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Peter Maffay: Vom Märchen zurück zur Rockmusik

Köln/Halle. Peter Maffay zieht als einer der letzten großen deutschen Stars den Stecker und bittet zu „MTV unplugged“. Das Ergebnis macht Spaß - in erster Linie wohl den Fans von Deutschrock und Schlager.

Peter Maffay: Vom Märchen zurück zur Rockmusik

Peter Maffay hat sich viele Gäste eingeladen. Foto: Hendrik Schmidt/Archiv

Peter Maffay trägt ein kurzes schwarzes Hemd, sitzt auf einem Podest, spielt auf seiner Gitarre und singt „Bring mich nach Haus“. Es dauert kaum zwei Lieder, bis die Fans des Musikers zu tanzen beginnen.

Sie erleben ihr Idol an diesem Abend ganz nah: Im August hat Maffay mit Band und Gästen sein „MTV unplugged“-Konzert im Varieté-Theater Halle aufgenommen. Die ersten Minuten der Aufnahme zeigen: Der 68-Jährige hat das Publikum auch nach Jahrzehnten und ohne Effekte fest im Griff.

Grönemeyer, Lindenberg, Westernhagen: Maffay reiht sich als einer der Letzten in die Riege der großen deutschen Musiker ein, die sich an der Akustik-Reihe versuchen. Ob das Torschlusspanik war? „Ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wer auf die Idee gekommen ist“, sagt Maffay im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Es sei aber genau die richtige Abwechslung gewesen, um nach der Tabaluga-Tour im Herbst „von den Märchen wieder zur Rockmusik zurückzufinden“.

Herausgekommen ist eine Mischung aus seinen eigenen großen Hits der vergangenen Jahrzehnte wie „Über sieben Brücken musst du gehen“ und Songs der sechs Gastmusiker - unter anderem Johannes Oerding, Tony Carey und Ilse DeLange. Ein kleines Orchester mit Streichern und Bläsern, der englische Percussionist Ray Cooper und Maffays eigene Band kreierten gemeinsam echte musikalische Unikate.

Denn „MTV unplugged“ steht seit jeher für Musik in ihrer reinsten Form, für Gefühl und Intimität. Weltstars wie Bob Dylan, Nirvana und Oasis haben das bereits erkannt - das Publikum ist bei Peter Maffay aber ein anderes: Es klatscht ab der ersten Minute, im Takt und tanzend. Als Maffay seinen Hit „Du“ präsentiert, da wird geschunkelt, die Fans schwenken ihre Arme durch die Luft. Maffays rummelähnliche Ansagen zwischen den Songs tun ihr Übriges: Mit Peter Maffay ziehen - ähnlich wie bereits mit Volksrocker Andreas Gabalier - gleichzeitig Schlager- und Deutschrock in die „MTV unplugged“-Welt ein.

Selbstverständlich auch ein wenig Tabaluga: Das Lied „Ich will nie erwachsen sein“ mit Sängerin Katie Melua ist ein Höhepunkt der Show. „Ich bin jetzt lange genug dabei, ich muss über vieles nicht mehr wirklich nachdenken, um zu wissen, ob es funktioniert oder nicht“, sagt Maffay über Meluas Wunsch, den Titel auf Deutsch zu singen. Und wenn eine englischsprachige Künstlerin für sein Publikum ihre ersten Gehversuche auf Deutsch macht - dann kommt das an. Für Maffay „eine enorme Geste“. Die Bewunderung sieht man ihm an.

Maffay strahlt eine Ruhe und Besonnenheit aus, die auch manchen seiner jungen und aufgeweckten, allzu emotionalen Gäste aus der aktuellen deutschen Pop- und Rock-Landschaft nicht schaden würde. Die hauchen den altbekannten Maffay-Songs im Gegenzug etwas Frisches und Unvorhergesehenes ein. Und auch Maffay wagt sich an ihre Hits, singt mit bei „Leuchtturm“ (mit Jennifer-Rostock-Frontfrau Jennifer Weist) oder „Wie soll ein Mensch das ertragen“ (mit Philipp Poisel). Spannend wird es auch hier wieder, als Maffay mit Melua den Song „Dreams on Fire“ interpretiert.

„MTV unplugged“ büßt seit Jahren an seiner ursprünglichen Ungeschliffenheit ein - da tanzt auch Maffay nicht aus der Reihe. Das Format gewinnt mit ihm dennoch: einen authentischen Musiker, einen Geschichtenerzähler, einen, der seine Fans beschenken will. „Wenn ich auf der Bühne stehe, will ich meinem Publikum einen Teil der Kraft und des Spaßes, den wir empfinden, weitergeben können.“

Zwei Wochen lang probten die Musiker bis zu zwölf Stunden täglich. Drei Konzerte wurden aufgezeichnet - das dritte war ein Treffer. Das Ergebnis macht Spaß - vielleicht auch dem einen oder anderen Nicht-Maffay-Fan.

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