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Traurig, düster, langsam: Lars Eidinger macht Musik

Berlin. Sein Hamlet ist Legende: Kaum ein anderer Schauspieler gibt seinen Figuren so viel Furor und Tiefe wie Lars Eidinger. Doch Musik sei ihm genauso wichtig wie die Schauspielerei, sagt er.

Traurig, düster, langsam: Lars Eidinger macht Musik

Ein eigenwilliger Typ: Der Schauspieler und Musiker Lars Eidinger. Foto: Jörg Carstensen

Lars Eidinger dreht mal wieder auf Hochtouren. Derzeit ist der 41-jährige Ausnahmeschauspieler in der vielgelobten neuen TV-Serie „Babylon Berlin“ beim Abo-Anbieter Sky zu sehen.

In den Kinos läuft das umstrittene russische Historiendrama „Mathilde“, in dem der Star der Berliner Schaubühne den „Skandalzaren“ Nikolaus spielt.

Und jetzt ist die Neuauflage seiner 1998 veröffentlichten Platte „I’ll Break Ya Legg“ erschienen - ergänzt um fünf bisher unbekannte Tracks. „Viele sagen, die Musik ist so traurig und düster und langsam“, sagt Eidinger im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Aber so sieht's halt in mir aus. So wie die Musik klingt, so klingt's in mir.“

Kaum zu glauben, wenn er im Hof des früheren Krematoriums Berlin-Wedding die Geschichte seines Albums erzählt - gut gelaunt und selbstironisch, in lila Hoodie und löchrigen Turnschuhen. Das hier angesiedelte unabhängige Label !K7 hatte ihm angeboten, die einstige Computerproduktion aus dem Keller seiner Eltern nochmal nach eigenem Gusto herauszubringen.

Das Cover des melancholischen Instrumental-Hip-Hop schmückt jetzt ein Foto von Starfotograf Juergen Teller. Es zeigt Eidinger als lebensmüde Ophelia auf dem Gang ins Wasser, über dem zarten Brautkleid seine freiliegende Hinterkopfglatze. „Dieser morbide Charme gefällt mir“, sagt er. „Ich teile ja auch den romantischen Gedanken, dass es schön ist, traurig zu sein.“

Für Eidinger funktionieren Musik und Schauspielerei nach dem gleichen Prinzip, wie er sagt. Schon immer war der Absolvent der Schauspielschule Ernst Busch deshalb auch musikalisch aktiv. Er schuf die Musik für Theater-Inszenierungen wie Ibsens „Nora“ oder O'Neills „Trauer muss Elektra tragen“, legt als DJ bei Festivals weltweit auf und veranstaltet seit 2002 in „seiner“ Schaubühne regelmäßig die Kultparty „Autistic Disco“.

„Meister des Maßlosen“ - so hat ein Kritiker den gebürtigen Berliner einmal genannt. Er brennt an allen Enden gleichzeitig. Seit 1990 Ensemblemitglied des renommierten Theaters am Lehniner Platz, steht er allein in dieser Spielzeit in sechs Produktionen auf dem Programm. Sein grandioser „Hamlet“, seit zehn Jahren international gefeiert, ist immer noch ständig ausverkauft. Auch vor der Kamera sorgt er in so unterschiedlichen Genres wie Maren Ades Beziehungsdrama „Alle Anderen“ und TV-Krimis wie dem „Tatort“ immer wieder für Furore.

Dabei hat Eidinger, verheiratet mit einer Opernsängerin und Vater einer Tochter, ein diebisches Vergnügen, dem etablierten Kunstbetrieb regelmäßig auch kleine Nadelstiche zu versetzen. Mal tritt er mit Haarspange und schwarz lackierten Fingernägeln auf, mal zeigt er bei einer Berlinale-Fete als DJ seinen Allerwertesten.

„Im Grunde geht's auf der Bühne genauso wie beim Auflegen darum, Intensität zu erfahren, das Leben zu spüren“, sagt er. „Und das ist das, was mich am meisten fasziniert - das Gefühl, im Moment anzukommen.“

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