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The Blow Monkeys: Weißer Soul voller Wärme

Berlin. Die mittleren und späten 80er waren die große Zeit der Soulpopper The Blow Monkeys. Es folgte eine lange Sendepause. Das willkommene Comeback vor zehn Jahren kulminiert nun in einem Album, das alle Qualitäten der erfolgreichsten Bandphase aufweist.

The Blow Monkeys: Weißer Soul voller Wärme

The Blow Monkeys haben ihr neues Album in Spanien aufgenommen. Foto: Monk's Road Records

Er ist immer noch einer der besten britischen Soulsänger, dieser Bruce Robert Howard alias „Dr. Robert“. Der inzwischen 56-jährige Frontmann der Blow Monkeys zieht auf dem neuen Album der verdienten Blue-Eyed-Soul-Truppe alle Register.

„The Wild River“ (Monk's Road Records/Rough Trade) ist das zehnte Studioalbum des beständigen Quartetts mit Dr. Robert (Vocals, Gitarre), Neville Henry (Saxofon), Mick Anker (Bass) und Tony Kiley (Schlagzeug). Und es ist eine der stärksten Platten dieser bereits 1981 gegründeten Truppe.

Vor rund 30 Jahren hatten The Blow Monkeys mit den vor Funkyness und Glam-Coolness nur so sprühenden Werken „Animal Magic“ (1986), „She Was Only A Grocer’s Daughter“ (1987) und „Whoops! There Goes The Neighbourhood“ (1989) eine künstlerisch und auch kommerziell sehr erfolgreiche Zeit. Damals waren sie Teil der linken „Red-Wedge“-Bewegung rund um Paul Wellers The Style Council, Billy Bragg und The Communards, die laut gegen die soziale Verelendung in Maggie Thatchers Großbritannien protestierte.

Mit „Digging Your Scene“, „It Doesn’t Have To Be This Way“ oder „Celebrate (The Day After You)“ hatte die Band einige große, teilweise politisch aufgeladene Singlehits. Wohl keine andere weiße Truppe verstand es damals so mühelos, groovenden Soul, wuchtigen Funk, zartschmelzenden Gospel und edle Balladen zu einem sehr eigenen Sound zu verbinden. Sogar der legendäre Curtis Mayfield ließ es sich seinerzeit nicht nehmen, bei einem ihrer Lieder als Dr. Roberts Co-Sänger mitzumischen.

Und genau dort machen The Blow Monkeys jetzt weiter, ohne dass es peinlich wirkt. Immerhin hat Howard mit einer respektablen Solo-Karriere als Folkpop-Sänger längst bewiesen, dass er auch Anderes beherrscht. Und die Band hatte nach ihrem von vielen Fans herbeigewünschten Comeback mit „Devil’s Tavern“ (2008) auf mehreren weiteren Live- und Studioalben gezeigt, dass sie noch längst nicht reif für den Retro-Zirkus vieler verbrauchter Altersgenossen des 80er-Jahre-Pops ist.

Schon mit dem streichergesäumten Opener „Crying For The Moon“ unterstreichen The Blow Monkeys, dass sie 2017 nichts an Frische und Eleganz verloren haben. Der Titelsong „The Wild River“ ist eine an alte US-Spirituals erinnernde, glühende Forderung nach echter, fortschrittlicher Demokratie und Barmherzigkeit gegenüber Flüchtlingen. Mehrfach wird politisch ausgeteilt, etwa gegen den „schamlosen“ Brexit-Betreiber Nigel Farage. „God's Gift“ entwickelt lässige White-Funk-Dynamik, „An Act Of Faith“ lässt an die ganz jungen Blow Monkeys noch vor ihrer Erfolgsphase denken.

Stets liefern Mick Ankers bollernder Bass sowie die Drums von Tony Kiley und Monkeys-Neuzugang Crispin Taylor ein zuverlässiges Rhythmus-Gerüst, Neville Henrys jazziges Sax erhält wie gewohnt viel Raum (teilweise innerhalb fetter Bläsersätze), Howards funky Gitarrenlicks runden das Klangbild ab. Und seine flexible, alterslose Baritonstimme - siehe oben: mehr denn je ein Genuss. Fazit: Das in Spanien aufgenommene „The Wild River“ ist ein Album nicht mehr ganz junger Brit-Soul-Helden voller Souveränität, Wärme und Würde.

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