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„Whatever Happens“: Rückblende auf eine Beziehung

München. Kann ein Liebesfilm mit der Trennung beginnen? Die erste Szene in „Whatever Happens“ spielt in einer leeren Wohnung, in die zwei einsame Menschen kommen. Doch schnell verfällt der Film in klassische Erzählmuster.

„Whatever Happens“: Rückblende auf eine Beziehung

Erst Glück, dann tiefe Tristesse: Hannah (Sylvia Hoeks) und Julian (Fahri Yardim) lieben sich. Foto: Marc Reimann/Universum

Liebesfilme handeln gern von zwei Menschen, die sich zunächst gar nicht leiden können und sich dann doch ineinander verlieben. Und von Streit und Missverständnissen, auf die melancholische Einsamkeit folgt. Und meistens geht in letzter Sekunde alles gut aus.

All diese Klischees haben es in „Whatever Happens“ von Regisseur und Drehbuchautor Niels Laupert geschafft. Nur dass er die Geschichte an einem ungewöhnlichen Punkt beginnt: beim allerletzten Treffen.

Julian (Fahri Yardim) und Hannah (Sylvia Hoeks) wollen ihre frühere gemeinsame Wohnung in München an den Vermieter übergeben. Doch es ist nicht alles eingepackt, der Keller steht voller Kisten und die Wände sind auch noch nicht gestrichen. Während die beiden auf einer Party ihrer besten Freunde in der Silvesternacht ihren letzten gemeinsamen Auftritt hinlegen sollten, versuchen sie, das letzte Kapitel ihres alten Lebens zu beenden.

Ursprünglich wollte Laupert, der seit seinem Regiedebüt „Sieben Tage Sonntag“ keinen Film mehr im Kino zeigte, die Geschichte nur an einem Abend spielen lassen - schade, dass er das Experiment nicht wagte. So ist der letzte Tag des ausklingenden Jahres höchstens noch die Klammer, während die Geschichte in vielen langen Rückblenden erzählt wird, die alle Wendepunkte im gemeinsamen Leben der beiden abhandeln. Damit gerät „Whatever Happens“ doch wieder ziemlich konventionell. 

Die Leinwandchemie zwischen Yardim („Almanya - Willkommen in Deutschland“, „Tatort“) und Hoeks („Blade Runner 2049“) stimmt, es knistert und knarzt angenehm. Nicht hilfreich sind die oft platten Dialoge, die klingen, als hätten die Hauptfiguren sich ihre Worte vorher zurechtgelegt. Als Hannah zum Beispiel mit Julians Hilfe ihr Examen bestanden hat, sagt sie auf der Party: „Danke, dass du mir so beim Lernen geholfen hast. Ohne dich hätte ich das nicht geschafft.“

Oftmals greift der Regisseur tief in die Standard-Szenen-Kiste der Filmemacher. So zeichnet die gemeinsame Tochter etwa ein Bild der Familie, in dem die unter der Woche in Frankfurt arbeitende Mutter allein im Flugzeug sitzt - abseits von Vater und Kind. Hannah wird als abwesende Mutter porträtiert, die nicht einmal die Frühstücksflocken ihrer Tochter finden kann und den Frust über die ihr offenbar fehlende Zeit mit der Familie im Job an anderen auslässt. 

Im Film, der unbegreiflicherweise einen englischen Titel trägt, kommt die ganze Palette der Gefühle vor: totale Entfremdung und absolute Nähe, großes Verstehen und blinde Ignoranz, überschäumendes Glück und tiefe Tristesse. Genauso verändert sich die Wohnung der beiden, in der sie zunächst als WG-Bewohner und später als Paar leben. Einmal ist sie Partyort mit Discolicht, später bildungsbürgerliche Kleinfamilienidylle, am Ende leerer kahler Altbau mit Schatten von Bildern an der Wand.

„Whatever Happens“ ist trotz der typischen Kino-Szenen ein Film, in dem viele Zuschauer vertraute Situationen aus ihrem Leben entdecken dürften. Das Paar darin stellt sich Herausforderungen des Alltags, meistert diese oder scheitert daran. Liebe ist hier keine symbiotische Verbindung, sondern ein ständiges Ringen umeinander.

- Whatever Happens, Deutschland 2017, 100 Min., FSK ab 6, von Niels Laupert, mit Fahri Yardim, Sylvia Hoeks.

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