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Revolution auf der Straße: Kommt das klimafreundliche Auto?

Brüssel. Die EU-Kommission will am Mittwoch neue Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos und Vans vorstellen - und dafür müssen sich die Hersteller nach der Decke strecken. Ohne abgasfreie Modelle wird es nicht gehen.

Revolution auf der Straße: Kommt das klimafreundliche Auto?

Die Akzeptanz von Elektroautos hängt nach Expertenmeinung auch davon ab, ob die Rohstoffe zu vernünftigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen gewonnen werden können. Foto: Monika Skolimowska

Geplant ist eine Revolution, zumindest eine kleine. Millionen Autos, die sich an Hunderttausenden Stromtankstellen überall in Europa blitzschnell mit sauberem Ökostrom aufladen und dann geräuschlos und abgasfrei davonbrausen - so stellt sich die EU-Kommission die Zukunft in fünf oder zehn Jahren vor.

Den ersten Schritt will die Brüsseler Behörde mit ihrem Paket für sauberen Verkehr und Klimaschutz tun, das die Kommissare am Mittwoch beschlossen.

Was plant die Kommission?

Kern des Pakets sind schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte für Autos bis 2030. Bis 2021 ist schon alles geregelt: Die Hersteller müssen die Wagen so verbessern und sparsamer machen, dass neue Modelle im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen. Ab 2022 soll es dann bis 2030 noch einmal um 30 Prozent herunter gehen. Für 2025 wird ein Etappenziel von minus 15 Prozent vorgegeben.

Wieso geht es um Elektroautos?

Betreibt man E-Autos mit Ökostrom, fahren sie quasi ohne Abgase. Die ehrgeizigen Ziele des Pariser Klimaabkommens - und die geplanten CO2-Vorgaben der EU - sind ohne solche abgasfreien Autos kaum zu erreichen. Die Kommission will zwar keine Quoten vorschreiben, plant aber ein Anreizsystem. Autobauer sollen bis 2025 unter ihren verkauften Neuwagen mehr als 15 Prozent emissionsarme Autos haben, bis 2030 dann mehr als 30 Prozent. Noch 2016 lag der Anteil bei rund einem Prozent. Zuletzt wuchsen die Zulassungszahlen aber schon deutlich, auf einen Anteil von 6,2 Prozent im dritten Quartal 2017.

Schaffen die Hersteller die neuen Ziele 2025 und 2030, sollen sie nach dem Kommissionsvorschlag einen Nachlass bei den CO2-Vorgaben bekommen. Profitieren könnten von dem System auch andere Technologien wie etwa Wasserstoffantriebe, doch haben die derzeit eine noch winzigere Nische als Elektroautos.

Schafft das die Industrie?

Die EU-Kommission gibt sich überzeugt, dass mit der Mischung aus Vorschriften und Anreizen im nächsten Jahrzehnt der Automarkt neu aufgerollt wird - und dabei sogar bis zu 70 000 neue Jobs entstehen. Voraussetzung für attraktive E-Autos sind allerdings leistungsfähigere Batterien, die möglichst in Europa produziert werden sollen, und ein dichtes Netz von Ladestationen. Die Kommission verspricht für den Aufbau 800 Millionen Euro.

Die Industrie selbst stapelt tief. „Der vorgelegte Entwurf stellt die Automobilindustrie vor extreme Herausforderungen“, erklärte der Verband der Automobilindustrie. Freiwillig vorgeschlagen hatte der europäische Herstellerverband ACEA nur ein CO2-Minderungsziel von 20 Prozent. Der Verband tut sich vor allem schwer mit dem Zwischenziel für 2025, weil der Vorlauf zu kurz sei. Zudem setzen die Autobauer weiter auf den Diesel. Moderne Typen stießen nur sehr wenig Schadstoffe aus und leisteten einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele, schreibt ACEA in einem Positionspapier.

Reichen die Kommissionspläne für den Klimaschutz?

Die europäischen Grünen sagen: Nein. Sie haben nach eigenen Angaben die Ziele aus dem Pariser Klimaabkommen umgerechnet und kommen auf viel drastischere Vorgaben für den Autoverkehr, der für rund 15 Prozent der CO2-Emissionen in Europa verantwortlich ist. Nötig sind demnach eine Senkung dieser Emissionen um 60 Prozent bis 2030 und eine Elektro-Quote von 50 Prozent schon 2025. Das Umweltbundesamt schlägt in dieselbe Kerbe und erklärt: „Wir brauchen eine Minderung der CO2-Flottengrenzwerte von fast 70 Prozent im Jahr 2030 gegenüber 2021. Die jetzt vorgeschlagene Minderung von nur 30 Prozent wird daher nicht ausreichen, damit der Verkehr in Deutschland seinen Beitrag zum Klimaschutz erfüllen kann.“

Können sich normale Leute künftig noch ein Auto leisten?

Elektroautos schrecken viele Verbraucher mit hohen Anschaffungskosten. Das gilt nicht nur für Modelle des US-Trendherstellers Tesla für 90 000 Euro und mehr. Auch europäische Kleinwagen sind als Stromautos meist Tausende Euro teurer als mit herkömmlichem Verbrennungsmotor. Die Kommission erwartet aber einen Preissturz, sobald die Elektroautos zur Massenware werden. Schon Anfang des nächsten Jahrzehnts soll es soweit sein. Außerdem betont die Kommission, dass man bei niedrigerem Verbrauch jährlich Hunderte Euro an der Zapfsäule kann. Das gilt wohl noch mehr für das Tanken von Strom aus dem eigenen Solardach.

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