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Revierderby als letzter Trumpf

Das Projekt Bosz steht beim BVB auf der Kippe

DORTMUND Kaum sechs Monate nach seiner Vorstellung kämpft Peter Bosz nach einer von ihm bislang nicht zu stoppenden Talfahrt um seinen Job. Selbst ein Sieg im Revierderby (Samstag, 15.30 Uhr) würde ihm wohl nur mehr Zeit verschaffen.

Das Projekt Bosz steht beim BVB auf der Kippe

Kämpft um seinen Job: BVB-Trainer Peter Bosz. Foto: Kirchner

Der neue Mann ist überpünktlich an diesem 6. Juni. Borussia Dortmund stellt seinen neuen Trainer vor an diesem Nachmittag, es ist der Schlusspunkt einer turbulenten Saison-Endphase mit Pokalsieg, Trainer-Debatten, dann der Entlassung von Thomas Tuchel. Viel schmutzige Wäsche wurde gewaschen, doch an diesem Nachmittag beginnt die neue Zeitrechnung. Ein Niederländer bekommt den Zuschlag, Peter Bosz.

Klare Vorstellungen

Mit dem neuen Mann verbinden sich klare Vorstellungen: Es soll wieder Ruhe einkehren bei Borussia Dortmund nach einer aufreibenden Zeit mit Tuchel. Sie war sportlich erfolgreich, hat aber abseits des Rasens alle Beteiligten viel Kraft gekostet und Narben hinterlassen. Bosz, seit einigen Tagen 54 Jahre alt, steht für Verlässlichkeit, klare Vorgaben und ist der genaue Gegenentwurf des sprunghaften und impulsiven Tuchel. Nun, kaum sechs Monate später, kämpft der allerseits als zuverlässig, freundlich und entspannt charakterisierte Trainer um seinen Job. Was ist passiert in diesen sechs Monaten?

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Man kann sich das leicht machen. Bosz hat - nach einem glänzenden Start - nicht mehr gewonnen. Der Trainer ist dann schnell das schwächste Glied in der Kette. So einfach ist das im Profigeschäft. Doch bei Borussia Dortmund haben sie mal an Jürgen Klopp festgehalten, nachdem er als Vizemeister der Vorsaison und Dauergast in der Champions League bis auf den letzten Tabellenplatz abgestürzt war.

Spektakulärer Start

Nicht in der Frühphase, sondern zu Beginn der Rückrunde. Was eine nachhaltige Krise voraussetzt. Der Fall Klopp ist nun nur bedingt vergleichbar. Er hatte den BVB zu zwei Meisterschaften geführt, er hatte begeisternden Fußball über Jahre hinweg spielen lassen. Das verschafft einem eine gewisse Rückendeckung auch für den Fall länger anhaltender Erfolglosigkeit.

Bosz ist spektakulär gestartet in Dortmund, und in die spürbare Erleichterung aller Funktionsträger über den reibungslosen Übergang von einem sportlich ja weitgehend unumstrittenen Trainer wie Tuchel zu Bosz mischte sich immer mehr Freude über Dortmunds verändertem Fußball. Der BVB verlagerte das Spiel gute 15 Meter weit in Richtung gegnerische Spielhälfte, er ließ einen geordneten Aufbau des Gegners gar nicht erst zu, die Spieler schwärmten aus wie die Bienen und setzten dem ballführenden Spieler gnadenlos zu.

Anfälligkeiten erkennbar

Das sorgte für Siege in Serie, doch es gab schon damals mahnende Worte. Die Anfälligkeiten der neuen Spielweise waren schon erkennbar, den Gegnern in dieser Frühphase, das muss man rückblickend feststellen, fehlte es freilich an Qualität oder Tagesform, um diese Problemfelder schonungsloser aufzudecken und zu bestrafen.

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Mit dem 1:3 in Tottenham und dann dem 1:3 gegen Madrid wendete sich das Blatt. Mit der zunehmenden Qualität der Gegner wurde klarer, wo die Schwächen lagen, mit den ausbleibenden Resultaten schwand die Überzeugung, das Richtige zu tun. Es ist ein Teufelskreis: Die Verunsicherung wuchs, die groben individuellen Fehler wurden zahlreicher. Die Formkurve ging bei den meisten Akteuren deutlich in den Keller.

"Für so ein Spiel braucht man keinen Psychologen"

Und zunehmend rückte der Trainer in den Fokus. Das Schiff schlingerte führerlos durch die immer rauere See, da braucht es einen entschlossenen Kapitän. Doch Bosz fand kein Mittel, die Talfahrt zu stoppen, seine Personalrochaden fruchteten nicht - eine Handschrift war gerade in den vergangenen Spielen, in der die Krise immer größere Ausmaße annahm, nicht zu erkennen.

Im Derby spielt Bosz seinen letzten Trumpf aus. „Für so ein Spiel braucht man keinen Psychologen“, hat nach dem 1:2 gegen Tottenham gesagt und damit erklären wollen, warum dieses Spiel nun gerade zur rechten Zeit kommt. Ein Stück weit sprach auch Verzweiflung aus seinen Worten. Bosz ahnt wohl, dass das Schicksal nicht mehr in seiner Hand liegt. Denn die Anzeichen mehren sich, dass ihn selbst ein Sieg gegen den Revierrivalen nicht mehr retten kann.

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