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Faktencheck

Welche Grippe-Mythen stimmen und welche nicht

Dortmund Wer sich bei Kälte mit einer dünnen Jacke rauswagt, der holt sich natürlich eine dicke Erkältung ab. Stimmt das? Kommt der Schnupfen wirklich durch leichtsinniges Verhalten? Das ist nur einer von vielen Irrtümern, die sich hartnäckig über Erkältungen halten.

Welche Grippe-Mythen stimmen und welche nicht

Fürsorge und Kuscheltiere helfen bei der schnellen Genesung. Foto: Picture-Factory - stock.adobe.co

Zu den Mythen, die sich um das Thema Erkältung ranken, zählt auch, dass die Hand beim Husten unbedingt vor den Mund gehört. Und: Ein grippaler Infekt kann sich, wenn man nicht aufpasst, zur Grippe auswachsen. Alles Quatsch. Diese und andere grassierende Irrtümer mit Ansteckungsgefahr werden an dieser Stelle behandelt.

Eine Erkältung bekommt man durch Kälte

In dem Wort „Erkältung“ steckt die „Kälte“ ja schon drin, da ist es doch nur logisch, dass man sich eine Erkältung auch durch Kälte zuzieht. Das hat man in der Tat lange Zeit geglaubt, stimmt aber nicht. Eine Erkältung bekommt man nicht durch kalte Zugluft, nasse Haare oder Eisfüße, und schon gar nicht einfach nur so, weil man sich draußen im Kalten aufhält.

Eine Erkältung ist eine handfeste Virusinfektion, nicht mehr und nicht weniger. Mit anderen Worten: keine Viren, keine Erkältung. So einfach ist das. Das Kältegefühl, das sich manchmal bei einer Erkältung einstellt, ist übrigens schon eine Folge der Krankheit und keinesfalls deren Auslöser. Oft merkt man nämlich gar nicht, dass man sich schon angesteckt hat, denn bis zum Auftreten erster Symptome vergehen in der Regel zwei bis fünf Tage.

Aus einem grippalen Infekt kann schnell eine Grippe werden

Mit einer „echten“ Grippe ist nicht zu spaßen, schon gar nicht, wenn man schon etwas älter oder noch ein kleines Kind ist. Da ist die Angst natürlich groß, dass sich eine leichte Erkältung schnell zu einer schweren Grippe auswächst. Das ist allerdings gar nicht möglich, denn beide Erkrankungen werden durch völlig unterschiedliche Viren verursacht. Für eine „echte“ Grippe sind Influenzaviren verantwortlich. Eine Erkältung holt man sich in der Regel durch Rhinoviren, aber auch durch Coronaviren und andere Virenarten.

Insgesamt gibt es gut 200 verschiedene Arten von Viren, die eine Erkältung auslösen können. Aus genau diesem Grund kann eine Grippeimpfung übrigens auch nicht vor einer Erkältung schützen. Hier führt uns wieder einmal die Sprache aufs Glatteis: Eine Erkältung wird nämlich auch gerne mal als „grippaler Infekt“ bezeichnet. Mit einer „echten“ Grippe, also einer „Influenza“, hat das aber nichts zu tun.

Bei einer Erkältung helfen Antibiotika

Antibiotika helfen bei Infektionen, die durch Bakterien verursacht werden. Eine Erkältung wird aber durch Viren ausgelöst. Antibiotika können da also keine Hilfe sein. Wer ein bisschen Pech hat, der fängt sich allerdings zusätzlich zu den Erkältungsviren auch noch andere Krankheitserreger wie etwa Bakterien ein. Mediziner sprechen dann von einer sogenannten „Sekundärinfektion“.

In diesem Falle können Antibiotika angebracht sein, um die Bakterien der Sekundärinfektion in Schach zu halten. Das sollte natürlich nur der Arzt entscheiden. Für die Erkältung selbst heißt es leider: Augen zu und durch. Die Erkrankung muss durchgestanden werden. Immerhin lassen sich ja wenigstens die Symptome abmildern, sodass das Ganze erträglicher wird. In der Regel ist eine Erkältung nach spätestens 9 bis 14 Tagen ausgestanden.

Beim Niesen und Husten am besten die Hand vor den Mund halten

Viele Menschen nehmen die Hand vor den Mund, wenn sie niesen oder husten müssen. Das ist zwar in der Tat besser als gar nichts, es gibt aber effektivere Möglichkeiten, unsere Mitmenschen nicht in Mitleidenschaft zu ziehen. Erkältungsviren können nämlich mit sehr hoher Geschwindigkeit in eine Entfernung von bis zu drei Metern ausgehustet oder ausgeniest werden, und viele von ihnen finden so auch den Weg durch die Finger der vorgehaltenen Hand hindurch.

Besser ist es also, sagen Mediziner, sich zuerst einmal abzuwenden, und dann in die Armbeuge zu husten oder zu niesen, sofern kein Taschentuch zur Hand ist. Da der Kopf dabei auch nach unten gerichtet ist, ist das die beste Art, andere Menschen nicht anzustecken.

Das Händewaschen wird überbewertet

Das Gegenteil ist der Fall. Experten sind der Ansicht, dass wir uns die Hände immer noch nicht oft genug waschen und auch nicht lange genug. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, die Hände mindestens 20 bis 30 Sekunden gründlich mit Seife zu waschen und anschließend mit einem sauberen Tuch abzutrocknen. Vor allem nach dem Toilettengang, nach dem Naseputzen, ganz allgemein nach dem Nachhausekommen, und immer vor dem Anfassen von Speisen sollte das Händewaschen zur Gewohnheit werden, sagen die Fachleute.

Berlin. Von wegen starkes Geschlecht: Wenn Erkältung oder Grippe drohen, wirken Männer gerne mal weinerlich und ängstlich. So zumindest sagen manche. Forscher erklären jetzt: Die Sorgen der Männer sind nicht ganz unbegründet.mehr...

Viele potenzielle Ansteckungsmöglichkeiten werden im Alltag oft unterschätzt oder schlicht vergessen: Türklinken, benutzte Handtücher, Spielsachen, Computertastaturen, Lichtschalter, TV-Fernbedienungen, Geld, Tankstellenzapfpistolen, Handläufe von Treppen, Handys, Tablets, Haarbürsten und Autoschlüssel.

Keine kalte Luft reinlassen

In der kalten Jahreszeit wird oft weniger gelüftet, um keine Zimmerwärme an die Außenluft zu verlieren. Manch einer hofft auch, dass so die Krankheitserreger draußen bleiben. Wenn nun aber erkältete Mitmenschen immer neue Viren mit ins Haus bringen, können sich diese unter anderem auch in der Raumluft ansammeln. Die Fenster und Türen geschlossen zu halten, ist also keine gute Idee.

Ganz im Gegenteil sogar reduziert häufiges Lüften die Konzentration der Krankheitserreger in der Luft. Drei bis vier mal am Tag für etwa zehn Minuten zu lüften, hilft schon, die Ansteckungsgefahr deutlich zu reduzieren.

Das Internet weiß mehr als jeder Arzt

Wer sich krank fühlt, schaut heute oft erst einmal ins Internet. Das kann man zwar in der Tat so machen, doch einen Arztbesuch ersetzt das Internet auf gar keinen Fall. Schon gar nicht sollte man sich zu dubiosen Selbstdiagnosen hinreißen lassen. Das Netz wimmelt nämlich nur so von selbsternannten Experten, die nicht das geringste Fachwissen haben oder auch einfach nur ihre eigenen Produkte bewerben und verkaufen wollen.

Ein Laie ist da schnell überfordert, wenn es darum geht, seriöse Informationen von Scharlatanerie, Fake-News, reinem Betrug und Werbung abzugrenzen. Darum gilt auch in Zeiten des Internets: Ein Arztbesuch ist durch nichts zu ersetzen.

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