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Potsdam-Paket war wohl nicht gegen Weihnachtsmarkt gerichtet

Potsdam. Der Schrecken sitzt tief - doch einen Tag nach dem Bombenalarm am Potsdamer Weihnachtsmarkt läuft der Betrieb wieder, als wäre nichts geschehen. Die Polizei sucht mit Hochdruck Hinweise auf den Täter - und geht eher nicht von einem geplanten Anschlag auf den Markt aus.

Potsdam-Paket war wohl nicht gegen Weihnachtsmarkt gerichtet

Polizisten haben am Freitag die Straßen um den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt von Potsdam abgesperrt. Foto: Christian Pörschmann

Hinter dem Bombenalarm von Potsdam steckt nach den ersten Ermittlungen wohl kein geplanter Anschlag auf den Weihnachtsmarkt.

„Nach bisherigen Erkenntnissen halten es unsere Ermittler eher für unwahrscheinlich, dass der Weihnachtsmarkt Ziel war“, erklärte die Polizei am Samstag per Twitter. Einzelheiten könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden, sagte ein Sprecher. Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt.

Unter nochmals verschärften Sicherheitsvorkehrungen öffneten am Samstag die Weihnachtsmärkte in der Landeshauptstadt von Brandenburg wieder. Polizei und Stadt schickten zusätzliche Streifen über die Märkte, um den Besuchern Sicherheit zu geben.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) machte sich selbst einen Eindruck bei einem Besuch. „Wir sind glimpflich davongekommen“, sagte er. Jakobs sprach auch mit dem Apotheker, an den das Paket gesendet worden war. „Der Schreck ist natürlich noch nicht überwunden“, sagte er im Anschluss.

Auf den Weihnachtsmarkt kamen bereits am Mittag wieder Tausende Besucher, tranken Glühwein oder aßen Bratwürste. „Das Leben ist so sicher, wie es im Leben sicher ist“, meinte der 68 Jahre alte Rainer Peglow, der seiner dreijährigen Enkeltochter auf einem Karussell zusah. Da habe sich bestimmt irgendjemand wichtig machen wollen, meinte er über den Täter. „Das kriegt man schon raus.“ Eine Frau an einem Glühweinstand sagte, die umfangreichen Absperrungen am Vorabend seien völlig richtig gewesen. „Wir haben uns sehr sicher gefühlt.“

Am Freitag war ein verdächtiges Paket bei dem Apotheker abgegeben worden, der direkt am Weihnachtsmarkt sein Geschäft hat. Darin befanden sich Hunderte Nägel und ein sogenannter Polenböller, wie Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) bekanntgegeben hatte.

Die Polizei kündigte an, das von Sprengstoffexperten unschädlich gemachte Paket für die Untersuchungen wieder zusammenzusetzen. Die Reste seien ins Kriminaltechnische Institut in Eberswalde gebracht worden. Die Auswertung werde einige Tage dauern.

Für die Fahndung setzte die Polizei eine Ermittlungsgruppe „Luise“ ein - benannt nach der Apotheke, an die das Paket geschickt worden war. In der Gruppe arbeiten rund 25 Kriminalisten. Der Vorwurf laute versuchte Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion. Es wurde auch eine Anfrage an alle anderen Bundesländer gestellt, ob jemals ähnliche Taten bekannt wurden.

Der Apotheker hatte Verdacht geschöpft und die Polizei alarmiert. Experten der Bundespolizei zerschossen das Paket mit einem speziellen Wasserstrahl. Eine Zündvorrichtung wurde im Anschluss nicht gefunden. Demnach hätte es sich nicht um eine funktionsfähige Bombe gehandelt. Die Teilsperrung des Weihnachtsmarktes konnte in der Nacht zu Samstag aufgehoben werden.

Die Sicherheitsvorkehrungen waren bereits nach dem terroristischen Attentat auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz vor fast einem Jahr bundesweit noch einmal verschärft worden. Am 19. Dezember 2016 war der Attentäter Anis Amri mit einem entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gefahren. Er tötete 12 Menschen und verletzte mehr als 70 weitere.

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