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Anklage Anfang 2018

Staatsanwaltschaft: Pfleger tötete rund 100 Patienten

OLDENBURG Die Zahl ist beinahe unvorstellbar: Rund 100 Menschen soll der Patientenmörder Niels H. auf dem Gewissen haben. Davon ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, nachdem 130 gestorbene Patienten ausgegraben wurden. Anfang 2018 wll sie Anklage erheben. Erschreckend: Ein Großteil der Morde in den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg hätte offenbar verhindert werden können.

Staatsanwaltschaft: Pfleger tötete rund 100 Patienten

Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. vor Gericht. Für sechs Tagen, darunter zwei Morde, ist er bereits verurteilt. Foto: dpa

Der bereits verurteilte Patientenmörder Niels H. ist nach Abschluss aller toxikologischen Untersuchungen für rund 100 Todesopfer an den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg verantwortlich. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Donnerstag mit.

Den Untersuchungen zufolge können ihm 62 Sterbefälle in Delmenhorst und 38 Fälle in Oldenburg zugerechnet werden. In fünf der Oldenburger Fälle müssten allerdings noch weitere Untersuchungen erfolgen.

Niels H. ist bereits wegen sechs Taten zu lebenslanger Haft verurteilt worden, unter anderem wegen zwei Morden. Die Staatsanwaltschaft will wegen der neuen Fälle voraussichtlich Anfang kommenden Jahres Anklage erheben.

Überdosis gespritzt
Niels H. hatte gestanden, Patienten eine Überdosis von Medikamenten gespritzt zu haben, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Damit wollte er sich vor Kollegen als heldenhafter Retter beweisen. Mehr als 130 frühere Patienten der beiden Kliniken ließ die eigens dafür eingerichtete Sonderkommission der Polizei in den vergangenen drei Jahren ausgraben und auf Rückstände von Medikamenten testen.

Oldenburg. Dass der Patientenmörder Niels H. noch viel mehr Menschen tötete, damit haben die Ermittler gerechnet. Doch das tatsächliche Ausmaß seiner Verbrechen macht selbst sie sprachlos.mehr...

Fest steht nach Ansicht der Ermittler, dass ein großer Teil der Morde hätte verhindert werden können. Schon am Klinikum Oldenburg gab es eine Statistik, die zeigte, dass während der Schicht von Niels H. die Sterberate und die Zahl der Reanimationen stieg.

Gutes Arbeitszeugnis
Das Klinikum Oldenburg trennte sich von dem verdächtigen Pfleger und stellte ihm sogar ein gutes Arbeitszeugnis aus. Eine Warnung an das Klinikum Delmenhorst blieb aus. Auch dort gab es bald Gerüchte, weil auffällig viele Patienten während der Schicht von Niels H. starben. Später lagen auch handfeste Beweise vor: Zwei frühere Oberärzte und der Stationsleiter werden deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen vor Gericht stehen.

Von einem großen Versagen hatte die Deutsche Stiftung Patientenschutz gesprochen. Tätern werde es in Krankenhäusern und Pflegeheimen immer noch zu leicht gemacht. In vielen der bundesweit 2000 Krankenhäusern seien die Kontrollmechanismen nicht verschärft werden.

dpa

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