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Ingwer

Scharfes Multitalent

Ingwer ist die Heilpflanze des Jahres 2018. Schon seit Jahrhunderten wird sie wegen ihres würzigen Geschmacks und ihrer heilenden Wirkung geschätzt.

Scharfes Multitalent

Von Andrea Schorradt
Der Hals kratzt, die Nase läuft, und überhaupt fühlt man sich schlapp. Herbstzeit ist Erkältungszeit. In kaum einer anderen Jahreszeit werden so stark Husten- und Schnupfenmedikamente nachgefragt wie in den Monaten Oktober und November.

Als Ergänzung oder als Alternative zur Schulmedizin setzen viele Menschen auch auf Hausmittel. Immer häufiger erste Wahl: Ingwer, der meist in Form von Tee eingenommen wird. Dazu wird die Knolle in dünne Scheiben geschnitten und mit kochend heißem Wasser übergossen. Der Effekt von Ingwer ist sofort spürbar: Unmittelbar nach dem Verzehr stellt sich ein Gefühl der Wärme ein. Das liegt an den Scharfstoffen im Ingwer, sie regen die Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut an, was sich auf die Speichel- und Magensaftsekretion auswirkt. Das Zentrum Naturheilkunde der Universität Freiburg empfiehlt den Verzehr von Ingwer bei Erkältungen. „Der von außen so unscheinbare Ingwer verbirgt in seinem Inneren eine breite Palette an medizinisch wirksamen Inhaltsstoffen und ist damit ein in der Naturheilkunde gerne verwendetes Heilmittel“, heißt es in einer Veröffentlichung der Universität zum Thema.

Schmerzstillende Eigenschaften
Ingwer (Zingiber officinale) enthält ätherische Öle (zwischen 1,5 und drei Prozent) und Scharfstoffe, die der Knolle ihren typischen Geschmack verleihen. Diese Scharfstoffe bestehen überwiegend aus Gingerolen und Shogaolen. Verschiedene Studien konnten zeigen, dass Gingerole entzündungshemmende, schleimlösende und schmerzstillende Eigenschaften haben. „Ingwer wirkt entzündungshemmend, aktiviert die Darmtätigkeit und war in Laborversuchen gegen verschiedene Viren wirksam“, hat auch die Universität Freiburg festgestellt. Längst ist bekannt, dass Ingwer nicht nur bei Erkältungen helfen kann, sondern auch Magen-Darm-Beschwerden lindern kann, indem die Bildung von Magensäure angeregt wird. Dies wiederum regt den Appetit an und fördert die Verdauung. Substanzen, die in Ingwer stecken, können außerdem gegen Reiseübelkeit helfen, da sie Übelkeit und Brechreiz vermindern.

Während Ingwer sich in der europäischen Kultur vor allem in den letzten Jahrzehnten etabliert hat – obwohl auch schon Hildegard von Bingen ihn in ihrem mittelalterlichen Kräuterbuch erwähnte –, spielt Ingwer in der asiatischen Welt schon seit Jahrtausenden eine wichtige Rolle bei der Linderung von Beschwerden und Krankheiten. So wird Ingwer sowohl in der Ayurveda eingesetzt als auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Das tropische Südostasien ist die Heimat des Ingwers. Er wird seit Jahrhunderten in Indien und China kultiviert und spielt auch als Würzmittel in vielen Speisen eine bedeutende Rolle, etwa in eingelegter Form beim japanischen Sushi oder als Beigabe in asiatischen Currys. Über Südostasien fand Ingwer auch seinen Weg in die angelsächsische Küche. Gingerbread oder Ginger Ale sind heute als typische Speisen bzw. Getränke der englischen Küche bekannt.

Der Verein NHV Theophrastus, der seit 2003 die Heilpflanze des Jahres kürt, erklärte Ingwer übrigens zur Heilpflanze des Jahres 2018.

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