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Surrealer Alptraum: „Animals - Stadt Land Tier“

Berlin. Ein Paar reist in die Schweizer Alpen, ein Schaf steht im Weg und der Wahnsinn beginnt. In „Animals - Stadt Land Tier“ sollte man seinen Augen nicht trauen.

Surrealer Alptraum: „Animals - Stadt Land Tier“

Traum, Wahn und Wirklichkeit: Kinderbuchautorin Anna (Birgit Minichmayr) sitzt am Genfersee. Foto: Filmkinotext

Abschied von der Vernunft, Zeit für Irrungen und Wirrungen. Zwischen all die Blockbuster und überdrehten Komödien schiebt sich der polnische Regisseur Greg Zglinski mit seinem kühnen und bizarren Verwirrspiel „Animals - Stadt Land Tier“, das einem den Boden unter den Füßen wegzieht.

Ein surrealer Alptraum und Psycho-Grusel, der sich gegen alle Gewissheiten stemmt und sich als großes Abenteuer des Sehens und der Wahrnehmung entpuppt. Dabei beginnt alles noch recht übersichtlich, wenn auch mit einigen verstörenden Details: Wer ist die Frau, die da aus dem Fenster fällt? Und warum findet sich von ihr keine Spur auf dem harten Asphalt?

Anna (Birgit Minichmayr) und Nick (Philipp Hochmair) wollen aus ihrem alltäglichen Leben für einige Monate ausscheren. Das Wiener Ehepaar hat sich in den Schweizer Alpen ein abgelegenes Haus gemietet, um dort einige persönliche Projekte voranzutreiben. Die Kinderbuchautorin will endlich einen großen Roman schreiben und Nick plant ein Kochbuch. Vielleicht kann dieser Trip in die erhabene Bergwelt auch ihre Ehe wieder kitten, denn in der Beziehung der beiden kriselt es schon lange.

Doch da steht plötzlich ein Schaf auf der Straße, zum Bremsen ist es zu spät. Die beiden kommen einigermaßen glimpflich davon, das Schaf aber ist tot. Und dann beginnt der ganze Wahnsinn, denn Greg Zglinski hat die Desorientierung zu seinem wichtigsten Erzählprinzip erkoren. Er wirft dabei einen Haufen Puzzleteile auf den Tisch - einige scheinen zu passen, andere wiederum nicht.

Das, was man sieht, dem ist wahrlich nicht trauen. Traum, Wahn und Wirklichkeit sind in dieser ständig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und visionärer Zukunft hin- und herpendelnden Geschichte einer zerrütteten Beziehung kunstvoll miteinander verwoben - bis zum kompletten Orientierungsverlust.

Und was hat es mit der Französisch sprechenden Katze auf sich, die Anna warnt, dass ihr Mann sie umbringen will? Spricht hier der Teufel? Wird die Psyche der Protagonisten Wirklichkeit? Sind es Träume oder ist ein wahnsinniger Demiurg der allmächtige Erzähler? Alles ist möglich, nichts scheint gewiss. Und dass Anna plötzlich zweifach im Bild erscheint, ist nur einer der vielen surrealen Momente in „Animals - Stadt Land Tier“.

Immer wieder wecken die zahlreichen Irritationen Erinnerungen an „Being John Malkovich“, die Bizarrerien von David Lynch oder „Shining“ - alles Filme, bei denen man mit der Vernunft und der Realität nicht unbedingt weiterkommt. Und nicht nur die Anleihen bei Hitchcocks „Die Vögel“ sorgen in dem Mystery-Thriller zudem für gruselige Horror-Spannung. Es fließt auch Blut...

„Animals - Stadt Land Tier“ - das ist wildes und einfallsreiches Kino, wie man es nicht alle Tage zu sehen bekommt. Und löst sich der Wahnsinn am Ende in Wohlgefallen auf? Ja und Nein. Ist auch nicht entscheidend, denn Zglinskis Rätselfilm ist vor allem ein wunderbares Plädoyer für die Kraft der Imagination.

Animals - Stadt Land Tier, Schweiz, Österreich, Polen 2017, 95 Min., FSK o.A. , von Greg Zglinski, mit Birgit Minichmayr, Philipp Hochmair, Mona Petri, Mehdi Nebbou, Michael Ostrowski

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