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Hintergründe, Video und Quiz

NRW-Fluss: Was Sie über die Lippe wissen müssen

NRW Sie entspringt in NRW und mündet auch dort. Sie hat ein gigantisches Einzugsgebiet und fließt einmal quer durchs Land: die Lippe. Ihr Einfluss auf Natur und Leben ist groß, und dennoch werden Emscher, Rhein und Ruhr weit mehr beachtet. Hier rücken wir die Lippe in den Fokus.

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Die Lippe bei Werne. Diese Flussschleife wird Hufeisen genannt.

Die Lippe bei Werne aus der Luft.

Eine Quappe, gefischt aus der Seseke, einem Nebenlauf der Lippe.

Rot-türkises Gefieder und ein langer Schnabel: Der Eisvogel war so gut wie gar nicht mehr zu sehen an der Lippe. Mittlerweile ist er wieder da.

Die Lippemündung in Wesel ist durch den Lippeverband verlegt worden.

Der Mensch hat über Jahrhunderte die Landschaft und die Flüsse verändert. Meist zum Nachteil von Pflanzen, Tieren und Umwelt. Seit wenigen Jahrzehnten denkt der Mensch jedoch um und bemüht sich, die Natur, die Landschaften wieder ursprünglicher zu gestalten. So auch bei der Lippe. Der Rheinzufluss wird seit gut 20 Jahren Stück für Stück renaturiert.

Welche Folgen das für den Menschen, für Tiere, die Gesellschaft und den Fluss selbst hat, lesen Sie hier. Klicken Sie einfach auf den gewünschten Themenpunkt und sie gelangen sofort zu diesem Thema:

 

 

Damit die Lippe wieder frei fließt  - das ist geplant, das schon geschehen

 

So dreckig und stinkend wie die Emscher war sie nie, doch auch die Lippe wurde einst verschmutzt und stark begradigt. Seit Jahren wird viel für eine Renaturierung getan. Was das heißt, wie schwierig das ist und was Sie davon haben - das lesen Sie hier.

Zurück zum Ursprung: Die Lippe wird renaturiert. Warum fließt sie nicht mehr so, wie sie ursprünglich mal floss?

Weil der Mensch sie ausgebaut und begradigt hat. Ein kurzer Rückblick: Um Christi Geburt fuhren schon die Römer mit ihren Schiffen auf der Lippe. Sie nutzten sie so, wie diese sich über Jahrhunderte hinweg ihren Weg gesucht hatte. Sie war damals sehr kurvenreich. Man sagt: Sie mäanderte. Lange Zeit danach war sie für die Schifffahrt eher uninteressant. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts aber wurde sie wieder gebraucht und zwischen Lippstadt und Wesel geplant ausgebaut, damit Transportkähne besser auf ihr fahren konnten. Mehrere Schleusen entstanden.

Im 20. Jahrhundert wechselten die Schiffe auf die Kanäle. Die Lippe wurde trotzdem weiter vertieft, eingedeicht und auch verkürzt. Landwirtschaft und Städte sollten vor Hochwassern geschützt werden.

Wo fließt die Lippe überhaupt entlang?


 

Wie hat sich das auf die Lippe ausgewirkt?

Laut Bezirksregierung Arnsberg waren die Lippeufer 1990 zwar grün, aber komplett befestigt. Der Ausbau hat die Lippe schrumpfen lassen: 15 bis 20 Prozent ihrer Länge hat sie zwischen 1890 und 1990 verloren. Im Schnitt ist sie drei Meter tiefer geworden. Durch den Ausbau und die Landwirtschaft sind die einst typischen Auenlandschaften fast gänzlich verschwunden - große Flächen neben dem eigentlichen Fluss, die regelmäßig unter Wasser stehen. Der Mensch hat die Lippe zu seinem Nutzen modelliert - die Tierwelt hat darunter sehr gelitten.

Ebenso die Wasserqualität. Industrie und Bergbau haben vor allem in die Lippe westlich von Hamm Abwässer fließen lassen. Die waren zwar geklärt, sagt Michael Steinbach vom Lippeverband, haben das Wasser aber dennoch verschmutzt und erwärmt.

Sieht es immer noch so trübe aus für die Lippe?

Nein, der Mensch hat umgedacht: Seit Anfang der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts sind bundesweit Renaturierungsprojekte gestartet - befeuert auch von höchster Ebene: Die EU hat im Jahr 2000 mit ihrer Europäischen Wasserrichtlinie eine hohe ökologische Qualität der Gewässer zum Ziel gesetzt. Für die Lippe hieß es, an zwei Enden anzusetzen: Wasserqualität verbessern und dem Fluss wieder mehr Raum zum Fließen geben.

Um die Wasserqualität zu heben, wurde laut Lippeverband in den vergangenen 20 Jahren viel in die Kläranlagen investiert. Auch der Salzgehalt sei "stark zurückgegangen", da immer weniger Gruben- und Bergbauwasser anfielen, sagt Sprecher Steinbach. Mittlerweile hat die Lippe durchgängig Wassergüteklasse II. "Mehr ist für einen Flachlandfluss auch nicht zu erreichen", so Steinbach.

1996/97 startete dann das, was die Experten gerne "Entfesselung der Lippeufer" nennen. Übersetzt heißt das: Alles, was den Fluss künstlich begradigt, soll weg. Deiche, Steinanschüttungen, Flussbausteine. Kurvenreicher, natürlicher, breiter und flacher soll die Lippe wieder verlaufen dürfen. Dadurch sollen auch die Auen immer wieder unter Wasser stehen können. Wie in der Römerzeit. 

Klingt ambitioniert. Wie lief der Start?

Los ging es im Sommer 1996 in der Klostermersch bei Lippstadt. Dort wurde zum ersten Mal in NRW eine Auenlandschaft renaturiert. Das Ziel: Die Lippe in diesem Abschnitt von 13 auf 45 Meter zu verbreitern und ihre Sohle um rund zwei Meter anzuheben. Diesen Zahlen liegen umfangreiche theoretische Berechnungen zu Grunde. Denn altes Kartenmaterial zur natürlich fließenden Lippe gibt es laut Bezirksregierung Arnsberg nicht mehr. 

Eine 50-seitige Bestandsaufnahme der Behörde zeigt sehr deutlich, wie komplex solche Renaturierungsprojekte sind: So wurde in der Klostermersch ein höher gelegener Verbreiterungsgraben ausgehoben, dann wurde der Damm zwischen Lippe und neuem Graben entfernt. Mit dieser Erde wurde die Sohle der Lippe aufgeschüttet, damit sie wieder flacher fließen kann. In den Auen wurden alte Kanäle und Wasserläufe wieder ausgegraben. Am Ende der renaturierten Strecke musste der Höhenunterschied zwischen neuer und alter Lippe mit Rampen wieder ausgeglichen werden - eine kniffelige Aufgabe. Und eine, die Zeit braucht. Und Übergangslösungen.

Es folgten noch weitere Projekte im Raum Lippstadt, bis auch der Lippeverband startete.

Der Lippeverband: Nicht für den gesamten Fluss zuständig


 

Wer sich ausführlicher für die ersten Renaturierungs-Projekte an der Lippe interessiert, kann die Bestandsaufnahme der Bezirksregierung Arnsberg hier lesen:

Was ist beim Lippeverband schon passiert?

  • Der Lippeverband hat einen wichtigen, großen Seitenbach der Lippe bereits komplett renaturiert: die Seseke. 

Vom Schmutzwasserlauf zum Flüsschen

Bei Seseke-Renaturierung geht es in den Endspurt

Lünen Auf einer Länge von rund zwei Kilometern arbeitet der Lippeverband derzeit an dem Flüsschen Seseke. Der einst schnurgerade Schmutzwasserlauf soll sich bald wieder natürlich durchs Land schlängeln. An einigen Stellen bleibt jedoch auch in Zukunft kein Platz für die Natur.mehr...

Ansonsten laufen verschiedene, weitere Projekte. Einige Beispiele: 

 

  • Die Mündung der Lippe in den Rhein bei Wesel ist rundum erneuert. Die Lippe fließt hier nicht mehr gerade in den großen Rhein. Sie nimmt viele Windungen, dazwischen liegen Auen, wie dieses Luftbild zeigt:  Die neue Lippe-Mündung bei Wesel - eine Auenlandschaft. Foto: Blossey/Lippeverband
  • In Haltern an der Mündung zur Stever wurden Uferbefestigungen entfernt.

    HALTERN Die schottischen Hochlandrinder sind umgezogen, zurzeit buddelt ein Bagger am Lippeufer zwischen der Brücke der L 551 und der Stevermündung. Der Lippeverband "entfesselt" hier das Flussbett. Einerseits dient die Maßnahme dem Schutz bei höheren Wasserständen, andererseits soll die Tierwelt profitieren.mehr...

  • Zwischen Olfen und Datteln sollen sechs Kilometer Lippe-Ufer aufgebrochen werden - alle Steinschüttungen werden entfernt. Die Lippe soll am Ende 65 Meter breit sein - drei Mal so breit wie jetzt. Die Sohle der Lippe wird angehoben, um 75 Zentimeter. Laut Lippeverband wurden Anfang des Jahres bereits große Bodenmassen abgetragen. Das Projekt ist eines der größeren, sagt Verbandssprecher Michael Steinbach. Und es ist Teil der Regionale 2016, einem Strukturförderprogramm des Landes NRW.

    OLFEN 20-mal täglich von montags bis freitags fährt Lutz Kerzmar mit seinem LKW die 2,7 Kilometer lange Strecke zwischen Lippe und den Quarzwerken an der Flaesheimer Straße. Immer befördert er zehn Kubikmeter Boden aus der Lippe. Wie es in Olfen auf der Baustelle zurzeit aussieht, haben wir uns angesehen. Und Fotos gemacht.mehr...

  • Ein weiteres, sehr großes Projekt kann bald an den Start gehen: In Haltern-Lippramsdorf sollen Deiche ins Hinterland verlegt werden. Zunächst werden rund 14 Kilometer neue Deiche gebaut, anschließend die alten abgerissen. Dazwischen kann sich die Lippe ausbreiten und eine Auenlandschaft entwickeln. Die Arbeiten sollten schon längst laufen, doch ein unterlegener Bieter für das Projekt hatte Vergabebeschwerde eingereicht - der Streit landete vor Gericht und das Projekt verzögerte sich somit. Erst Ende April dieses Jahres verlor der Bieter vor dem Oberlandesgericht. Im Sommer sollen die Bauarbeiten nun losgehen. Der Bauunternehmer aus Papenburg im Emsland ist bereits für das Projekt in Olfen/Datteln zuständig. 

    Vergabebeschwerde gescheitert

    Bau der Lippedeiche kann starten

    LIPPRAMSDORF Der Weg für den Bau der Lippedeiche in Lippramsdorf und Marl ist frei. Am Donnerstag scheiterte die Vergabebeschwerde eines Mitbewerbers gegen die Auftragsvergabe des Lippeverbandes endgültig vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf.mehr...

 

Insgesamt sind im Gebiet des Lippeverbandes von insgesamt 300 Kilometern Uferlänge bisher knapp 50 Kilometer "entfesselt".

Kein altes Kartenmaterial mehr, Auseinandersetzungen vor Gericht - gibt es noch weitere Probleme?

Ja. Manchmal ist es sehr schwierig bis unmöglich, die Lippe wieder natürlich fließen zu lassen.

  • Kein Platz: Mancherorts gibt es rein räumlich einfach keine Möglichkeit, die Deiche zurückzubauen oder zu versetzen. So zum Beispiel in Dorsten, wo die Lippe direkt durch die Stadt fließt. Laut Lippeverband ist sie dort im Sommer bis zu fünf Meter tief. Die Deiche sind wichtig, um die Stadt vor Hochwassern zu schützen. "In Dorsten wird man nie auf eine flache Lippe kommen können", sagt Lippeverbands-Sprecher Steinbach. Man könne nicht für jeden Abschnitt des Flusses dieselben Maßstäbe ansetzen.
  • Keine Verkäufer: Selbst wenn genug Platz ist, die Lippe zu verbreitern - so gehören dem Lippeverband längst (noch) nicht alles Grundstücke entlang des Flusses. Bevor ein Renaturierungsprojekt starten kann, muss der Verband den Uferstreifen aufkaufen. Und das läuft laut Steinbach nicht immer reibungslos. Oft gehören die Grundstücke Landwirten. Die seien zwar "kooperativ" und würden die Projekte an sich "gut heißen". "Ihre Bereitschaft, sich von Flächen zu trennen, ist aber nicht groß", formuliert es Steinbach diplomatisch. In der Regel laufe es daher so, dass der Lippeverband zunächst eine andere Fläche kauft, um diese dann dem Landwirt als Tauschfläche anzubieten - ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess. "Jedes Projekt braucht daher einen langen Vorlauf", so Steinbach. Zur Zeit bereite man Projekte vor, die frühestens in fünf Jahren starten.
  • Kein Geld: Für die Renaturierungsprojekte kann der Lippeverband in der Regel nicht auf seine herkömmlichen Einnahmequellen zurückgreifen. Denn die Beiträge, die Kommunen, Industrie und Bergbau an den Lippeverband zahlen, sind für die Abwasserreinigung. In die Renaturierung fließt vor allem Geld vom Land - und das ist nicht immer "in der gewünschten Höhe", sagt Steinbach.

Was kostest das alles denn?

Der Lippeverband kann eigenen Angaben nach keine Gesamtsumme nennen. Das sei "nicht möglich", da es sich nicht um ein klar abgrenzbares Projekt handele, heißt es. Insgesamt werden es viele Millionen Euro sein, wie die Kosten für einige Einzelprojekte vermuten lassen:

  • Seseke-Programm: Die komplette Renaturierung dieses Lippe-Zuflusses hat um die 500 Millionen Euro gekostet, einschließlich Kanäle und Kläranlagen
  • Renaturierung zwischen Olfen und Datteln: 10 Millionen Euro
  • Neue Deiche bei Haltern-Lippramsdorf und Marl: 95 Millionen Euro
  • Neue Lippemündung bei Wesel: 18 Millionen Euro

Und was habe ich als Lippe-Anwohner oder Besucher von all dem?

Vor allem ein schöneres Landschaftsbild und mehr Natürlichkeit - und beides komme gut an, hat die Biologin Margret Bunzel-Drüke beobachtet, die bei der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest seit Jahren an der Renaturierung der Lippe mitwirkt. Touristisch wird dies ausgenutzt - es gibt immer mehr Spazierwege, Aussichtsplattformen, Radwege, Naturerkundungs- und Kanu-Touren.

Dabei lassen sich mittlerweile auch wieder viel mehr Tiere als noch vor 50 Jahren beobachten. Viele Amphibien, Vögel und vor allem Fische haben sich vermehrt oder sind gar erst wiedergekommen, nachdem die Lippe wieder natürlicher geworden ist. Und damit sauberer, kälter und flacher.

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Schillernde Vögel, seltene Fische: Diese Tiere leben in der Lippe

Rot-türkises Gefieder und ein langer Schnabel: Der Eisvogel war so gut wie gar nicht mehr zu sehen an der Lippe. Mittlerweile ist er wieder da. Foto: Margret Bunzel-Drüke

 

Egal, ob es um Vögel, Amphibien oder Fische geht - dass die Lippe an vielen Stellen wieder natürlicher fließen kann, ist gut für die Tierwelt an dem Fluss. Denn je natürlicher ein Fluss verläuft, desto mehr Tiere gibt es - auf diese einfache Faustformel kann man es bringen, sagt Margret Bunzel-Drüke, Biologin bei der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest. Bis vor zwanzig Jahren sah es daher für die Tiere an der Lippe eher düster aus.

Das hat verschiedene Gründe:

Zu dreckig

Lange war laut Lippeverband der Fluss für viele Fische schlicht zu schmutzig. Zwar nicht so dreckig wie die Emscher, weil die Abwässer, die in die Lippe geleitet wurden, geklärt waren. Den Fischen reichte das aber nicht, sagt Michael Steinbach, Sprecher des Lippeverbandes. Außerdem war es den Tieren zu salzig - denn auch Bergbau- und Grubenwasser wurden in den Fluss gespült.

Zu warm

Vielen Tieren war es zudem zu warm. Durch die Abwässer der Kraftwerke habe sich die Lippe im Sommer früher schon mal auf bis zu 28 Grad aufgeheizt, sagt Bunzel-Drüke. "Das halten viele Fische nicht aus", so die Biologin. Die Quappe beispielsweise brauche zum Laichen mindestens zehn Grad weniger. 

Zu tief und zu sehr begradigt

Die Lippe wurde im 19. Jahrhundert über weite Strecken eingedeicht, um das Umland vor Hochwasser zu schützen. Sie floss dadurch schneller und wurde tiefer. Vögel, die in Uferabbrüchen brüten, fanden keine geeigneten Plätze mehr für ihre Nester, sagt Bunzel-Drüke. Und andere Tiere keine Nahrung mehr. Wie der Storch, der gerne Regenwürmer, Mäuse, Frösche und Jungvögel frisst.

Die Deiche nahmen der Lippe auch viele ihrer Auen - Flächen neben dem eigentlichen Fluss, die immer wieder von Wasser überschwemmt werden. Laut Bunzel-Drüke standen einige Auen in der Lippe früher schon mal ein halbes Jahr unter Wasser - ein Paradies für Fische, die im flachen Wasser ihre Eier ablegen. Oder für Watvogelarten.

Als das Paradies eingedeicht wurde, sind viele Fische so gut wie verschwunden. Die Vögel haben sich andere Gebiete gesucht. Dank der Renaturierung sind viele zurückgekehrt. Rinder und Koniks (Wildpferde) wurden in der Auenlandschaft angesiedelt. Und auch bei den Fischen erholen sich die Bestände, sagen die Experten. Irgendwo in der Lippe hätten sich immer noch verstreut wenige Exemplare befunden. Die pflanzten sich jetzt fort. 

 

Sehr selten: Die Quappe kommt in NRW fast nur noch in der Lippe und ihren Seitenläufen vor. Foto: Lippeverband

Die Quappe wird wieder angesiedelt

Bei einem Fisch wird auch nachgeholfen: der Quappe. Sie ist "der Star der Lippe", denn den aalartigen Fisch gibt es laut Bunzel-Drüke in NRW fast nur noch in der Lippe und ihren Nebengewässern. Er wird als "stark gefährdet" eingestuft. Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe setzt immer wieder Larven aus, damit die Quappe sich ausbreitet. 

Alle Fische, die in der Lippe leben, hat der Lippeverband aufgelistet: 

 

Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe zeigt in einem Video, was er tut, damit die Quappe sich vermehrt - und auf welche Schwierigkeiten er dabei stößt:

 

Sie wollen wissen, welche schönen, seltenen und interessanten Tiere noch in und an der Lippe leben? Dann klicken Sie sich durch unserer Fotostrecke. Ihr Wissen können Sie auch gleich im Quiz weiter unten testen.

Diese Tiere leben in und an der Lippe

Dunkelbraun und olivgrün marmoriert, so sieht sie aus, die Quappe - der Star der Lippe. Ihre lang gezogene Gestalt erinnert an Aale. Ihre Bauchflossen entspringen noch vor den Brustflossen und sie hat einzelne Kinnbartel. Sie gilt als so besonders, weil sie in NRW fast nur noch in der Lippe und den angrenzenden Gewässern vorkommt.
Auch in der Lippe war sie so gut wie ausgestorben: Die Quappe braucht zum Laichen flache, stehende Gewässer. Weil der Fluss an vielen Stellen eingedeicht wurde, waren diese Auen fast überall ausgetrocknet. Mittlerweile gibt es wieder Auen, der Quappen-Bestand erholt sich langsam. Der Landesfischereiverband Westfalen und Lippe hilft nach und setzt Larven in der Lippe und dem Nebenfluss Seseke aus.
30 Zentimeter ist diese Quappe lang. In der Lippe kann sie laut Experten auch auf bis zu 50 Zentimeter kommen. Die Quappe ist ein Speisefisch und gilt als sehr lecker. Da sie in NRW gefährdet ist, darf sie nicht gefischt werden. Anders als viele andere Fische ist die Quappe im Winter munter und im Sommer eher faul. Auch ist sie lieber nachts als tagsüber aktiv.
Auch länglich, aber viel kleiner als die Quappe, ist der Steinbeißer. Er wird etwa bleistiftgroß, ist gelbbraun und hat auf dem Rücken viele dunkle Flecken. Er braucht flache Gewässer mit viel Sand und Schlamm, um seine Eier abzulegen. Daher gab es in der Lippe bis zur Renaturierung nur noch wenige Exemplare. Jetzt sollen es mehrere Hundert, vielleicht sogar Tausende sein.
Bis zu 50 Zentimeter groß wird die Nase, ein Süßwasserfisch, der seine Eier gerne in Kiesbänken ablegt. Auch er hatte es schwer, als die Lippe eingedeicht wurde. Da viele Deiche mittlerweile verschwunden oder umgelegt worden sind, erholt sich der Nasen-Bestand. Allerdings nur sehr langsam, da die Fische erst im Alter von drei, vier Jahren laichen.
Der Eisvogel mit seinem türkis-braunen Gefieder war aus der Lippe-Region völlig verschwunden - ihm fehlten nach der Eindeichung die Uferabbrüche zum Brüten. Eine Zeit lang stand er auf Roten Liste, mittlerweile gibt es in ganz Europa wieder mehr Eisvögel. Er war schon zwei Mal Vogel des Jahres in Deutschland: 1973 und 2009.
Auch der Uferschwalbe fehlten an der eingedeichten Lippe Brutplätze. Sie brauchen lehmige oder sandige Uferabbrüche, um ihre Höhlen hineinzugraben. Da sie diese jetzt wieder finden, sind auch die Uferschwalben an die Lippe zurück gekehrt.
Sie hat ihren Namen dank ihres auffälligen Schnabels: die Löffelente. Ihr gefällt es gut in den Auen der Lippe, aber auch im Fluss selbst. Die männlichen Tiere haben - wie auf dem Foto - ein Gefieder mit starken Kontrasten.
Ob in Olfen, Hamm oder Soest - der Weißstorch kann an der Lippe gut beobachtet werden - beim Waten im Flachwasser oder auch in seinen Nestern. Er hat sich vor allem dort niedergelassen, wo die Lippe wieder natürlicher fließen darf. Denn nur dort findet er genug zu Futtern: Regenwürmer, Mäuse, Frösche, Jungvögel und Insekten.
Nicht direkt an, sondern in einem Nebenlauf der Lippe haben sich auch vereinzelt Biber angesiedelt. Wo genau das Nagetier zu sehen ist, will der Lippeverband nicht verraten - aus Angst vor zu vielen "Bibertouristen". Das Nagetier ist gilt als stark schützenswert.
Hier war ein Biber: Die Nagetiere hinterlassen mit ihren Zähnen deutliche Spuren in der Landschaft. Sie bauen Burgen und Dämme und können ganz Bäume "fällen".
Etwas länger als einen Meter kann ein Biber werden. Damit ist er das zweitgrößte Nagetier der Welt. Vielleicht lässt er sich mit etwas Glück bei einem Spaziergang entlang der Lippe entdecken.

 

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Leben an und für die Lippe - Naturschützer und Schäfer aus Werne an der Lippe

 

Der Fluss ist eng mit dem Leben von zwei Männern aus Werne verbunden, die wir getroffen haben. Bernhard Wesselmann (81) kämpft seit 40 Jahren für den Schutz der Lippe. In unserem Video erklärt er, wieso er sich mit Behörden und Konzernen angelegt hat, um den Fluss vor gravierenden Eingriffen zu schützen. 

Ludwig Schürmann ist Lippe-Schäfer in Werne. Seit Jahrzehnten sind er und seine Schafe entlang des Flusses in Stockum zu finden. Noch. Denn der 69-Jährige gibt seine Herde im Laufe des Jahres ab und das "Amt" an einen Nachfolger ab. Was er an seinen Tieren so faszinierend findet, warum er seinen Beruf liebt - Sie sehen es in unserem kurzen Film.

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Den Fluss erleben - Tourismus und Freizeit an und auf der Lippe

Mit einem Klick auf das Symbol oben links können Sie die Legende öffnen. Wenn Sie auf die einzelnen Symbole klicken, erhalten Sie weitere Informationen. Mit den Fingern, dem Mausrad oder dem Plus- und Minuszeichen können Sie den Kartenausschnitt vergrößern und verkleinern. Mit einem Klick auf das Symbol oben rechts wechseln Sie zur Vollbildansicht.

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Tiere, Deiche, Fähren: Wie gut kennen Sie sich mit der Lippe aus?

Sie fließt einmal quer durch NRW. Durchquert dabei Dorsten, Haltern, Olfen und Werne. Lange war sie begradigt und verschmutzt. Seit Jahren wird sie renaturiert. Sind Sie ein Lippe-Experte? Testen Sie Ihr Wissen!

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Die Lippe bei Werne. Diese Flussschleife wird Hufeisen genannt.

Die Lippe bei Werne aus der Luft.

Eine Quappe, gefischt aus der Seseke, einem Nebenlauf der Lippe.

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