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Zwei neue Urpferdchen im Hessischen Landesmuseum

Darmstadt. Die zuletzt in der Grube Messel entdeckten Urpferdchen sind nun im Hessischen Landesmuseum in Darmstadt zu bestaunen. Damit wächst die dortige Sammlung ein weiteres Mal. Die Größe von Urpferdchen variiert zwischen der eines Foxterriers und eines Schäferhundes.

Zwei neue Urpferdchen im Hessischen Landesmuseum

Das versteinerte Skelett eines Urpferdchens, gefunden bei Grabungen in der Nähe von Darmstatt. Foto: Boris Roessler

Sie sind fast 50 Millionen Jahre alt und eine kleine Sensation. Denn so gut erhaltene Urpferdchen wie im Hessischen Landesmuseum können Besucher selten bestaunen.

Seit Donnerstag sind die 2015 und 2016 entdeckten Exemplare frisch präpariert in Vitrinen direkt neben dem mächtigen Mammutskelett zu bestaunen. „Wir freuen uns sehr. Für unser Museum sind das die ersten Entdeckungen von Urpferdchen seit 30 Jahren“, sagt der Paläontologe Torsten Wappler unter der hohen Decke des seit 1906 bestehenden Museums in Darmstadt.

Forscher fanden die Pferdchen in der Grube Messel - etwa acht Kilometer von Darmstadt entfernt. Das 2016 gefundene Exemplar ist vom Kopf bis zum Schwanz 50 Zentimeter lang und fast komplett erhalten. Der Fund von 2015 gehört einer Art an, die den Experten zufolge in der Grube bisher nicht mit kompletten Exemplaren belegt gewesen war.

Das Urpferdchen (wissenschaftlich: Propalaeotherium) zählt zur Gattung der Säugetiere, war aber nicht direkter Vorfahre der Pferde. Seit 1925 wurden mehr als 60 Skelette in der Grube Messel entdeckt, die 1995 von der Unesco zum Weltnaturerbe erklärt wurde.

Die Größe schwankt zwischen der „eines Foxterriers und eines Schäferhundes“, erklärt Paläontologe Wappler. Insgesamt lagerten in Darmstadt nun 148 mehr oder weniger vollständige Exemplare. Mit den neuen Pferdchen gibt es insgesamt sieben Exponate, die nahezu vollständig erhalten sind. Wappler schätzt, dass es weltweit zurzeit etwa 60 bis 70 Urpferdchen in so einem guten Zustand gibt.

Der Zustand der Tiere erlaube einen Blick auf Lebensbedingungen, die vor fast 50 Millionen Jahren rund um die bedeutende Grube Messel herrschten. „Zähne, aber auch Zehen und Mageninhalt belegen, wie die Tiere unter den damaligen subtropischen Temperaturen lebten“, betont der 45 Jahre alte Wappler. Ernährt hätten sich die Tiere etwa von Früchten. Im Magen eines Tieres fanden die Forscher Traubenkerne.

Anders als heutige Pferde standen Urpferdchen auf mehreren Zehen. Bei den zwei nun ausgestellten Funden habe man an den Vorderfüßen jeweils drei Zehen ausmachen können, an den Hinterfüßen jeweils vier Zehen. „Auf diese Weise waren die Tiere relativ sicher auf feuchtem und daher weichem Waldboden unterwegs“, sagt Wappler.

Dass die Urpferdchen nun im Landesmuseum zu sehen sind, das ist auch das Verdienst von Mascha Siemund. Die 33 Jahre alte Präparatorin hat die Exponate mithilfe von Zahnbürste und Skalpell vom Ölschiefer befreit. Der Schiefer, der die Knochen Millionen von Jahren eingeschlossen hatte, sei gut zu entfernen gewesen, sagt Siemund. „Man muss vorsichtig sein, auch wenn Knochen eines Urpferdchens robuster sind, als etwa bei Vögeln“, fügt sie hinzu.

Die Arbeit an den Exponaten habe jeweils ein halbes Jahr gedauert. „Mit Unterbrechungen“, sagt sie. Das sei wichtig, da man ansonsten „blind“ werde, wenn es um Besonderheiten der Tiere gehe. Trotzdem trete man während der Präparation in eine Art Beziehung zu den Tieren, die vor fast 50 Millionen Jahren über die Erde wanderten.

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