerillakampfes gewann Mugabes Partei 1980 die Parlamentswahlen, er wurde Premierminister, 1987 auch Präsident.

Der stets elegant gekleidete Intellektuelle und brillante Rhetoriker verblüffte Freund und Feind zunächst mit einem auf Ausgleich zwischen Schwarz und Weiß zielenden Versöhnungskurs. Die Wirtschaft wuchs, die Regierung investierte erfolgreich ins Gesundheits- und Bildungswesen. Die Alphabetisierungsrate stieg rasant. Mugabe sorgte für ein - bis heute anhaltendes - Klima, in dem gute Bildung von allen Familien als Priorität betrachtet wird. Damit war er für viele der Archetyp eines erfolgreichen und modernen afrikanischen Regierungschefs.

Doch Machtkämpfe focht Mugabe skrupellos aus. Zudem setzte der Angehörige der dominanten Volksgruppe der Shona schon bald das Militär gegen die Minderheit der Ndebele ein. Bei Massakern wurden von 1982 bis 1987 Tausende Ndebele getötet.

Mit einem Beschluss zur Enteignung weißer Landwirte brach Mugabe Ende der 90er Jahre mit der Politik der Versöhnung gegenüber Weißen. 1999 wurden über 800 Großfarmer entschädigungslos enteignet. Mugabes Anhänger besetzten Tausende Farmen, zahlreiche weiße Landwirte und Familienmitglieder wurden getötet. Viele Farmen wurden an Verbündete Mugabes gegeben, die keine Erfahrung mit Landwirtschaft hatten, oder an überforderte schwarze Kleinbauern. Die Produktion von Mais und Tabak brach rasant ein. Das löbliche Ziel, die ungerechte Landverteilung zu verbessern, wurde der Sargnagel der Wirtschaft.

Oppositionsführer Morgan Tsvangirai gewann die Wahl 2008 nach Einschätzung vieler Beobachter schon im ersten Durchgang. Die Wahlkommission verlangte jedoch eine Stichwahl - und gab den Schergen von Mugabes Partei Zanu-PF damit genügend Zeit für eine Welle der Gewalt gegen die Anhänger der Oppositionspartei MDC. Tsvangirai zog seine Kandidatur zurück, um Schlimmeres zu vermeiden. „Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können“, fabulierte Mugabe.

Viele Simbabwer resignierten und warteten zuletzt schlicht auf den Tod ihres greisen Präsidenten. Mit einem Militärputsch indes rechnete niemand. Mugabes längere Auslandsaufenthalte nährten immer wieder Spekulationen über seinen Gesundheitszustand. Sobald er sich länger nicht öffentlich zu Wort meldete, kursierten Gerüchte über seinen Tod. Selbst als 92-Jähriger nahm er das noch mit Humor: „Es stimmt: ich war tot. Aber ich wurde wie immer wiedergeboren“, feixte er im September 2016. In diesem Jahr wurde er bei Auftritten mehrfach schlafend fotografiert, beim Gehen wurde er häufig gestützt.

Mugabes erste Frau Sally war 1992 gestorben. Später heiratete er seine frühere Sekretärin Grace Marufu, mit der er drei Kinder hat. Grace Mugabe, 41 Jahre jünger als Mugabe selbst, wurde oft für ihren luxuriösen Lebensstil kritisiert. Mögliche Rivalen und Kronprinzen hat Mugabe immer wieder kalt gestellt, er wollte keine geregelte Nachfolge. Nun wird er diesbezüglich nichts mehr zu melden haben.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Hintergründe

THAAD, Patriot, Aegis: Raketenabwehr in Südkorea und Japan

Seoul/Tokio. Raketenabwehrsysteme dienen Südkorea und Japan als potenzielle Schutzschilde gegen die Bedrohung durch Nordkorea. Die beiden ostasiatischen Länder haben noch einmal deutlich aufgerüstet:mehr...

Hintergründe

Jubel in Harare: „Ich dachte, er wäre unsterblich“

Harare. Es ist vorbei. Robert Mugabe hat sich bis zuletzt an die Macht geklammert. Ein Militärputsch leitete seinen Niedergang ein. Für Simbabwe bricht eine neue Ära an.mehr...

Hintergründe

Mugabe nach Jahrzehnten an der Macht vor dem Aus

Harare. Robert Mugabe war einst ein Hoffnungsträger Afrikas. Doch dann klammerte sich er an die Macht. Er ließ Simbabwe in den Ruin abgleiten. Seither wird sein Name mit Wahlfälschung, Gewalt und Hyperinflation verbunden.mehr...

Hintergründe

Von der Kornkammer zum Armenhaus

Harare. Präsident Mugabe hat Simbabwe herabgewirtschaftet. Rekorde konnte das Land nur wegen einer desaströsen Hyperinflation vermelden. Im Land herrscht Bargeldknappheit, einzig die Digitalwährung Bitcoin floriert. Auf Mugabes Nachfolger wartet viel Arbeit.mehr...

Hintergründe

Der Abgang von Simbabwes starkem Mann

Harare. Simbabwes starker Mann steht unter Hausarrest. Das Militär scheint Präsident Mugabe in die Geschichtsbücher verbannen zu wollen. Der Militärputsch wird wohl dem als „Krokodil“ bekannten Mnangagwa den Weg ebnen. Mugabes Zukunft steht nun auf Messers Schneide.mehr...