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Nerina Pallot: Emanzipation mit smartem Soulpop

Berlin. Man hat den Eindruck, dass Nerina Pallot künstlerisch endlich bei sich angekommen ist. Mit ihrem neuen Album positioniert sich die britische Singer-Songwriterin selbstbewusst zwischen Westcoast-Pop und Soul.

Nerina Pallot: Emanzipation mit smartem Soulpop

Nerina Pallot hat alles im Griff. Foto: Tommy Reynolds

Vor zwölf Jahren war sie dank ihrer zweiten Platte eine neue Hoffnung des Singer-Songwriter-Genres, dann verlor sie mit glatten Pop-Hits etwas den Faden. Nun hat Nerina Pallot ein makelloses Album gemacht, das ihrem Potenzial voll gerecht wird.

„Stay Lucky“ (Idaho/Rough Trade) findet den Mittelweg zwischen dem slicken, ambitionierten Westcoast-Poprock der 70er Jahre und den smoothen Soul-Balladen jener Zeit. Irgendwo zwischen Joni Mitchell und Carole King also, zwischen Steely Dan und Fleetwood Mac lässt sich der Pallot-Sound anno 2017 verorten.

Letztgenannte Referenzen kann die Britin gut nachvollziehen: Jedermann sage ihr, dass der neue Song „Man Didn't Walk On The Moon“ eine Erinnerung an „Dreams“ von Fleetwood Mac sei - „dabei war ich eher an 'Do It Again' von Steely Dan interessiert“. Das Ergebnis liegt genau dazwischen - und es klingt fantastisch.

Auch Jazz-Elemente tauchen in einigen der zehn Lieder auf, etwa in „Better“ mit prägnanter Saxofon-Einlage oder in der mitternächtlichen Klavierballade „The Heart Is A Lonely Hunter“. Überhaupt strahlt „Stay Lucky“ eine Menge Sexappeal aus (was nicht zuletzt an Pallots sinnlicher Stimme liegt) - am unmissverständlichsten in „Come Back To Bed“.

Mit „Stay Lucky“ hat die mit ihrer Familie in London lebende Nerina Pallot ihr reifstes, rundestes Album abgeliefert - nach gut zwei Jahrzehnten im Popbusiness und längerer Stil-Suche. „Ich bin jetzt erst wirklich bei mir angekommen“, sagt sie.

Auf dem von ihr allein geschriebenen und produzierten Album spielt Pallot Gitarre, Piano, Synthesizer und Percussion, und sie bringt die Platte nach einer Majorlabel-Odyssee bei ihrer eigenen Firma Idaho Records heraus. Studioalbum Nummer sechs steht also in jeder Hinsicht für eine künstlerische Emanzipation - da dürfen die Songs gern ihre Einflüsse zeigen. „Ich mache nur das, was ich machen will“, sagt Pallot. „So lange ich davon leben kann, werde ich nicht damit aufhören.“ Gute Idee.

Ach ja, tolle Musiker standen ihr natürlich für diese perfekt arrangierte, äußerst warm klingende Platte auch noch zur Verfügung bei den Sessions in den berühmten Londoner RAK Studios: drei Mitglieder der Tourband des britischen Soul-Stars Michael Kiwanuka sowie Sally Herbert für die Streichersätze, Noel Langley für die Bläser und Bernard Butler (Suede, Ben Watt, Duffy) mit seiner Gitarre auf drei Tracks.

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