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Regisseur Patrice Leconte wird 70

Paris. Patrice Leconte hat einst nahezu jedes Jahr einen Film gedreht. Mit 70 Jahren widmet sich der vielseitige Regisseur nun der Literatur. Der Grund: das immer härter werdende Filmgeschäft.

Regisseur Patrice Leconte wird 70

Patrice Leconte hat sich jetzt mehr auf das Schreiben verlegt. Foto: Claudio Onorati

Patrice Leconte hat lange Zeit gedreht, wonach ihm der Kopf stand. Kommerzielle Überlegungen spielten dabei keine Rolle - wegen seines Lust-und-Laune-Prinzips bezeichnete sich der französische Regisseur einmal als undisziplinierten Schüler.

So hat er Thriller, Dramen, Trickfilme und Komödien gedreht, von denen einige international bekannt sind wie „Die Strandflitzer“ und „Die Frau auf der Brücke“. Doch damit scheint vorläufig zumindest Schluss zu sein. Denn das Filmgeschäft wird immer härter, wie Leconte, der an diesem Sonntag (12. November) 70 wird, in einem Interview sagte.

Man könne sich nicht mehr sicher sein, ob man heute seine Filme noch drehen könne, sagte Leconte dem Radiosender „Europe 1“. Dabei spielt er auf zwei Filmprojekte an, die wegen fehlender Finanzierung ins Wasser gefallen sind. Eines davon war eine Komödie mit Josiane Balasko. Eine Geschichte über eine Frau, die Gewinnspiele organisiert und ins Visier der Justiz gerät.

Statt eines Films hat Leconte im April ein Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel „Louis et l'Ubiq“ und handelt von Louis, einem Müßiggänger, dem sein Vater kurz vor seinem Tod eine Art Zauberschachtel schenkt, die es ihm ermöglicht, allgegenwärtig zu sein.  

Filmemacher, Drehbuchautor, Theaterregisseur, Schauspieler und Zeichner: Leconte ist überaus vielseitig. Mit „Louis et l'Ubiq“ hat er nach „Les femmes aux cheveux courts“ aus dem Jahr 2009 seinen zweiten Roman geschrieben. Zum Schreiben habe ihn damals der Leiter des Verlagshauses Albin Michel bewegt, erklärte er. Er selber wäre nie auf den Gedanken gekommen, einen Roman zu verfassen.

Leconte, Sohn eines Frauenarztes aus Tours in Zentralfrankreich, gehört zu den produktivsten Filmemachern Frankreichs. Er dreht fast jedes Jahr einen Film. Dabei macht er vor keinem Genre Halt: Thriller, Dramen, Liebesfilme, Komödien, Dokumentar- und Trickfilme.

Zwischen der Komödie „Die Strandflitzer“ und seinem im Mai 2012 in Cannes gezeigten Trickfilm „Le magasin des suicides“ (etwa: Das Geschäft der Selbstmorde) liegen Welten und unzählige Stilbrüche. Leconte hat keine Vorlieben - aus Angst vor Langeweile, wie er sagte.

Schon 2011 erklärte er, dass er mit dem Kino aufhören wolle. Heute bedauert er diesen Satz. Er werde so etwas nie mehr sagen. Aber er sei damals müde gewesen. Denn wenn man sich in seine Filme hineinknie, sei man danach völlig ausgelaugt. 

Der Regisseur bezeichnet sich selbst als sentimental und romantisch. Charakterzüge, die sich auch in einigen seiner Filme widerspiegeln wie „Die Verlobung des Monsieur Hire“ und „Die Frau auf der Brücke“. Zu den romantischen Dramen gehört auch „Une Promesse“ aus dem Jahr 2014. Die Adaptation von „Reise in die Vergangenheit“ von Stefan Zweig war einer seiner letzten Filme.

Wie Leconte meint, ist das goldene Zeitalter für Filmemacher wie ihn vorbei. Er wolle nicht zu jenen gehören, die sagen, früher sei alles besser gewesen, sagte er im Interview mit „Europa 1“. Doch würde man heutzutage einige seiner Filme wohl gar nicht mehr drehen.

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