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Philippe Jaroussky singt Händel-Arien

Berlin. Philippe Jaroussky hat die ganze verschwenderische Fülle der Arien Händels im Repertoire: Vom verführerischen Liebeswerben, rasender Eifersucht und wütender Verzweiflung bis zum ekstatischen Triumphgesang.

Philippe Jaroussky singt Händel-Arien

Countertenor Philippe Jaroussky bringt die menschlich-dramatischen Facetten von Georg Friedrich Händels Musik zu Gehör. Foto: Bernd Thissen

Mit dem nur Georg Friedrich Händels Arien gewidmetem Album hat sich Countertenor Philippe Jaroussky einen lang gehegten Herzenswunsch erfüllt und dann schlicht „The Händel Album“ (Warner Classics) genannt.

Vor der erfolgreichen Einspielung lag allerdings trockene Arbeit: Langes Stöbern in Musikbibliotheken und Archiven. Allein in England schuf Opernunternehmer Händel 30 Opern, die es zu sichten galt. Lohn ist eine besondere Auswahl aus zehn Werken des Meisters der Barock-Oper. Darunter auch weniger Bekanntes wie „Flavio, König der Langobarden“, „Amadigi di Gaula“ oder „Siroe“.

Die vorliegende Aufnahme zeigt, dass die Londoner Opern im Hinblick auf Musik und Darbietung eine reiche Fundgrube an unterschiedlich menschlich-dramatischen Facetten sind und einen immensen Reichtum an psychologischer Figurenzeichnung bieten. Gemeinsam mit seinem Ensemble Artaserse erweckt der französische Countertenor diese Welten mit edler Melodik und tiefer Emotionalität zum Leben.

„Radamisto“ beklagt in tiefem Schmerz den scheinbaren Freitod seiner Frau Zenobia „Ombra cara“ und schwört Rache, es gibt einen vor Testosteron strotzenden Ausbruch des Helden, und als seine Geliebte sich dem Oberbösewicht hingeben soll, beklagt er pathetisch „Qual nave smarrita“ ihr trauriges Schicksal. Titelheld „Amadigi“ dagegen, ein Romantiker, der den Gott der Liebe anfleht, ihn in seinem Leid zu trösten: „Sussurrate, onde vezzose“.

„Flavio“, der König der Langobarden, ein ironischer Antiheld, ein Schwindler, durchlebt amouröse Missverständnisse und Momente dunkler Tragik. Die erste Arie wird so früh und fröhlich und von Triolen überfrachtet gesungen, dass sich das künftige Unheil einer tödlichen Fehde voll schmerzlichen Leides erahnen lässt.

Auch in der Kerkerszene aus „Siroe“ dominiert ein klagender Ton der Verzweiflung, und es gibt eine in ihrer Wortgewalt furchteinflößende Arie, „Deggio morire, o stelle“. „Tolomeo“ hat einen wunderbaren Monolog und wenn Ptolemaios Lathyros sich bei „Stille amare“ vergiftet, liefern die Streicher seinen stockenden Herzschlag.

„Ezio“, der tugendhafte Held, gesteht zärtlich Flavia mit „Pensa a serbarmi, o cara“ seine Liebe; leider die Tochter des Verräters. „Giustino“ dann, zu Größerem berufen, rettet Prinzessin Leocasta: „Chi mi chiama alla gloria?“

Stets und zu recht wird der mehrfach mit „Echos“ und „Victories de la Musique“ überhäufte Jaroussky gepriesen, wie einst in der WELT als „der nach wie vor am Schönsten von allen singende Countertenor“, und die „Zeit“ feierte seine göttliche Stimme, die jubelnd in die Höhe fahren und sinnliches Licht ausgießen kann. Wer den sympathischen Franzosen einmal singen gehört hat, kommt offensichtlich aus dem Schwärmen nicht mehr heraus.

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