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Siemens erwägt Job-Verlagerung nach Ostdeutschland

München. Siemens stellt den Arbeitnehmern beim geplanten Stellenabbau einen Kompromiss in Aussicht: Mit Verlagerungen bestimmter Arbeiten könnten Werke vor allem in Ostdeutschland erhalten werden. Doch die IG Metall wittert den Versuch, Unfrieden zwischen den Standorten zu stiften.

Siemens erwägt Job-Verlagerung nach Ostdeutschland

In der Kraftwerkssparte sowie im Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe will Siemens wohl mehrere Tausend Jobs streichen. Es wird über bis zu 4000 bedrohte Arbeitsplätze spekuliert. Foto: Peter Kneffel

Der Elektrokonzern Siemens erwägt beim geplanten Stellenabbau in der Kraftwerkssparte auch die Verlagerung von Arbeitsplätzen nach Ostdeutschland.

Am Ende des Tages werde es darauf ankommen, eine gewisse Solidarität zwischen Beschäftigten und Anteilseignern zu schaffen, hieß es aus Konzernkreisen.

Hintergrund sind die befürchteten drastischen Einschnitte in der Kraftwerkssparte Power & Gas. Bei den Aktionären wolle man dafür werben, beim Drang nach Profitabilität etwas nachzugeben. Vielleicht müsse man einen Prozentpunkt an der Marge - der Gewinnspanne - opfern „und dafür den Leuten eine Perspektive geben“.

In der Kraftwerkssparte sowie im Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe will Siemens wohl mehrere Tausend Jobs streichen, über bis zu 4000 bedrohte Arbeitsplätze wird spekuliert. Auch mögliche Standortschließungen sind im Gespräch, so etwa für eine Fabrik im sächsischen Görlitz. Siemens-Personalchefin Janina Kugel hatte angekündigt, dass die Details Mitte November mit den Arbeitnehmern im Wirtschaftsausschuss besprochen werden sollen. Auch Entlassungen schließt Siemens erstmals seit langer Zeit nicht aus.

Den Vorwurf des Wortbruchs, den die IG Metall erhebt, will der Dax-Konzern allerdings nicht gelten lassen. Die Gewerkschaft sieht in den Plänen einen Angriff auf die bei Siemens geltenden Vereinbarungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung. Das Unternehmen verweist hingegen auf eine Klausel in dem Pakt, wonach sich Firmenseite und Arbeitnehmer zusammensetzen und nach Lösungen suchen können, falls alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Bei der Möglichkeit, bestimmte Aufgaben in strukturschwächere Regionen zu verlagern, gehe es aber nicht darum, Standorte gegeneinander auszuspielen, hieß es aus den Konzernkreisen.

Von der IG Metall wird das hingegen angezweifelt. Die Gewerkschaft hatte bereits Widerstand gegen die Pläne angekündigt und reagierte auch jetzt skeptisch auf die Aussagen. „Wenn das Unternehmen glaubt, dass wir uns jetzt an den Verhandlungstisch setzen und das Ganze nur noch glatt ziehen, täuschen sie sich“, sagte ein IG-Metall-Sprecher. Parallel zur Bilanz-Pressekonferenz an diesem Donnerstag (9. November) in München will die Gewerkschaft bei einer Demonstration vor der Konzernzentrale gegen die Pläne protestieren. Dabei soll auch ein Transparent mit Fotos von Siemens-Beschäftigten entrollt werden.

Siemens bekommt wie die Wettbewerber in der Kraftwerkssparte den Boom für erneuerbare Energien und den Trend zur dezentralen Energieversorgung zu spüren, der für einen Nachfrageschwund bei großen Gasturbinen mit Preisdruck und Überkapazitäten gesorgt hat. Nachdem 2011 noch fast 250 Gasturbinen mit einer Leistung von mehr als 100 Megawatt verkauft wurden, werden es in diesem Jahr nur noch rund 120 sein. In Deutschland hat die Kraftwerkssparte von Siemens Standorte in Mülheim, Offenbach, Erlangen, Berlin, Leipzig, Essen, Duisburg, Erfurt und Görlitz. Inklusive Service sind in Deutschland rund 16 000 Menschen im Kraftwerksgeschäft beschäftigt.

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