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Pelham in einer Reihe mit Adorno und Reich-Ranicki

Frankfurt/Main. Schon als kleiner Junge rappt Moses Pelham. Später prägt der Frankfurter die deutsche Sprechgesang-Szene und wird einer der erfolgreichsten Produzenten Deutschlands. Nun verleiht ihm seine Heimatstadt die Goetheplakette.

Pelham in einer Reihe mit Adorno und Reich-Ranicki

Der Frankfurter Rapper und Musikproduzent Moses Pelham im Kaisersaal des Römer. Foto: Boris Roessler

„Rödelheimer Land- /Ecke Kleemannstraße, ist, wo der Shit hier begann“ - das sind die ersten Worte eines neuen Songs des Frankfurter Rappers Moses Pelham.

Mit „Shit“ dürfte Pelhams Liebe zum Hip-Hop und seine Karriere als Künstler gemeint sein - denn beides nahm in dem Frankfurter Stadtteil an der Nidda seinen Anfang. Seit Jahrzehnten besingt Pelham Rödelheim, den Ort, in dem er aufgewachsen ist.

Nun verbeugt sich seine Heimat vor ihm. Der 46-Jährige erhielt am Montag die Goetheplakette der Stadt Frankfurt. Nach dem 2015 geehrten DJ Sven Väth ist er der zweite Preisträger, der auch massenhaft jüngeres Publikum direkt anzusprechen vermag. Sie stehen in einer Reihe mit früheren Preisträgern wie dem Philosophen Theodor W. Adorno (1963) oder dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1984). Große Namen. Nun auch Pelham. Dabei begann alles einmal ganz klein.

Als Zehnjähriger bekommt Pelham von seinem Vater ein Schlagzeug geschenkt und tauscht es wenige Jahre später gegen Plattenspieler, Mischpult und Mikrofon. Es sind die 1980er Jahre - das Jahrzehnt, in dem Hip-Hop in den USA groß wurde. Auch Pelhams Vater kommt aus Amerika, seine Mutter ist Deutsche. Moses wächst bilingual auf, wie er mal in einem Video-Interview erklärt.

Es gibt einen Mitschnitt von Pelhams erster Rap-Aufnahme, auf Englisch, 13 war er da. Er singt mit zarter Stimme: „One, two, three, A, B, C, number one is Moses P.“. Schon als 17-Jähriger klettert Pelham mit seiner ersten Solo-Single „Twilight Zone“ auf Platz 21 der deutschen Media-Control-Charts. Wenig später gründet er seine eigene Produktionsfirma „Pelham Power Productions“, kurz „3p“. Er wird zum Macher, betreut die Frankfurter Rapperin Sabrina Setlur musikalisch, produziert Xavier Naidoo und später die eigene Soulband Glashaus mit Sängerin Cassandra Steen.

In den 1990er Jahren fällt Pelham negativ wie positiv auf. 1997 bricht er Stefan Raab im Zwist die Nase. Wenig später wird Pelham mit dem Echo zum „Produzent des Jahres“ 1998 gekürt. Hip-Hop-Fans in Erinnerung bleibt vor allem das „Rödelheim Hartreim Projekt“. Zusammen mit seinem Rapper-Kollegen Thomas Hofmann firmiert Pelham in jenem Jahrzehnt unter diesem Namen und prägt die deutsche Rap-Szene. Mit Texten auf Deutsch. Das Duo hat Hits wie „Höha, Schnella, Weita“.

Viele Textzeilen klingen großspurig, wie man es von Rappern kennt: „Ich bin eine lebende Legende“ oder „Wir sind durchs Wasser gegangen und nicht nass geworden“, heißt es da. Aber die Zeilen atmen auch das Leben abseits der Bürgerlichkeit, das einige junge Menschen in Frankfurt damals lebten und auch heute noch leben.

In der Realität zeigt Pelham, dass er bissig und ausdauernd ist: Seit zwei Jahrzehnten streitet er sich mit den Elektropop-Pionieren Kraftwerk vor verschiedenen Gerichten. Pelham hatte 1997 einen zweisekündigen Rhythmus aus dem Kraftwerk-Titel „Metall auf Metall“ ohne Erlaubnis benutzt und in Endlosschleife unter den Sabrina Setlur-Song „Nur mir“ gelegt.

Der Streit hat für die Musikbranche grundsätzliche Bedeutung - insbesondere für Hip-Hop und Rap. Denn das „Sampling“, also die künstlerische Auseinandersetzung mit älteren Originalen durch das Verwenden dieser in einem neuen musikalischen Kontext, ist in Hip-Hop und Rap ein gängiges Stilmittel.

Pelhams Liedzeilen über Frankfurt und Rödelheim sind kein „Sampling“, zeigen aber die enge Beziehung zwischen dem Künstler und seiner Heimat. Das sieht die Stadt Frankfurt genauso. Pelhams jüngstes Album mit dem Titel „Herz“ gelte als Hommage an seine Heimatstadt sowie an Johann Wolfgang von Goethe, erklärte sie zur Begründung für die Auszeichnung an den 46-Jährigen. Pelham habe mit seiner Kunst den kulturellen Bekanntheitsgrad der Rhein-Main-Metropole deutlich gesteigert.

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