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Stralsund - Kein Weg zurück

Berlin. Nach einem Raubmord gerät ein Flüchtling in die Fänge einer Bürgerwehr. Der neue Fall von Kommissarin Nina Petersen alias Katharina Wackernagel packt heiße Eisen wie Fremdenhass und Selbstjustiz an.

Stralsund - Kein Weg zurück

Kommissarin Nina Petersen (Katharina Wackernagel) versucht die einzelnen Puzzlestücke des Falls zusammensetzen. Foto: Gordon Timpen

Der Samstagabend ist im ZDF längst zum festen Sendeplatz für Krimis geworden. Von „München Mord“ bis „Friesland - Mörderische Gezeiten“ sind mittlerweile zur Hauptsendezeit auch etliche Städte und Regionen Deutschlands vertreten. Die Reihe „Stralsund“ mit Katharina Wackernagel als Kommissarin Nina Petersen läuft bereits seit 2009 mit beachtlichem Erfolg.

Die zehnte Ausgabe der Mörderjagd im Nordosten kam im letzten Jahr auf eine gute Quote von 5,84 Millionen Zuschauern, der Marktanteil betrug 18,9 Prozent. Im neuen Fall „Stralsund - Kein Weg zurück“, der am Samstag um 20.15 Uhr im Zweiten läuft, müssen sich Petersen und ihre Kollegen mit Fremdenhass, Ressentiments gegenüber Flüchtlingen und einer selbsternannten Bürgerwehr auseinandersetzen.

Es beginnt mit einem rätselhaften Raubmord in einem Supermarkt. Dabei wird die Kassierin Monika (Sylta Fee Wegmann) vergewaltigt, ihre Kollegin erschossen. Aber die völlig verstörte Monika geht aus Scham und Angst vor ihrem aggressiven Freund Mirko (Vladimir Korneev) nicht zur Polizei, und schnell gerät der Flüchtling Yussuf Obbadi (Yasin el Harrouk) in Verdacht, der Täter zu sein. Zwei Mitglieder einer dubiosen Schutztruppe entführen und foltern den Mann, der in einer Gärtnerei arbeitet und immer wieder seine Unschuld beteuert. Als es zu einem weiteren Todesfall kommt, scheint die Stimmung in der Stadt zu kippen.

Düsternis und eine schier allgegenwärtige Tristesse dominieren diesen ein wenig zäh und langatmig inszenierten Krimi (Regie: Florian Froschmayer). Es ist fast immer Nacht in Stralsund, eine graue, windige Stadt am Meer, die hinter ihren hübsch sanierten Altstadtfassaden mörderische Geheimnisse verbirgt. Wir erleben einen traurigen Fall, der überall in Deutschland spielen könnte und sich um Fremdenhass und Selbstjustiz dreht und einige aktuelle Anspielungen auf den Rechtsruck in Deutschland bereithält.

Aber so ganz gelingt es den Drehbuchautoren Martin Eigler und Sven Poser nicht, die politische Brisanz des Themas schlüssig mit dem verschachtelten Mordfall zu verbinden. Da reicht es dann nicht, eine rechte Uni-Dozentin, gespielt von Ulrike Krumbiegel, als geistige Brandstifterin zu präsentieren. Die Wurzeln des Hasses liegen tiefer.

Ein großes Plus von „Stralsund“ sind auch diesmal wieder die Darsteller. Allen voran ist es die souveräne Katharina Wackernagel, die als Kommissarin Nina Petersen in ihrem mittlerweile elften Fall im Nordosten mit viel Geduld und Mitgefühl Licht ins Dunkel des schrecklichen Raubmordes bringt. An ihrer Seite agiert Alexander Held als Kommissar Karl Hidde: ein spröder, oft penibler Aktenfresser, der aber immer loyal zu seiner Kollegin steht. „Wenn's mich erwischt, kannst Du ja Chef werden“, meint er lakonisch in einer brenzligen Situation zu Petersen.

Die beiden sind schon ein interessantes Gespann, auch wenn ihr trockener Humor nur ganz dosiert aufblitzt. So bleibt nach diesem düsteren, gut gespielten Fall nur der Wunsch, dass wir demnächst die Stadt am Meer wieder in einem etwas helleren Licht zu sehen bekommen.

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