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BVB-Präsident im Interview

Dr. Reinhard Rauball: Jeder muss sich steigern

DORTMUND Als Dr. Reinhard Rauball den Bossen des FC Bayern auf der Tribüne gratuliert, bewahrt er zwar Haltung, glücklich aber ist er gewiss nicht. Sein BVB hat gerade mit 1:3 gegen den FC Bayern verloren und damit den sportlichen Abwärtstrend fortgesetzt. In Alarmstimmung lässt sich der BVB-Präsident aber trotz der sportlichen Rückschläge nicht versetzen, wie er im Interview verrät.

Dr. Reinhard Rauball: Jeder muss sich steigern

BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball hat nach den jüngsten sportlichen Rückschlägen für den BVB eine klare Forderung: „Wichtig ist, dass die Schwachstellen erkannt werden und daran gearbeitet wird, sie zu beheben.“ Foto: Guido Kirchner

Herr Dr. Rauball, das erste Drittel der Bundesligasaison ist gespielt. Müssen Sie sich Sorgen machen beim BVB aufgrund des jüngsten Abwärtstrends mit nur einem Punkt aus vier Spielen?

In Anlehnung an einen früheren politischen Wahlkampfspruch könnte man zwar mit Blick auf unsere sportliche Lage sagen: „The trend is not our friend“. Für eine fundierte Einschätzung muss man sich aber mehr als nur die vergangenen vier Ligaspiele anschauen, nämlich auch die Spiele davor. Für alle war da klar die große Spielfreude zu erkennen, die Torausbeute war exzellent. Und die Abwehr stand stabil, es gab nur wenige Gegentore. Die Mannschaft kann es also. Aber wir wünschen uns natürlich, dass wir schnell wieder gute Ergebnisse erzielen.

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Zwölf Gegentore kassierte der BVB zuletzt in vier Spielen. Hat die Borussia plötzlich das Verteidigen verlernt?

Ich halte nichts davon, einzelnen Spielern oder Mannschaftsteilen Verantwortung aufzuerlegen. Verteidigen ist eine Aufgabe von allen zehn Feldspielern, da muss ein Rädchen in das andere greifen, das war leider bei uns zuletzt nicht immer so. Jeder einzelne Spieler muss sich wieder steigern.

Darf man den Status quo eine sportliche Krise nennen?

Wie man die derzeitige Situation nennt, ist für mich nicht entscheidend. Wichtig ist, dass die Schwachstellen erkannt werden und daran gearbeitet wird, sie zu beheben.

Die Bilanz gegen die Topteams ist schlecht. Es setzte Niederlagen gegen Leipzig, Bayern, Hannover, Tottenham und Real. Ist das letztlich ein Zeichen mangelnder Qualität beim BVB?

Das wird man erst am Ende der Saison beurteilen können. Wir haben aber ein klares Ziel vor dieser Spielzeit ausgegeben. Es lautet nicht: Wir müssen Deutscher Meister werden, sondern wir wollen einen Champions-League-Platz erreichen, also unter den ersten Vier in der Bundesliga sein. Bis jetzt haben wir immer auf einem der ersten vier Plätze gestanden, also liegen wir ganz klar im Soll.

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Halten Sie trotzdem Transfers im Winter für nötig, um den Kader zu verstärken?

Unsere sportlich Verantwortlichen sind ganzjährig mit der Analyse beschäftigt, ob es Sinn macht, den Kader weiter zu verstärken, und wenn Ja, in welchen Bereichen und ob entsprechend qualifizierte Spieler auf dem Markt sind. In der Vergangenheit hat das sehr gut geklappt, und ich habe volles Vertrauen, dass das auch weiter so sein wird.


Sie sind seit vielen Jahren im Fußballgeschäft. Wie müssen Trainer und Team die Spielpause jetzt nutzen?

Ich bin kein Trainer. Aber ich bin froh, dass Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, Christian Pulisic und Shinji Kagawa, die sonst oft weit zu ihren Nationalmannschaften reisen müssen, diese Strapazen jetzt nicht auf sich nehmen müssen. Aber eine Länderspielpause zu nutzen, ist prinzipiell sehr schwierig für einen Vereinstrainer; viele Nationalspieler kommen erst kurz vor dem nächsten Ligaspiel zurück. Intensiv mit der Mannschaft zu arbeiten, ist in dieser Woche kaum möglich.

Welchen Eindruck macht Peter Bosz auf Sie in dieser für ihn ersten schwierigen Lage als BVB-Trainer?

Er ist analytisch sehr stark. Er zieht auch die richtigen Konsequenzen daraus, und mein Eindruck ist: Die Mannschaft sieht das genauso.

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Wie muss Bosz jetzt Sorgenkind Aubameyang anfassen, der seit fast 500 Pflichtspiel-Minuten nicht getroffen hat?

Ich glaube, dass man ihn gar nicht besonders anfassen muss. Er weiß, was er kann, ist ein überragender Torjäger. Aubameyang steht besonders in der Kritik, er hat auch keine gute Phase. Aber man darf ihm kein Unrecht tun, er hat auch schon in dieser Saison nachgewiesen, dass er zu den herausragenden Stürmern in der Liga zählt. Sonst hätte er keine zehn Tore auf dem Konto. Er wird das Tor bald wieder treffen.


Das klingt alles danach, als gingen Sie betont gelassen in den Rest der Hinrunde.

Ich zähle zu denen, die kritisch sehen, was man kritisch sehen muss. Aber ich zähle auch zu denen, die Vertrauen haben zu den sportlich Verantwortlichen, und das ist bei mir nach wie vor nicht erschüttert.

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