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Unplugged-Album

Peter Maffay: „Emotionen sind das Wichtigste“

Köln Mit 17 Nummer-eins-Alben ist Peter Maffay der erfolgreichste Künstler in den deutschen Charts. Nächstes Jahr geht er mit seinem neuen „MTV Unplugged“-Album auf Tour. Im Interview spricht Maffay über das Erwachsenwerden, die neue Generation von Sängern und den Wandel der Musikbranche.

Peter Maffay: „Emotionen sind das Wichtigste“

Am Freitag ist Peter Maffays neues „MTV Unplugged“-Album erschienen. Foto: Thomas Brill

Eric Clapton, Mariah Carey, Bruce Springsteen, Phil Collins, Bob Dylan, George Michael und Bryan Adams sind nur ein paar internationale Stars der Musikwelt, die bereits an der berühmten Konzertreihe „MTV Unplugged“ mitgewirkt haben. Ein großer deutscher Künstler ist nun hinzugekommen: Peter Maffay.

Aus dem exklusiven Konzert, das der 68-Jährige mit mehreren jungen Gastmusikern im Steintor-Varieté in Halle an der Saale gegeben hat, ist ein Live-Album entstanden, das seit Freitag auf dem Markt ist. Mit dieser Platte geht er nächstes Jahr auf große Deutschland-Tournee durch 23 Städte.

In der wunderschönen Astor Film Lounge in Köln trafen wir Peter Maffay zum Interview.

Herr Maffay, Sie wollten nie erwachsen sein, haben immer sich zur Wehr gesetzt. Sind Sie es dennoch geworden?

Ich fürchte nicht. (Lacht) Das ist aber ein Umstand, über den ich nicht traurig bin. Ich habe eine Entwicklung durchgemacht, die dem Erwachsenwerden nahe kommt. Beispielsweise jetzt an „MTV Unplugged“ mitgewirkt zu haben, ist wie im Sandkasten zu spielen. Ich stelle für mich fest: Mit Dingen zu spielen, mit Musik zu spielen, mit Songs zu spielen, kreativ zu sein, das ist dem Sandkastenspielen doch sehr ähnlich.

Das geht nicht nur mir so, sondern auch meiner Band. Im Grunde spielen wir immer noch – wie damals als Kinder. Das ist gut so! Wenn man aufhört zu spielen, dann kommt zu viel Routine, dann verlieren wir Emotionen – und das ist das Wichtigste, Emotionen.

Selbst wenn wir erwachsen geworden sind: Brauchen wir noch dieses Kind in uns?

Ja, auf jeden Fall. Dazu gehört auch, naiv und neugierig zu sein – das ist extrem wichtig. Aber das muss jeder für sich selbst wissen. Kindlich zu sein, ist etwas Schönes. Kindisch zu sein, nicht unbedingt.

Von Ihrem Song „Ich wollte nie erwachsen sein“ gibt es verschiedene Versionen, verschiedene Duette. Für „MTV Unplugged“ singen Sie das Lied gemeinsam mit der britischen Sängerin Katie Melua. Sie hat erstmals auf Deutsch gesungen. War diese Interpretation Ihres Hits die außergewöhnlichste?

Absolut. Die Version ist deshalb schon außergewöhnlich, weil Katie singt. Sie ist eine so fantastische Künstlerin – mit ihrem Können, mit ihrem Wesen. Was mich am meisten an diesem ganzen Projekt begeistert, ist das Menschliche. Sehr unterschiedliche Leute mit sehr unterschiedlicher musikalischer Stilistik sind für dieses Format zusammengekommen – von Country über Punk bis R&B. Und dann gibt es auf einmal diesen gemeinsamen Nenner: das menschliche Aufeinanderzugehen.

Als das Konzert aufgezeichnet wurde und wir alle im Kreis zusammengesessen und Musik gemacht haben, hat das dieses Aufeinanderzugehen sehr treffend symbolisiert. Wir sind unheimlich gut auf das Gegenüber eingegangen.

Das war zum Beispiel bei Katie so. Ich hatte ihr vorgeschlagen, dass sie ihre Parts auf Englisch singen soll – es gibt ja eine englische Version dieses Liedes. Sie antwortete, dass das für sie überhaupt nicht infrage kommen würde. Sie wollte unbedingt auf Deutsch singen. Ich habe sie gefragt, wie sie das denn schaffen will. Und sie sagte, sie wird es schon drauf haben. Und sie hatte recht. Das war so berührend für mich, als ich das zum ersten Mal gehört habe. Als sie den ersten Satz gesungen hat, ist der Saal weggeflogen, die Fans waren begeistert.

Dahinter steckt ein großer Respekt uns gegenüber, den sie uns und dem Publikum zeigen wollte – und den hat sie zurückbekommen. Es war ein großer Genuss für mich, mit ihr zu singen.

Für die „MTV-Unplugged“-Konzertreihe haben Sie Ihre größten Hits mit jungen Kollegen wie Johannes Oerding, Jennifer Weist und Philipp Poisel gesungen. Was zeichnet diese Generation von Musikern aus?

Dass sie es können. (Lacht)

Gute Antwort! Anders gefragt: Was unterscheidet einen sehr erfahrenen Musiker wie Sie von der heutigen Generation?

Die junge Generation spielt natürlich dieselbe Tonleiter, die wir früher auch schon gespielt haben. Da sind keine neuen Töne hinzugekommen. Es ist die Art und Weise. Nehmen wir das „MTV Unplugged“-Konzert. Jeder der Musiker ist anders auf den anderen zugegangen. Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigenen Fähigkeiten und seine eigenen Talente eingebracht. Ich habe versucht, mir alles anzuhören, was die jungen Kollegen an Musik bislang geschaffen haben. Ich wusste also, was mich musikalisch erwartet.

Dann kommt man aber zusammen, einigt sich auf zwei Lieder, eines von mir, eines von unserem Gastkünstler, und plötzlich entstehen da völlig neue Songs. Und warum? Weil diese Künstler deutliche musikalische Konturen haben. „Über sieben Brücken musst du gehen“ habe ich in zig Versionen schon gespielt, aber dann kommt Johannes mit seiner Stimme und macht ein ganz frisches Lied daraus.

Seit 1990 gibt es das Format „MTV Unplugged“, das als Königsdisziplin für jeden Künstler gilt. Empfinden Sie die Teilnahme als Ehrung Ihrer Karriere?

Dass wir „Unplugged“ spielen, ist nicht neu für uns. Es ist aber das erste Mal, dass wir aus unserer „Unplugged“-Musik ein ganzes Album gemacht haben – mit Künstlern aus völlig unterschiedlichen musikalischen Bereichen. Das war die große Herausforderung.

Dieses Format ist sehr attraktiv – nicht nur, weil große Namen wie Eric Clapton daran mitgewirkt haben, sondern weil die Konsequenz, wie dieses Format umgesetzt wird, so stark ist. Es wäre aber falsch zu behaupten, dass es keine Rolle gespielt hat, sich in dieser guten Gesellschaft wiederzufinden. Deshalb empfinde ich das als große Ehre.

Nächstes Jahr gehen Sie mit Ihrem „MTV Unplugged“-Album auf Tour. Worauf freuen Sie sich, worauf dürfen sich die Fans freuen?

Wenn man sich die Hallen anguckt, in denen wir nächstes Jahr auftreten, wird es die große Aufgabe für uns sein, für die Intimität zu sorgen, die wir bei der Aufzeichnung unseres „MTV Unplugged“-Konzertes in Halle hatten.

Sie sind seit Jahrzehnten im Musikgeschäft. Wie hat sich die Branche verändert?

Es gibt rasante, einschneidende Entwicklungen. Alles digitalisiert sich mit einer enormen Geschwindigkeit. Wie wir Musik heute nutzen, hat andere Formen angenommen. Diesen Entwicklungen werden wir leider nichts mehr entgegenbringen können, der Lauf der Zeit lässt sich nicht aufhalten. Das ist nicht mehr wie früher, als wir beispielsweise noch Vinyl hatten.

Vinyl – grandios! Liebe ich heute noch. Vielleicht ist das aber auch ein Grund dafür, weshalb „MTV Unplugged“ so erfolgreich ist. Musikmachen in seiner ursprünglichsten Form – ohne Technik. Dass es solche Formate gibt, ist in unserer heutigen schnelllebigen Zeit extrem wichtig. Sonst ist Musik nicht mehr greifbar.

Das „MTV Unplugged“-Konzert mit Peter Maffay wird am kommenden Dienstag, 7. November, um 23.15 Uhr bei Kabel 1 ausgestrahlt. Die „MTV Unplugged Tour 2018“ gastiert in folgenden Städten in der Region:

25. Februar, Gerry-Weber-Stadion, Halle

26. Februar, ISS Dome, Düsseldorf

28. Februar, Westfalenhalle 1, Dortmund

2. März, König-Pilsener-Arena, Oberhausen

17. März, Lanxess Arena, Köln

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