Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Studie: Viele Klinik-Notaufnahmen nicht ausgelastet

Berlin. Von wegen alle Notaufnahmen sind überlaufen. Viele sind gar nicht ausgelastet, sagen die Kassenärzte. Und sie sehen darin auch ein Risiko für Patienten.

Studie: Viele Klinik-Notaufnahmen nicht ausgelastet

Viele Notaufnahmen an Krankenhäusern sind kaum ausgelastet. Foto: Holger Hollemann/dpa

Die meisten Notaufnahmen an deutschen Krankenhäusern sind nach einer neuen Studie der Kassenärzte kaum ausgelastet. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht erheblichen Reformbedarf, insbesondere bei Häusern mit kleineren Notaufnahmen.

Denn geringere Erfahrung des Personals sowie schlechtere Technikausstattung führten hier zu höheren Risiken für Patienten. Nach der Untersuchung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) werden im Durchschnitt rund 1,7 Patienten pro Stunde in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt.

„Wenn es um Leben und Tod geht, ist die Versorgung in den großen Notaufnahmen erheblich besser“, erläuterte Institutsgeschäftsführer Dominik von Stillfried und verwies auf Untersuchungen in den USA. Dort zeigten sich bei Notaufnahmen mit weniger als 2,3 Patienten pro Stunde (20 000 Patienten pro Jahr) die höchsten Sterblichkeitswerte. In Deutschland behandelten aber nur knapp ein Drittel der Notaufnahmen mehr als zwei Patienten pro Stunde.

KBV und Marburger Bund (MB), die Gewerkschaft der zumeist in Kliniken angestellten Ärzte, hatten vor zweieinhalb Monaten ein Reformkonzept für eine integrierte Notfallversorgung der rund 150 000 Praxisinhaber und der knapp 2000 Kliniken vorgelegt. Dazu müssten die Bereitschaftsnummer der Praxisärzte 116117 und die bisherige Notrufnummer des Rettungsdienstes 112 stärker vernetzt werden. Patienten sollten dann bei einer gemeinsamem Anlaufstelle rund um die Uhr anrufen können und eine qualifizierte Ersteinschätzung ihrer gesundheitlichen Probleme nach bundesweit einheitlichem Standard bekommen. Danach werde entschieden, wie behandelt werden müsse.

Mit dem Durchschnittswert von weniger als zwei Patienten pro Stunde liege Deutschland weit unter europäischen Vergleichswerten, so die Studie weiter. In England etwa werden demnach 11, in Dänemark 10 Patienten pro Stunde in Krankenhausnotaufnahmen behandelt. Das Zentralinstitut untersuchte die Auslastung von Krankenhausnotaufnahmen in den Bezirken von 13 Kassenärztlichen Vereinigungen.

Stillfried erläuterte weiter: „In der Öffentlichkeit ist der Eindruck entstanden, als seien die Notaufnahmen sämtlich überlaufen. An einigen Standorten mag das durchaus der Fall sein, generell kann jedoch keine Rede davon sein.“ Er fügte hinzu: „Gemessen an Referenzwerten aus internationalen Studien, behandeln die meisten Notaufnahmen im Schnitt so wenige Patienten, dass hierdurch erhöhte Risiken für Patienten bestehen.“

Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum, hielt dem entgegen, die Meldung der KBV, „wonach Patienten in Notfallambulanzen von Krankenhäusern aufgrund geringer Behandlungszahlen gefährdet seien, ist für eine ärztliche Organisation hochgradig befremdend“.

Baum unterstrich seinerseits: „Würde der ambulante Bereitschaftsdienst durch die niedergelassenen Ärzte funktionieren, müssten nicht zehn Millionen Patienten die Kliniken zu ambulanten Notfallbehandlungen aufsuchen. Über drei Millionen dieser Fälle könnten ohne Probleme von den - technisch und personell zwar nicht wie Krankenhäuser ausgestatteten - Notfallpraxen versorgt werden.“

Der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen, appellierte dagegen an die Krankenhausgesellschaft, von ihrem Standpunkt abzurücken, alle Notaufnahmen um jeden Preis erhalten zu wollen. Er unterstrich aber auch, Patienten, die „echte“ Notfälle seien, müssten an allen Krankenhäusern versorgt werden können. „Uns geht es vor allem um die Patienten, die eben keine Notfälle sind, sondern eigentlich im Bereitschaftsdienst behandelt werden könnten.“

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte: „Der Streit zwischen den Kassenärzten und den Krankenhäusern nervt. Jetzt zieht die KBV eine Studie aus dem Hut, um das Netz an Notaufnahmen auszudünnen. Doch der Ärzteverband sagt nicht, wie die Kassenärzte endlich ihrem Sicherstellungsauftrag nachkommen wollen.“ Denn 57 Prozent der Patienten in Berlin haben laut Brysch vor dem Gang in die Notaufnahmen vergeblich Hilfe bei einem niedergelassenen Arzt gesucht.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Gesundheit

Lebensmut und Freunde sorgen für gutes Leben im Alter

Nürnberg. Tägliche Bewegung, gute Beziehungen zu Freunden und Familie und eine positive Lebenseinstellung: Mit diesen Zutaten kann man nach Erkenntnissen von Forschern gut alt werden - und überraschend glücklich.mehr...

Gesundheit

Abwechslung beim Nordic Walking - Übungen mit dem Stock

Und wieder eine Runde mit den Stöckern. Wem das Nordic Walking auf Dauer zu eintönig wird, der sollte mit einigen Übungen für Abwechslung sorgen. Auch hierbei sind die Stöcke eine ideale Trainingshilfe.mehr...

Gesundheit

Blasenentzündung vorbeugen: Warme Füße und viel trinken

Köln. Viele wissen es aus eigener Erfahrung: Eine Blasenentzündung ist unangenehm. Zumeist sind Frauen betroffen, aber auch Männer kann es erwischen. Vorbeugend kann man einiges tun.mehr...

Gesundheit

Schmerz lass' nach: Wenn das Iliosakralgelenk blockiert

Aachen. „Ilio-was?“ Vom Iliosakralgelenk haben wohl die wenigsten schon mal gehört. Es steckt aber gar nicht so selten hinter Beschwerden im unteren Rücken. Gedacht ist die Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken eigentlich als Stoßdämpfer.mehr...

Gesundheit

Weihnachtsfeiertage ohne Stress planen

Köln. Weihnachten kommt immer so plötzlich - und dann bricht der große Stress los. Das Menü will vorbereitet, die Geschenke eingekauft und verpackt, die Wohnung geputzt werden. Man sollte sich also vorher ein paar Gedanken machen.mehr...