Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Wichtige Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Bonn

Bonn. Die Weltklimakonferenz in Bonn hat einige Schritte zur Umsetzung des Klimaabkommens von Paris gemacht. Neben den direkten Verhandlungen wurden auch freiwillige Aktionen auf den Weg gebracht.

Wichtige Ergebnisse der Weltklimakonferenz in Bonn

Mitglieder des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) demonstrieren vor dem Brandenburger Tor für einen Ausstieg aus der Kohleförderung. Foto: Paul Zinken

REGELBUCH zum Klimaabkommen von Paris: Die Konferenz hat Vorschläge der Länder darüber festgehalten, wie man etwa die Reduktion von Treibhausgasen messen und vergleichbar machen kann. Heraus kam eine Sammlung von Mega-Papieren. Daraus soll im kommenden Jahr ein praktikables Regelbuch zum Klimaabkommen von Paris entstehen, damit die Anstrengungen aller Länder mit einheitlichem Maßstab gemessen werden können. Allein der Textentwurf zur Reduktion der Treibhausgase umfasst jedoch 180 Seiten. Das Regelbuch soll bei der kommenden Klimakonferenz im polnischen Kattowitz verabschiedet werden.

VERLUSTE UND SCHÄDEN: Insbesondere die Entwicklungsländer forderten, dass die Schäden durch den Klimawandel anerkannt werden und das Thema auf einer höheren Verhandlungsebene angesiedelt wird als bislang. In Bonn wurde jedoch nur ein weiterer Arbeitsplan für diesen sogenannten Warschau Mechanismus auf den Weg gebracht. Bei einer Zwischenverhandlung im Mai 2018 soll es einen „Expertendialog“ geben. Bislang gibt es im Rahmen des Paris Abkommens zwar Finanzinstrumente für Anpassung und Klimaschutz in ärmeren Ländern, nicht aber Zahlungsverpflichtungen für die Schäden durch den Klimawandel oder den Verlust der Heimat.

FINANZEN: Für das Fortbestehen des Fonds zur Anpassung der ärmeren Staaten an den Klimawandel wurden in Bonn wichtige Grundlagen gelegt. Er war zuvor im Kyoto-Protokoll verankert. In Bonn wurden nun erste Schritte beschlossen, ihn in das Pariser Klimaabkommen zu übernehmen.

TALANOA-DIALOG: In Bonn wurde ein neues Forum gestartet, um die Klimaschutzziele der Länder zu erhöhen. Das Wort Talanoa stammt aus Fidschi und ist eine Versammlung, bei der jeder gehört wird, um zu einem guten Ergebnis zu kommen. Die Präsidentschaft teilen sich der Inselstaat Fidschi und das Kohleland Polen.

VERPFLICHTUNGEN BIS 2020: Das Klimaprotokoll von Paris gilt erst ab 2020. Doch die Zeit drängt. Daher sollen die Industrieländer nun bereits bei den Folgekonferenzen 2018 und 2019 belegen, wie weit sie bei der Erfüllung ihrer Klimaschutzaktivitäten und Finanzzusagen gekommen sind. Das gilt insbesondere für das Versprechen, die Klimahilfen bis 2020 auf jährlich 100 Milliarden Dollar (rund 85 Mrd Euro) zu erhöhen.

FRAUENFÖRDERUNG: Die Rolle der Frauen soll beim Klimaschutz stärker berücksichtigt werden. Der Gender-Aktionsplan sieht etwa vor, dass im Klimasekretariat, in Delegationen und bei Klima-Projekten mehr Frauen mitarbeiten sollen oder auch geschult werden.

INDIGENE VÖLKER: Sie sollen künftig stärker in die Verhandlungen mit einbezogen werden. Dieser Punkt sei gar nicht so einfach gewesen, weil der Prozess nur auf Staaten ausgelegt sei, sagte der Abteilungsleiter Klima im Bundesumweltministerium, Karsten Sach.

FREIWILLIGE Aktionen neben den Verhandlungen:

KLIMARISIKOVERSICHERUNG: Am Rand der Konferenz startete ein breites Bündnis für eine Art Versicherung gegen Klimaschäden. Die globale Partnerschaft unter anderem aus der Weltbank, Deutschland und besonders vom Klimawandel betroffenen Staaten soll ärmeren Menschen bei Unwetterkatastrophen schnell helfen. Damit sollen bis 2020 zusätzlich 400 Millionen Menschen gegen Klimarisiken versichert werden. Die Versicherung baut auf der 2015 beim G7-Gipfel gegründeten „InsuResilience Initiative“ auf. Deutschland sagte rund 110 Millionen Euro zu. Zuvor umfasste die Initiative schon 550 Millionen Dollar (467 Mio Euro).

Es handelt sich im Wesentlichen eine staatliche Versicherung, in die ärmere Länder selbst etwas einzahlen, die aber von den reichen Ländern ebenfalls Geld erhält. Es wurden auch Versicherungslösungen auf dem Weg gebracht, in denen sich einzelne Menschen versichern können. Die Einzahlung wird etwas billiger, weil reiche Staaten sie subventionieren.

PAKT ZUM KOHLEAUSSTIEG: 23 Länder und Provinzen schlossen sich zu einer internationalen Allianz für den Kohleausstieg zusammen. Die Regierungen legen sich in ihrer Erklärung auf eine Abkehr von der traditionellen Kohle-Energie fest. Einzeln hatten sie das zum Teil in der Vergangenheit schon angekündigt. Die britische Regierung erklärte etwa, bis 2025 alle Kohlekraftwerke abschalten zu wollen. Der „Powering Past Coal Alliance“ gehört auch Frankreich an, das ohnehin nur sehr wenig Kohlestrom nutzt. Zudem gab es eine Initiative aus mehreren Staaten zur Förderung von Biotreibstoffen. KOMMUNALE REGIERUNGEN FÜR NACHHALTIGKEIT: Diese Initiative veranstaltete in Bonn einen großes Treffen. Dort machten Städte und Regionen aus aller Welt deutlich, dass sie sich als Treiber des Klimaschutzes verstehen, während nationale Regierungen in ihren Augen häufig hinter den Erwartungen zurückbleiben.

THEMEN

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Hintergründe

Macrons Signal beim Klimagipfel: Es geht auch ohne Trump

Paris. Emmanuel Macron lädt zu seinem ersten Gipfel - und über 50 Staats- und Regierungschefs kommen. Der große Abwesende ist US-Amtskollege Donald Trump. Kanzlerin Merkel fehlt auch. Sie reist erst einen Tag später an - allerdings zu einem anderen Spitzentreffen.mehr...

Hintergründe

McLaren und Co. enthüllen Russland-Skandal

Frankfurt/Main. Mit Enthüllungen und Ermittlungen haben sie die Doping-Machenschaften in Russland aufgedeckt. Die Kronzeugen Julia Stepanowa und Grigori Rodschenkow sowie die Ermittler Richard Pound und Richard McLaren haben die Sportwelt erschüttert - und sich Anfeindungen ausgesetzt.mehr...

Hintergründe

Deutsche Botschaft in Pjöngjang: Leben in der Abschirmung

Pjöngjang. Die Bundesrepublik Deutschland unterhält seit 2001 diplomatische Beziehungen zu Nordkorea. Die deutsche Botschaft liegt in der Hauptstadt Pjöngjang und dort im Diplomatenviertel Munsu-dong, in dem sich auch zahlreiche Auslandsvertretungen anderer Länder befinden.mehr...

Hintergründe

Praljak: Militärchef der bosnischen Kroaten im Bosnienkrieg

Den Haag. Slobodan Praljak sitzt seit 2004 in den Zellen des UN-Kriegsverbrechertribunals im Nordseebad Scheveningen in Den Haag. Der 72-Jährige hatte sich dem UN-Gericht selbst gestellt. Kurz zuvor hatte das Tribunal die Anklage gegen ihn veröffentlicht.mehr...

Hintergründe

Nach Schuldspruch in Den Haag: Der Tod eines Generals

Den Haag. Es sollte das letzte Urteil des UN-Tribunals zum früheren Jugoslawien sein. Doch es endet mit einer Tragödie: Vor laufenden Kameras trinkt ein verurteilter General eine Flüssigkeit - und stirbt wenige Stunden später.mehr...

Hintergründe

Britisches Baugewerbe warnt vor Arbeitermangel nach Brexit

London. Mehrere britische Unternehmensverbände aus der Baubranche haben eindringlich vor einem Mangel an Arbeitskräften nach dem Brexit gewarnt. In einem „Brexit-Manifest“ forderten sieben Verbände von der Regierung in London, großzügige Regeln für Einwanderer aus der EU zuzulassen.mehr...