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„Suburbicon“: Clooney trifft auf die Coens

Berlin. George Clooney hat für seinen komödiantischen Kleinstadt-Thriller „Suburbicon“ ein Drehbuch der Coen-Brüder verfilmt. Mit dabei sind Matt Damon, Julianne Moore und Oscar Isaac.

„Suburbicon“: Clooney trifft auf die Coens

In „Suburbicon“ spielt Matt Damon den Buchhalter Gardner Lodge. Dieser repräsentiert einen Musteramerikaner, der zynisch ist und sich in Kleinbürgerfantasien verliert. Foto: Hilary Bronwyn Gayle/Concorde Filmverleih GmbH

Auffallend viele Oscar-Gewinner haben für diesen Film zusammengefunden: von George Clooney über die beiden Hauptdarsteller Matt Damon und Julianne Moore und den Kameramann Robert Elswit bis hin zu den beiden Drehbuchautoren Joel und Ethan Coen.

Von den Coen-Brüdern stammt das Buch zu „Suburbicon“. Schon in den 1980er Jahren hatten die beiden Kultregisseure („Fargo“) einen Entwurf des Drehbuchs fertiggestellt und Ende der neunziger Jahre Clooney darauf aufmerksam gemacht. Nun hat dieser es zusammen mit Grant Heslov überarbeitet und allein in Szene gesetzt. Es geht um eine amerikanische Vorortsiedlung in den 1950er Jahren, deren scheinbarer Frieden von zwei unterschiedlichen Ereignissen auf eine harte Probe gestellt wird.

Seine Weltpremiere feierte „Suburbicon“ erst jüngst bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig. Suburbicon ist eine Kleinstadt, wie man sie sich pittoresker und amerikanischer kaum ausmalen könnte: adrette Vorgärten mit gestutzten Rasenflächen, elegante Familienkutschen in ausgesuchten Farbtönen, nette, immer für einen kurzen Plausch zu habende Postboten, ein Kirchenchor sowie kleine, aber feine, und vor allem nicht zu teure Häuser.

In einem solchen wohnt auch Gardner Lodge (Damon), Buchhalter bei einer Werbeagentur, mit seiner Familie. Eines Tages ist es vorbei mit dem ungetrübten Vorstadtglück des Jahres 1959: Ausgerechnet im durch und durch weißen Suburbicon will sich eine junge afroamerikanische Familie niederlassen. Ein Großteil der Gemeinde ist empört, das Haus der schwarzen Familie wird zum Ziel rassistischer Angriffe, es kommt zu regelrechten Belagerungen.

Auch im Haus der Lodges tun sich Abgründe auf: Familienoberhaupt Gardner schreckt vor einem perfiden Versicherungsbetrug nicht zurück, um sich endlich finanziell besser zu stellen. Und ist sogar bereit, fürs liebe Geld über Leichen zu gehen. Matt Damon („Good Will Hunting“) und Julianne Moore („Still Alice - Mein Leben ohne Gestern“) liefern recht überzeugende Leistungen ab in „Suburbicon“ - vor allem Damons Figur übt eine gewisse Faszination aus. Er spielt einen Musteramerikaner, der zwischen nachvollziehbaren Kleinbürgerfantasien und menschenverachtendem Zynismus hin und her wechselt.

Wirklich herausragendes Schauspiel bietet in diesem Film aber nur ein Akteur: der ursprünglich aus Guatemala stammende Oscar Isaac. Seine Leistung ist umso beeindruckender, als Isaac („Inside Llewyn Davis“) hier nur wenige Minuten hat, um zu überzeugen. Er spielt einen so eleganten wie verschlagenen Versicherungsdetektiv, der die betrügerischen Absichten von Gardner Lodge schneller durchschaut, als dieser denken kann.

Kaum ein Moment in diesem Film, der nicht davon kündet, dass hier lauter Künstler am Werk sind, die ihr Handwerk verstehen: das ausgeklügelte, mit schwarzem Humor getränkte Drehbuch der Coen-Brüder; die exquisiten Tableaus von Kameramann Robert Elswit („Magnolia“), der die trügerische Kleinstadtidylle mit Pastelltönen zwischen Lindgrün, Türkis und Hellrosa zeichnet; die elegant-jazzige musikalische Flankierung von Alexandre Desplat („The King’s Speech“), Clooneys leichthändige Inszenierung, die ausgesuchten Requisiten.

Zugleich gibt es einiges, was nicht funktioniert: Nicht zuletzt die Zusammenführung des Themas Rassismus mit der immer hart an einer Farce vorbeischrammenden Hauptgeschichte rund um den Versicherungsbetrug. Über die afroamerikanische, von übelster Diskriminierung betroffene Nachbarsfamilie etwa erfährt der Zuschauer viel zu wenig, um wirklich mitfühlen zu können. Auch gibt sich „Suburbicon“ über weite Strecken schlauer und origineller als er tatsächlich ist.

Clooney beschließt sein Werk mit einer wunderbaren Einstellung: Ein Schluss, der nachklingt und über die engen Stadtgrenzen von Suburbicon hinausweist. Ein finales Bild zudem, das versöhnt mit einem nicht gänzlich ausgegorenen Film.

Suburbicon, USA 2017, 105 Min., FSK ab 16, von George Clooney, mit Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac

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