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Was emotionale Intelligenz bedeutet

Werne/Hamburg. Sie gilt als Geheimzutat für ein gutes Miteinander: emotionale Intelligenz. Doch was verbirgt sich dahinter? Und kann man emotionale Intelligenz trainieren?

Ein kleines Mädchen fällt auf dem Spielplatz hin und schürft sich das Knie auf. Es weint bitterlich. Die Mutter will das Kind trösten.

Wenn sie emotional intelligent ist, dann sagt sie vielleicht so etwas: „Ich weiß, wie du dich jetzt fühlst, es tut so wahnsinnig weh. Komm, ich tröste dich.“ Was sie besser nicht sagen sollte: „Das wird schon wieder.“ Denn damit geht sie über den momentanen Schmerz des Kindes hinweg.

Trauer, Schmerz, Wut: Vor solchen unangenehmen Gefühlen wollen Eltern ihre Kinder oft schützen. Folglich halten sie sie dazu an, solche Emotionen zurückzudrängen. Doch damit tun sie den Kindern eigentlich nichts Gutes.

„Emotionen sind immer richtig, weil sie echt sind“, sagt Ralph Schliewenz, Kinderpsychotherapeut in Werne. Eltern sollten ihre Kinder dazu ermuntern, Gefühle zuzulassen. Wem schon in der Kindheit auferlegt wurde, Emotionen zu verdrängen, ist später meist nicht in der Lage, Gefühle bei anderen zu erkennen und darauf einzugehen. Die emotionale Intelligenz ist quasi verkümmert. „Das erschwert das Miteinander im privaten wie im beruflichen Bereich“, erklärt Susanne Lübben, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Verbands für Coaching und Training in Hamburg. Sie sieht emotionale Intelligenz als den Schlüsselfaktor für gelingende Gespräche.

Im Internet gibt es Selbsttests, über die Interessierte ausloten können, wie es um ihre emotionale Intelligenz bestellt ist. „Allerdings sind das nicht immer wissenschaftlich abgesicherte Tests“, erklärt Gerhard Blickle, Professor für Psychologie in Bonn.

Er definiert emotionale Intelligenz als die Fähigkeit, eigene Gefühle und Emotionen sowie die anderer Menschen über Gestik, Mimik und Stimmlage korrekt wahrzunehmen. Das Beobachtete wird dann dazu genutzt, um eigene oder fremde Emotionen zu steuern und angemessen auf sie zu reagieren.

Ein Beispiel: Ein Mann hatte einen schlechten Tag bei der Arbeit. Er fühlt sich ungerecht behandelt und ist maßlos wütend. Weil er über emotionale Intelligenz verfügt, bleibt er vom Abendessen daheim fern - um seiner Familie mit seiner schlechten Laune nicht die Stimmung zu vermiesen. Stattdessen geht er joggen. Durch die körperliche Anstrengung lebt er seine Wut aus, ordnet seine Gedanken und fühlt sich hinterher besser. Der Mann weiß mit seiner Verärgerung umzugehen und sie in die richtige Bahn zu lenken.

Wer seine emotionale Intelligenz schulen will, sollte in einem ersten Schritt seine Wahrnehmung nach innen lenken und dabei auf seine Gefühle achten. „Hilfreich kann sein, eine Zeit lang eine Art Tagebuch zu führen und aufzuschreiben, was man in bestimmten Situationen empfunden hat“, sagt Lübben. Die Gefühle sollten genau beschrieben werden. Dabei geht es auch darum, sie zu lokalisieren: Ist mir bei Enttäuschung flau im Magen? Habe ich bei Wut Herzrasen? Wer lernt, solche Gefühle einzuordnen und zu akzeptieren, ist auch stärker dafür sensibilisiert, Emotionen bei anderen zu erkennen und damit umzugehen - man kennt das ja schließlich von sich selbst.

„Emotionale Intelligenz lässt sich auch dadurch verbessern, indem man regelmäßig sein eigenes Verhalten in Bezug auf andere reflektiert“, erklärt Schliewenz. Das kann etwa am Ende des Tages sein, indem man sich gedanklich fragt, was gut und was schlecht gelaufen ist und was man gegebenenfalls verbessern kann. Es hilft ebenfalls, Empathie zu entwickeln, also sich in die Lage anderer hineinzuversetzen. „Das erweitert den eigenen Horizont“, sagt Blickle.

Blickle hat mit einem Team an der Universität Bonn herausgefunden, dass je besser Personen die Emotionen anderer richtig einschätzen können, desto positiver werden sie von ihrem Umfeld wahrgenommen. Ein weiterer Vorteil: „Man agiert deutlich souveräner“, erklärt Schliewenz. In Gefahrensituationen kann es sogar überlebensnotwendig sein.

Und: In bestimmten Situationen macht emotionale Intelligenz das Miteinander einfach herzlicher. Ein Beispiel: Eine Freundin trauert um ihrem gestorbenen Hund. Wer mitfühlen kann, sagt etwas wie: „Ich weiß, wie du empfindest. Ich verstehe deine Trauer.“ Sie sagt nicht: „Ach komm, schaff Dir doch einen neuen Hund an.“

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