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Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan steigt

Berlin. Einst war Hamid Karsai ein treuer Verbündeter der USA gegen die Taliban im eigenen Land. Doch je länger der Krieg andauert und je mehr Opfer er fordert, desto stärker ändert der langjährige Präsident seine Haltung. Nun sieht er Washington als Teil des Problems.

Zahl der zivilen Opfer in Afghanistan steigt

Eine riesige Rauchwolke steht Ende Mai in Kabul nach einer Explosion nahe der deutschen Botschaft über der Stadt. Foto: Rafiullah Kaleem/Lehtikuva

Der verschärfte Krieg in Afghanistan lässt auch die Anzahl der Verwundeten nach oben steigen. Bis Mitte November meldeten Kliniken und Organisationen im Gesundheitssektor schon 69.000 Fälle, 21 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das berichtete die UN-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) an diesem Sonntag.

Angesichts eines Vormarsches der Taliban werfen die USA in diesem Jahr etwa dreimal so viele Bomben und Raketen auf Afghanistan ab wie 2016. Dabei gibt es auch mehr zivile Opfer. Zuletzt verzeichneten die Vereinten Nationen im Tagesschnitt 80 „Konfliktvorfälle“ im Land. Zwischen Januar und Ende September gab es mit 12.900 Vorfällen gut fünf Mal so viel wie 2008. In einem Bericht an den Sicherheitsrat hatten die UN kürzlich ihre Einstufung Afghanistans von „Post-Konfliktland“ zu Land im Krieg geändert.

Der frühere afghanische Präsident Hamid Karsai machte die USA für den andauernden Krieg und auch das Erstarken der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in seinem Land mitverantwortlich. Die Aufstockung der US-Truppen in Afghanistan sei keine Lösung, sagte Karsai in einem Interview des Publizisten Jürgen Todenhöfer, das am Samstag von der „Berliner Zeitung“ abgedruckt wurde.

Karsai war von 2001 bis 2014 Präsident Afghanistans und hatte dabei mit den USA im Krieg gegen die Taliban kooperiert. Nun wirft er Washington vor, gar keine echten Pläne für ein „nation building“ - den Aufbau eines funktionierenden Staates - gehabt zu haben. „Ihr Hauptinteresse in Afghanistan liegt im globalen Wettbewerb um die Vorherrschaft in unserer Region“, sagte er. Die USA blickten dabei auf die Atommächte China, Russland, Indien und Pakistan sowie auf den Iran, die alle in der Region eine Rolle spielten.

Sein Land sei „Schauplatz der Konfrontation ausländischer Mächte“, sagte Karsai. „Die größten Hürden für den innerafghanischen Friedensprozess sind die USA und Pakistan.“ Der Krieg der USA erzeuge Wut im Land und sei kontraproduktiv. Um im Krieg gegen den Terror erfolgreich zu sein, müssten die USA „die Zusammenarbeit mit maßgeblichen Mächten wie Russland, China und dem Iran suchen“.

Auf Drängen der USA wollen die Nato-Staaten die Anzahl ihrer Soldaten im Afghanistaneinsatz von 13.000 auf 16.000 steigern, wobei die USA den Löwenanteil der Verstärkung stellen. Außerdem haben die USA unabhängig vom Nato-Ausbildungseinsatz Kampftruppen in Afghanistan. Die Taliban haben in diesem Jahr ihren Herrschaftsbereich im Land ausgebaut.

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