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Schreckliche Kindesmorde: Marthaler ermittelt wieder

Berlin. Der Anruf eines ehemaligen Kollegen steht am Beginn eines neuen Falles für Kommissar Marthaler. In „Menschenfischer“ stellt Jan Seghers einen Fall in den Mittelpunkt, der seit 20 Jahren ungeklärt ist und auf einmal aktuell wird.

Schreckliche Kindesmorde: Marthaler ermittelt wieder

Der Autor Matthias Altenburg alias Jan Seghers schickt Kommissar Marthaler auf Mödersuche. Foto: Marius Becker

Ein grausiger Mordfall, der auch nach zwei Jahrzehnten nicht aufgeklärt ist, holt den Frankfurter Kommissar Marthaler in Jan Seghers' neuem Roman „Menschenfischer“ aus dem Urlaub.

Rudi Ferres, der mittlerweile pensionierte frühere Chef der Mordkommission, ruft Marthaler an, denn es geben neue Hinweise im Mordfall Tobias, jenem Fall, in den er sich bis zur Besessenheit verbissen hatte, ohne jemals den Täter zu finden.

Marthaler reist nach Südfrankreich, wohin sich der frühere Kommissar zurückgezogen hat, und geht mit ihm die Mordakten durch, die sich der Pensionär kopiert und mitgenommen hatte. Ferres hat sogar seine Verbindungen zum Fernsehen aufrecht erhalten und dafür gesorgt, dass der Fall, der schon zur deutschen Kriminalgeschichte zählt, ein weiteres Mal in einer Real-Crime-Sendung einem großen Publikum dargestellt wird.

Jan Seghers hat seinen sechsten Marthaler-Krimi an den Mordfall Tristan angelehnt. 1998 war der 13-jährige Tristan in Frankfurt ermordet aufgefunden worden. Die Leiche des Jungen war verstümmelt und seltsam drapiert in einem Tunnel gefunden worden. Trotz intensiver Ermittlungen konnte der Fall bis heute nicht aufgeklärt werden.

In „Menschenfischer“ heißt das Mordopfer Tobias, aber ansonsten sind die Fälle fast identisch. Aber im Roman machen die Ermittlungen Fortschritte. Moderne Computertechnik macht es möglich, das Phantombild eines Verdächtigen so altern zu lassen, dass sich tatsächlich jemand meldet, der den Mann erst kürzlich gesehen haben will. Sollte Marthaler nach 20 Jahren doch noch den Mörder finden?

Gerade als der Kommissar eine erste Spur in ein kleines Dorf findet, bricht auf einmal ein anderer Fall in Marthalers Ermittlungen hinein. Genau dort, wo der Täter gesehen worden sein soll, werden zwei Kinderleichen entdeckt. Beide Jungen wurden genauso zugerichtet wie Tobias 20 Jahre zuvor. Nach fast zwei Jahrzehnten könnte der Täter von damals wieder gemordet haben.

Für den neuen Fall bekommt der eigenwillige Marthaler, der gerade die Trennung von seiner Freundin verkraften muss, eine Kollegin. Die Jungenleichen wurden im Zuständigkeitsbereich der Wiesbadener Kommissarin Kizzy Winterstein gefunden, die nun im Parallelfall ermittelt. Der Roman gewinnt eine unerwartet leichte Note durch die Versuche der beiden unkonventionellen Ermittler, miteinander zu arbeiten.

Eine kleine Auflockerung ist auch nötig angesichts der Grausamkeit der Morde. „Ein solches Verbrechen kann man sich nur in der Hölle ausgedacht haben“, kommentiert einer der ermittelnden Polizisten den Fall der beiden toten Jungen im Bergwerksstollen.

Seghers vermischt sehr geschickt den realen Fall und seine Details mit dem erdachten Fall. Ohne zu detailliert werden zu müssen, kann er so die Bilder in den Gehirnen der Leser entstehen lassen. Das ist spannend und bewegend - und nichts für schwache Nerven.

- Jan Seghers: Menschenfischer. Kindler Verlag, Reinbek, 427 Seiten, 19,95 Euro, ISBN 978-3-463-40670-1.

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