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Nach Touristen-Tag: Löw-Experimente auch gegen Franzosen

Köln. Erstmals seit dem verlorenen EM-Halbfinale 2016 spielt Deutschland wieder gegen Frankreich. Das Kräftemessen mit der Équipe Tricolore ist für Bundestrainer Löw zum Jahresabschluss der nächste willkommene WM-Gradmesser. Mit einem Sieg würde eine miserable Marke gelöscht.

Nach Touristen-Tag: Löw-Experimente auch gegen Franzosen

In Köln bestreitet das Team von Joachim Löw das letzte Länderspiel des Jahres. Foto: Christian Charisius

Beim ersten Training im nasskalten Köln war bei Joachim Löws England-Reisegruppe jedes Touristen-Feeling schnell verflogen.

Gegen den nächsten Top-Gegner Frankreich fordert der Bundestrainer von seinem Personal noch einmal die ganze Konzentration beim Vorlauf für das extrem anspruchsvolle Ziel WM-Titelverteidigung. „Frankreich spielt in der Offensive schon mit sehr schnellen Leuten. Da müssen wir drauf aufpassen. Personell wird es einige Wechsel geben“, kündigte Löw die Fortsetzung seiner Experimentierphase Richtung Russland 2018 an.

Bei Nieselregen bat Löw seine 23 Spieler am frühen Abend zur Übungseinheit im zugigen Kölner Südstadion. „Ich schätze die Franzosen noch einen Tick stärker ein als die Engländer“, sagte Sebastian Rudy. „Wir können uns auf was gefasst machen. Wir werden auf jeden Fall einen guten Plan haben“, versprach der Bayern-Profi.

Die jungen und körperlich enorm starken Franzosen um Bayern-Spieler Kingsley Coman oder PSG-Jungstar Kylian Mbappé sind für Löw nach dem unspektakulären 0:0 in England im nächsten Klassiker der Fußball-Nationalmannschaft am Dienstag (20.45 Uhr) in Köln ein willkommener WM-Gradmesser. „Ich glaube, dass die Mannschaft sehr stark ist, gespickt mit vielen Supertalenten. Sie werden auch bei der WM eine große Rolle spielen“, sagte Paris-Legionär Julian Draxler.

Löw hat klare Erwartungen: „Es ist für mich wichtig zu sehen, auf welchem Level sich die Spieler befinden und wie sie gegen solche Gegner bestehen.“ Das Aufeinandertreffen zum Jahresabschluss mit der Équipe Tricolore ist auch das erste Wiedersehen seit dem bitteren 0:2 im EM-Halbfinale 2016 in Marseille. „Man denkt schon ab und zu noch dran. Wir haben uns sehr geärgert, dass wir da ausgeschieden sind. Es wird nicht die große Revanchelust freigesetzt, aber ich denke generell ist das ein Superspiel“, sagte Draxler.

20 Spiele in Serie hat die DFB-Elf seither nicht mehr verloren. Nun winkt eine weitere Bestmarke unter Löw: Ein ganzes Kalenderjahr ohne Niederlage blieb Deutschland unter dem Rekordtrainer noch nie. Mit einem Sieg könnte zudem eine Negativserie beendet werden. Seit 30 Jahren hat die DFB-Elf kein Heimspiel mehr gegen Frankreich gewonnen.

Aus dem aktuellen Kader war nur Sami Khedira beim 2:1 durch einen Tore-Doppelpack von Rudi Völler im Sommer 1987 in Berlin schon geboren. Juve-Star Khedira dürfte wie Toni Kroos von Real Madrid in Köln wieder ins Team rücken. Das Duo wurde von Löw in London geschont, „um die Belastung zu verteilen“.

„Letztlich sind das Spiele, in denen wir uns selbst testen müssen. Frankreich hat auch eine enorme Qualität. Es geht nicht nur um Systeme, sondern auch um Spieler. Auch dieses Spiel wird uns wieder aufweisen, woran wir arbeiten müssen“, betonte Ilkay Gündogan nach seinem viel versprechenden Länderspiel-Comeback in London.

Die Aufarbeitung des nüchternen und torlosen Unentschiedens im Prestigeduell im Wembleystadion hatte Löw mit dem Abflug vom Queens Terminal in Heathrow erledigt. „Es lässt mich jetzt emotional nicht hochspringen. Es gab schon Klassiker England gegen Deutschland mit einer ganz anderen Emotion, wenn es um viel ging, mit strittigen Entscheidungen, knappen Ergebnissen“, erklärte der DFB-Chefcoach.

Die ernste WM-Vorbereitungsphase startet für den ausgewiesenen Turniertrainer Löw sowieso erst wenige Wochen vor dem Anpfiff in Russland. „Wir haben eine gute Basis, aber sind zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht so eingespielt. Der Feinschliff wird eh gemacht, wenn wir ins Trainingslager gehen“, sagte der Bundestrainer.

Bevor am Sonntag wieder Training anstand, hatte Löw seinen Spielern einen freien Tag in London gegönnt. Erst düsten Hummels und Co. in blauen Speedbooten über die Themse. Dann konnten die Weltmeister aus Gondeln in luftiger Höhe in der Abenddämmerung einen Blick auf London werfen. Mit Ex-Kollege Per Mertesacker als Reiseleiter ging es vom Teamhotel zu Fuß zur U-Bahn. Am Westminster-Pier startete die rasante Fluss-Tour. Anschließend stand noch eine Fahrt im Riesenrad London Eye auf dem Programm.

Im trüben London hatten Mesut Özil und seine Kollegen am Samstag erst einmal ausschlafen dürfen, bevor die Stadterkundung für rund ein Dutzend Spieler des Kaders und einige Betreuer begann. Marcel Halstenberg war wie Löw bei der Touri-Tour nicht dabei. Der Leipziger durfte sich aber für ein durchaus gelungenes Debüt im Adler-Trikot feiern lassen. „Für den Einstand war es gar nicht schlecht.“

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Trapp - Kimmich, Süle, Rüdiger, Halstenberg - Khedira, Rudy - Brandt, Stindl, Sané - Werner

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