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„Wir brauchen Hilfe“ - Sylt-Pendler schlagen Alarm

Niebüll/Westerland. Tausende pendeln täglich mit dem Zug vom Festland nach Sylt. Viele Zugausfälle und Verspätungen der sogenannten Marschbahn in den vergangenen Monaten haben sie mürbe gemacht. Sie erwarten Lösungen.

„Wir brauchen Hilfe“ - Sylt-Pendler schlagen Alarm

Ein Wagen des Autozuges "Sylt Shuttle" und ein Nahverkehrszug in Niebüll. Foto: Carsten Rehder

Jeden Morgen dasselbe - zumindest werktags: Kaum klingelt der Wecker um 5 Uhr fällt der Blick von Achim Bonnichsen aufs Handy. „Hiobsbotschaften“ checken, die er als Sprecher der Marschbahnpendler direkt auf sein Mobiltelefon geschickt bekommt.

Die postet er dann umgehend in die Facebook-Gruppe „NOB Pendler Husum-Westerland“, in der mehr als 4000 Menschen organisiert sind, die mit der Bahn vom Festland auf die Insel Sylt pendeln.

Bonnichsen ist ein großer Mann mit festem Blick und Händedruck. Seit mehr als 30 Jahren pendelt der Fliesenlegermeister nach Sylt, wo seine Familie einen Fliesenbetrieb hat. Gewohnt hat er auf der Insel nie. Er wirkt wie ein Mann, den nichts so leicht aus der Ruhe bringt. Spricht man den 51-Jährigen aber auf die Situation bei der Marschbahn an, kann er sich schnell in Rage reden.

Überfüllte Züge, Verspätungen, Ausfälle und das Gefühl, dass sich niemand verantwortlich fühlt, die Situation wirklich zu ändern. Viele Pendler leiden unter der Situation.

Rückblende: Vor gut einem Jahr, am 10. November 2016, hatte der damalige Streckenbetreiber Nord-Ostsee-Bahn (NOB) alle Wagen auf der sogenannten Marschbahn stillgelegt, weil eine Kupplung defekt war. Von den daraus resultierenden Beeinträchtigungen waren tausende Pendler und viele Urlauber betroffen. Die Deutsche Bahn übernahm die Strecke im Dezember 2016 und stellte ein Ersatzkonzept auf die Beine. Seit Mitte November dieses Jahres sollten die Züge eigentlich wieder planmäßig rollen. Doch dies ist nur eingeschränkt der Fall, Verspätungen und auch Zugausfälle gibt es weiterhin.

Auf einer Sondersitzung des Kreistags von Nordfriesland soll am Montag über die Situation bei der Marschbahn beraten werden. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) hat sein Kommen angekündigt. Der Minister erwartet von der Deutschen Bahn (DB) vor allem Antworten auf die Frage, warum es trotz der reparierten Kupplungen der 90 Marschbahn-Waggongs weiter zu Problemen kommt und wie die DB Regio an der Stelle besser werden will.

Im Gegensatz zu „normalen“ Pendlern können die Sylt-Pendler bei Zugausfällen nicht auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen. „Wir haben keine Alternative“, schimpft Bonnichsen. Wenn die Bahn den Zugverkehr wegen Sturms in ganz Norddeutschland vorsichtshalber einstellt oder in der Nähe von Hamburg ein Zug entgleist - die Pendler sitzen fest. Die Pendler rund um Bonnichsen wollen daher gerne, dass ein Ersatzzug plus Lokführer in Westerland oder Niebüll stationiert wird. Wenn dann der Zugverkehr weiter südlich ausfällt, kämen die Pendler wenigstens zur Arbeit und auch wieder zurück.

„Wir brauchen Hilfe“, stellt Bonnichsen fest. Man könne sich auf nichts anderes mehr konzentrieren als auf die Frage, ob die Bahn pünktlich und man rechtzeitig bei der Arbeit sei oder ob die Kita auf dem Festland noch zu Öffnungszeiten erreicht werde.

„Wegen dieser psychischen Belastung sind sehr viele krank geworden“, sagt der 51-Jährige. Mit Folgen nicht nur für die Betroffenen, sondern auch die Betriebe auf der Insel, die auf die Arbeitskräfte vom Festland angewiesen sind.

Auch der Verein Sylter Unternehmer fordert endlich den zweigleisigen Ausbau auf der Strecke Niebüll-Westerland. Bislang können sich Züge zwar auf dem Hindenburgdamm, der Sylt mit dem Festland verbindet, begegnen, auf den Strecken davor und dahinter allerdings nicht. „Für viele Menschen ist Sylt nur die Insel der Reichen und Schönen“, moniert Vereinschef Karl Max Hellner. Die Alltagsprobleme der Insulaner und Pendler seien nur wenigen bekannt. „Das muss viel mehr in die Köpfe der Menschen.“

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