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Sieben Jahre nach dem Unglück

Noch immer melden sich Opfer bei Loveparade-Stiftung

DUISBURG Gut sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück kämpfen Überlebende weiterhin mit den Folgen der traumatischen Erlebnisse. Im Strafprozess, der am 8. Dezember beginnt, müssen Angehörige und Überlebende das Erlebte erneut konfrontieren. Experten bezweifeln jedoch, dass der Strafprozess das Unglück vollends aufklären kann.

Noch immer melden sich Opfer bei Loveparade-Stiftung

Viele der Überlebenden des Loveparade Unglück haben bis heute Probleme, das 2010 Erlebte zu verarbeiten. Sie hoffen genauso wie die Angehörigen der Todesopfer, auf eine lückenlose Aufklärung im Strafprozess. Foto: picture alliance / Erik Wiffers/

Der Loveparade-Stiftung in Duisburg sind in diesem Jahre weitere Fälle von schwer traumatisierten Menschen durch das Gedränge mit 21 Toten bekannt geworden. „Einige können weiterhin nicht arbeiten und brauchen immer noch Therapien“, sagte der Vorstand der „Stiftung Duisburg 24.7.2010“, Jürgen Widera, der Deutschen Presse-Agentur.

Überlebende leiden unter den Erinnerungen

„Einige sind ganz aus der Bahn geworfen und haben ihren Job verloren.“ In einem Fall habe jemand Probleme, seine Berufsunfähigkeit anerkannt zu bekommen. In einem anderen Fall habe jemand erst 2017 wieder anfangen können zu arbeiten - zunächst mit zwei Stunden täglich im Rahmen einer Wiedereingliederung.

In einem Gedränge waren damals 21 Menschen gestorben, mehr als 650 wurden verletzt. Am 8. Dezember beginnt ein Strafprozess gegen zehn Beteiligte von Stadt Duisburg und Veranstalter Lopavent.

Neue Fälle erstaunen Vorstand der Loveparade-Siftung

Bekannt wurde der Stiftung auch der Fall eines Studenten, der bis heute Schwierigkeiten hat, das Haus zu verlassen und sich unter Menschen zu begeben.

„Es hat mich schon ein bisschen erschreckt, dass es Menschen gibt, die so schwer belastet sind, von denen wir überhaupt nichts gewusst haben.“ Die Betroffenen seien über das Bundesgebiet verteilt. Widera ist bis Ende 2018 auch Ombudsmann der Stadt Duisburg für die Opfer der Loveparade.

Seelsorger betreuen Angehörige und Überlebende

Für Hinterbliebene und Verletzte stehen beim Prozess an jedem Verhandlungstag zwei Experten der Notfallseelsorge zur Verfügung. Derzeit werde ein Team von erfahrenen Notfallseelsorgern und Psychologen aufgebaut, sagte Widera. Die Notfallseelsorger aus Duisburg und dem Kreis Wesel würden Hinterbliebene und Verletzte bereits seit 2010 betreuen.

An den für Verletzte und Hinterbliebene besonders aufwühlenden Tagen sollen auch mehr als zwei Fachleute vor Ort sein. „Beispielsweise, wenn die Bilder von der Katastrophe gezeigt werden. Wenn Eltern mit den Bildern ihrer toten Kinder konfrontiert werden, kann alles Mögliche passieren, bis hin zur Retraumatisierung“, sagte Widera.

Der Pfarrer rechnet damit, dass die Eltern von etwa zehn Getöteten den Prozessauftakt am 8. Dezember persönlich verfolgen werden.

Angehörige hoffen auf Aufklärung

Die Hoffnung von Nebenklägern auf Aufklärung wird nach Ansicht des Opferbeauftragten des Landes Berlin, Roland Weber, in Strafprozessen oft nicht erfüllt. „Ein Strafprozess soll klären, ob die Angeklagten eine persönliche Schuld tragen im Sinne des Strafrechts“, sagte Weber im Vorfeld des Loveparade-Strafprozesses. „

Die sitzen nicht da, weil sie den Opfern eine Sachverhaltsaufklärung bieten wollen.“ So hätten die Angeklagten etwa das Recht zu schweigen. Dieser Widerspruch lasse sich ganz oft nicht auflösen, sagte der Rechtsanwalt.

Angeklagte müssen sich nicht selbst belasten

Das Gericht müsse so objektiv wie möglich aufklären. Ob dies gelinge, hänge auch von den Informationen ab, die ihm zur Verfügung stünden. So muss sich ein Zeuge bei seiner Aussage nicht selbst belasten und schweigt deswegen mitunter.

Oder es fehlten Beweismittel, weil sie verloren gegangen oder vernichtet worden seien. „Ich erlebe ganz regelmäßig, dass am Ende des Prozesses der Sachverhalt nicht so aufgeklärt werden konnte wie erhofft.“

Nebenkläger haben vor Gericht eigene Rechte

Nach Webers Angaben macht es einen großen Unterschied, ob jemand als Nebenkläger oder nur als Zuschauer an einem Prozess teilnimmt. „Ein Nebenkläger ist mit eigenen Rechten ausgestattet. Er kann etwa über seinen Anwalt Fragen stellen.“

Die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, sei für viele ganz wichtig. Auch habe man einen reservierten Platz und müsse sich morgens nicht anstellen für einen Sitzplatz.

Nur selten wünschten sich Nebenkläger eine hohe Strafe. Im Vordergrund stehe der Wunsch zu erfahren, warum eine Tat geschehen sei. Mitunter bekämen Betroffene im Prozess keine Antworten oder nur ein paar. „Dann wächst die Unzufriedenheit.“

Hinzu kämen noch die finanziellen Belastungen, selbst wenn die Nebenkläger Prozesskostenhilfe bekämen. So würden etwa Reise- und Hotelkosten oder ein Verdienstausfall nicht erstattet.

dpa

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