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Orgelbau, Pizza, Fastnacht: Unesco erweitert Kulturerbe

Jeju. Rund 50 000 Orgeln erklingen in Deutschland. Die „Königin der Instrumente“ hat eine lange Tradition, die jetzt von der Unesco gewürdigt wird. Freuen können sich auch Pizzabäcker und Dudelsackspieler.

Orgelbau, Pizza, Fastnacht: Unesco erweitert Kulturerbe

Ein Orgelbauer in der Schlosskirche des Residenzschlosses in Ludwigsburg. Foto: Sebastian Gollnow

Die Tradition von Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland zählt jetzt zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Das Unesco-Komitee nahm die deutsche Nominierung am Donnerstag bei seiner Tagung auf der südkoreanischen Insel Jeju in die Welterbeliste auf. 

Grund zur Freude haben auch die neapolitanischen Pizzabäcker: Das „Pizzaiuolo“, die Kunst des Pizzabackens, zählt nun ebenfalls zum Kulturerbe.

Neu auf der Liste sind auch das Dudelsackspiel „Uilleann Piping“ aus Irland und die Basler Fasnacht aus der Schweiz. Aus den Niederlanden wurden die Wind- und Wassermühlen mitsamt dem Müllerhandwerk zum Immateriellen Kulturerbe erklärt, aus Portugal das Tonfiguren-Handwerk in Estremoz und aus Griechenland die musikalische Aufführungspraxis Rebetiko mit Gesang und Tanz.

Die Liste umfasst nach Angaben der deutschen Unesco-Kommission damit nun 398 traditionelle Fertigkeiten und Wissensformen. Sie soll die Vielfalt des immateriellen Kulturerbes weltweit abbilden. Neu eingetragen wurden beispielsweise auch das Krugfest Kumbh Mela in Indien, das Reitspiel Chogān aus dem Iran, das traditionelle System der Wasserrichter von Corongo in Peru sowie die kulinarische Tradition Nsima in Malawi.

Die Anerkennung von Orgelbau und Orgelmusik wurde in Deutschland mit großer Freude begrüßt. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) erklärte in einer Mitteilung der deutschen Unesco-Kommission: „Orgelbau und Orgelmusik sind auch heute noch ein wichtiger Teil unseres Musiklebens, sie werden von Generation zu Generation weitergegeben, gepflegt und fortentwickelt. “

Durch die Aufnahme in die Unesco-Liste werde die Bedeutung dieses über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Erbes gebührend gewürdigt. Um die Tradition auch in Zukunft zu stärken, fördere die Bundesregierung die Modernisierung national bedeutsamer Orgeln und den Erhalt wertvoller Instrumente in diesem Jahr mit rund fünf Millionen Euro.

Der prominente deutsche Orgelsachverständige Michael Kaufmann sagte, dies sei ein guter Tag für Orgelfreunde. „Hinter der Formulierung des Antrags stehen Jahrzehnte der Beschäftigung als Musikwissenschaftler, Organist und Orgelsachverständiger mit dem Instrument, seiner Geschichte und Gegenwart, seiner Technik und seines Klangs.“ Nun müssten personelle und finanzielle Ressourcen für den Erhalt und die Fortschreibung der Orgelkultur eröffnet werden, etwa für die Aus- und Fortbildung von Organisten und Orgelbauern sowie bei Neubau oder Restaurierung von Orgeln.

Nach Angaben der deutschen Unesco-Kommission prägen 400 handwerkliche Orgelbaubetriebe mit etwa 2800 Mitarbeitern, 180 Auszubildenden sowie 3500 hauptamtlichen und Zehntausenden ehrenamtlichen Organisten das Handwerk und die Kunst des Orgelbaus und der Orgelmusik in Deutschland. Über 50 000 Orgeln seien derzeit hierzulande im Einsatz. „Jede Orgel ist einzigartig, denn sie wird eigens für den Raum entwickelt, in dem sie später erklingt“, sagte Prof. Christoph Wulf, Vizepräsident der Deutschen Unesco-Kommission.

Die Kunst des neapolitanischen „Pizzaiuolo“ wurde als kulinarisch-handwerkliche Praxis gewürdigt. In Neapel leben und wirken heute etwa 3000 Pizzaiuoli. Die Tradition fördere soziale Zusammenkünfte und intergenerationellen Austausch, hieß es. Die Vereinigung Neapolitanischer Pizzaiuoli veranstaltet Kurse, die sich mit der Geschichte, den Hilfsmitteln und den Techniken dieser Kunst befassen.

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