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Sommer-Boom auf dem Arbeitsmarkt

Wiesbaden/Nürnberg. Immer mehr Menschen gehen in Deutschland einer Erwerbstätigkeit nach. Doch den Weg in die Selbstständigkeit wählen wenige. Lieber lassen sich die Menschen sozialversicherungspflichtig anstellen.

Sommer-Boom auf dem Arbeitsmarkt

Die Wiesbadener Behörde wies darauf hin, dass eine Zunahme der Erwerbstätigkeit von Juli bis September saisonal üblich ist. Foto: Martin Schutt

In Deutschland haben so viele Menschen einen Job wie nie zuvor: 44,5 Millionen Erwerbstätige zählte das Statistische Bundesamt nach Angaben im dritten Quartal des laufenden Jahres.

Das waren 275 000 oder 0,6 Prozent mehr als im Frühjahr 2017 und 668 000 oder 1,5 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Die Wiesbadener Behörde wies darauf hin, dass eine Zunahme der Erwerbstätigkeit von Juli bis September saisonal üblich ist - vor allem, weil in diesem Zeitraum junge Menschen üblicherweise ihre Ausbildung beginnen. Allerdings sei der Zuwachs in diesem Jahr stärker gewesen als im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre.

Während die Zahl der Arbeitnehmer in dem Sommerquartal erstmals die Marke von 40 Millionen überschritten hat, stagnierte die Zahl der Selbstständigen und ihrer mithelfenden Angehörigen weiterhin bei 4,3 Millionen.

Die meisten neuen Jobs entstanden den Statistikern zufolge im sozialversicherungspflichtigen Bereich. Beteiligt waren das verarbeitende Gewerbe sowie sämtliche Dienstleistungsbereiche mit Ausnahme der Finanz- und Versicherungsdienstleister. Hier werden im Zeichen von Digitalisierung und hohem Kostendruck schon länger Stellen abgebaut.

Der anhaltende Beschäftigungsboom sorgt unterdessen auch bei Arbeitslosenzahl - dem Spiegelbild zur Beschäftigungsstatistik - für einen anhaltenden Jobaufschwung. Im Oktober war die Zahl der Erwerbslosen mit 2,389 Millionen erstmals seit der deutschen Wiedervereinigung unter die Marke von 2,4 Millionen gesunken. Seit ein paar Monaten profitieren davon auch Langzeitarbeitslose: Hatte ihre Zahl jahrelang bei rund einer Million gelegen, so sank sie im Oktober auf 869 000.

Die regelmäßig befragten Chefs der 156 Arbeitsagenturen gehen mindestens bis zum Jahresende von einem weiterhin robusten Arbeitsmarkt aus. Für das kommende Jahr rechnet die Bundesagentur für Arbeit dagegen mit deutlich weniger Tempo beim Abbau der Arbeitslosigkeit. Volkswirte einiger deutscher Großbanken schließen auf saisonbereinigter Basis sogar einen leichte Zunahme der Arbeitslosenzahlen nicht aus.

Hoffnungsvoll stimmt Arbeitsmarktbeobachter allerdings die unverändert große Zahl an freien Stellen. Ihre Zahl lag nach Erkenntnissen des Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im dritten Quartal mit 1,097 Millionen zu besetztenden Jobs knapp unter der bisherigen Rekordmarke vom Vorquartal. Einer der Gründe dafür: Nach jahrelanger Einstellungszurückhaltung sucht inzwischen auch die Industrie wieder verstärkt nach Arbeitskräften.

Der Sozialverband VdK wies dagegen darauf hin, dass trotz dieser Erfolgszahlen eine beträchtliche Zahl von Langzeitarbeitslosen keine Chance habe, auf dem regulären Arbeitsmarkt wieder eine Beschäftigung zu finden. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher verlangte Weiterbildungsangebote und einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor.

Arbeitsmarktforscher hatten erst jüngst an die künftige Bundesregierung appelliert, mehr für den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit zu tun. Auch nach ihrer Einschätzung kommt die Regierung um das heikle Thema „Sozialer Arbeitsmarkt“ nicht herum - für jene, die so gut wie keine Chancen auf eine Stelle in einem regulären Unternehmen haben. Ihnen sollten öffentlich geförderte Jobs bei Beschäftigungsgesellschaften angeboten werden.

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