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Wiedersehen mit dem BVB

Hannes Wolf: Klopp und Tuchel haben mich geprägt

Dortmund Zehn Jahre lang hat Hannes Wolf als Trainer in Dortmund Schlagzeilen geschrieben. Freitag (20.30 Uhr) spielt er erstmals gegen "seinen" Klub - den BVB. Dirk Krampe hat mit dem 36-Jährigen gesprochen.

Hannes Wolf: Klopp und Tuchel haben mich geprägt

Hannes Wolf trifft mit dem VfB Stuttgart erstmals in seiner Karriere auf den BVB. Foto: dpa

Das Wiedersehen mit Ihrem Ex-Klub rückt näher. Vervollständigen Sie bitte diesen Satz: „Vor dem Spiel gegen den BVB verspüre ich …“
…vor allem Vorfreude. Ich freue mich, viele Menschen wiederzusehen, die mir viel bedeuten, denen ich viel zu verdanken habe. Dortmund war eine wunderschöne Zeit. Natürlich steigen in der Trainingswoche vor dem Spiel auch die Konzentration und die Anspannung. Es ist darüber hinaus für uns in Stuttgart ein Klasse-Spiel gegen eine von Deutschlands Top-Mannschaften.


Sie sind noch nicht so lange Trainer im Profi-Geschäft. Ist es das für Sie bislang bedeutendste Spiel?
Das würde ich so nicht sagen. Wir hatten in dem einen Jahr, das ich jetzt hier in Stuttgart bin, einige sehr bedeutende Spiele. Wir wollten wieder in die Bundesliga zurück, der Weg dahin war sehr schwer. Für mich persönlich ist es natürlich eine besondere Partie, weil ich in Dortmund viel gelernt habe.

Sie waren sieben Jahre beim BVB als Trainer verschiedener Mannschaften tätig. Wie würden Sie diese Zeit beschreiben?
Sie hat mich als Trainer und Persönlichkeit extrem geprägt. Ich bin sehr dankbar, dass ich dort arbeiten durfte, dass ich alle Lizenzen machen konnte. Es war am Anfang eine schwierige Zeit, die Jugendabteilung stand damals stark in der Kritik. Das hat sich schwer angefühlt. Natürlich waren dann die letzten drei Jahre noch einmal speziell, es war eine fantastische Zeit mit den drei Meisterschaften. Ich hatte das Privileg, großartige Mannschaften trainieren zu dürfen.


Glauben Sie an Schicksal?
Eigentlich nicht. Warum?


Sie haben an einem besonderen Abend im Januar 2009, bei der Sportlerwahl dieser Zeitung, Ihre alte Jugendliebe und heutige Frau wiedergetroffen und Jürgen Klopp kennengelernt, der Sie um Ihre Nummer gebeten hat …
Das stimmt natürlich. Es war ein besonderer Abend. Daraus sind coole Sachen entstanden (lacht).


Klopp hat Sie tatsächlich angerufen, wenige Monate später sind Sie beim BVB gelandet. Was würden Sie heute machen ohne diesen Anruf?
Schwer zu sagen. Ich war damals schon auf einem ordentlichen Weg, glaube ich. Mein Studium hatte ich erfolgreich beendet, es gab lose Kontakte. Und es ist ja nicht so, dass ich anschließend beim BVB war und plötzlich das Telefon geschellt hat. Ich habe sieben Jahre lang alles gegeben, um mich weiterzuentwickeln.

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Wann reifte der Gedanke „Ich kann das, ich möchte Profi-Trainer werden“?
Ich war ja Profi-Trainer! Das verkennen viele, wir haben in der Nachwuchsarbeit bei Borussia Dortmund unter Profi-Bedingungen gearbeitet, was das Umfeld der Mannschaften betrifft und auch die Trainingsumfänge. Es war dann also am Ende kein ganz so großer Sprung für mich.


Man weiß, dass Sie sehr verwurzelt sind in Dortmund. Wie schwer war die erste Zeit, weg von der Familie und den beiden kleinen Kindern?
Das Ganze ist ja nur konkret geworden, weil der VfB anrief. Ich hatte ja einen noch laufenden Vertrag und fühlte mich sehr wohl beim BVB. Wir haben aber in der Familie natürlich darüber geredet, was wir machen, wenn dann tatsächlich ein Anruf kommt. Meine Frau und ich waren uns einig, dass es eine Riesenchance ist. Es war klar, dass wir das machen wollen. Unsere Kinder sind noch nicht schulpflichtig, meine Familie ist sehr oft hier. Die Familie trägt das Ganze mit, sonst würde es nicht funktionieren.


Sie sind gleich zu einem Traditionsverein gegangen, wo nach dem Abstieg nur der Wiederaufstieg zählte und der Druck groß war. Warum sind Sie nicht eine Nummer kleiner angefangen?
Wir haben uns in der Familie gesagt: wenn, dann richtig! Der VfB ist ein Top-Verein mit einer großen Tradition. Es hat sich sofort richtig angefühlt.

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Gab es vom BVB eine Zusage, bei einem solchen Angebot die Freigabe zu bekommen?
Ich hatte einen gültigen Vertrag und bin dann auf Lars Ricken, Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc zugegangen. Ich bin dankbar, dass Sie gesehen haben, welch große Chance das für mich ist, und dass sie mir das nicht verbauen wollten. Es war ein Abschied im Guten.


Mussten Sie Ihren Stil ändern, als Sie es dann mit gestandenen Bundesliga-Profis zu tun bekamen anstatt talentierten Jugendlichen?
Nein. Es ist doch generell so, dass man jeden Tag neu den Zugang zu seinen Spielern finden muss. Da spielt es keine große Rolle, wie alt die Spieler sind. Ich bin da reingewachsen. Ich habe als junger Student in Aplerbeck gestandene Familienväter trainiert. Da brauchte man auch Fingerspitzengefühl. Der Umgang mit erfahrenen Profis ist mir nicht schwergefallen, zumal wir hier ein gutes Klima haben. Da gibt es keine Egoisten. Wichtig ist der respektvolle Umgang miteinander.


Welche Trainer haben Sie am meisten geprägt, von welchen Trainern fließt am meisten in Ihre Arbeit ein?
Natürlich Jürgen Klopp und im letzten Jahr in Dortmund auch Thomas Tuchel. Auch von Lars Ricken oder Michael Zorc konnte ich viel mitnehmen. Es gab viele Menschen, die mich in ihren Spezialgebieten inspiriert haben.


Großkreutz-Suspendierung, Aufstieg, ein neuer Präsident, dann die Ausgliederung der Profi-Abteilung. Ihr erstes Jahr als verantwortlicher Trainer war sehr turbulent. Fühlten Sie sich manchmal wie im Schleudergang?
Das ist doch Fußball, da ist permanent Dampf drin, jeden Tag gibt es neue Herausforderungen. Es war spannend und turbulent. Wir haben es geschafft, Stadt und die Menschen hinter uns zu bringen. Ich werde nie vergessen, wie am 21. Mai 60.000 im Stadion waren und noch einmal 50.000 nebenan. Wir sind aufgestiegen, das war beileibe keine Selbstverständlichkeit. Die 2. Bundesliga hat eine unglaubliche Intensität.


Jetzt sind in der Bundesliga elf Spieltage absolviert. Hat der VfB den Anpassungsprozess abgeschlossen?
Gefühlt fehlen uns irgendwie drei Punkte. Wie allen anderen Bundesligisten wohl auch (lacht). Auswärts haben wir nichts geholt, obwohl es viele enge Spiele gab. Leider auch mit einigen Entscheidungen gegen uns, wie zuletzt der unberechtigten Gelb-Roten Karte gegen Dzenis Burnic, dem durch die Sperre nun das Spiel gegen Dortmund verwehrt wird. Wir hatten auch etliche personelle Rückschläge zu verkraften, ich denke da an die Verletzungen von Christian Gentner, Daniel Ginczek, Anastasios Donis oder Emiliano Insua. Trotzdem haben wir gut reingefunden. Unsere Heimstärke ist bemerkenswert und macht uns stolz. Wir sind im gesamten Kalenderjahr zu Hause noch ungeschlagen. Wir sind voll dabei, aber wir haben noch gar nichts erreicht. Unser Ziel ist, sicher die Klasse zu halten.


Mussten Sie als Aufsteiger Ihre Spielphilosophie ändern? Weniger Pressing, ein bisschen mehr Sicherheit?
Nein. Wie wir spielen wollen, das ist ja nicht abhängig von der Liga. Wir bewerten immer wieder neu, welche Anordnung gegen speziell diesen nächsten Gegner die beste ist, um erfolgreich zu sein. Wir mussten im Sommer generell schauen, wie wir bei diesen vielen neuen Spielern, die zu uns kamen, spielen wollen, um erfolgreich zu sein.



Wissen Sie denn schon, wie man den BVB schlagen kann?

(lacht). Sicher ist: Wir brauchen eine Top-Leistung. Wir wollen unbequem sein, wir brauchen gute Räume. Aber Dortmund hat eine Top-Mannschaft.


Was bekommen Sie von der Unruhe in Dortmund mit?
Wenig. Ich schaue so oft wie möglich Spiele des BVB, aber ich kann das nicht bewerten. Ich bin mir sicher, dass die letzten vielleicht nicht so guten Spiele des BVB für uns kein Vorteil in diesem Spiel in Stuttgart sein werden. Wir müssen alles reinlegen und würden uns freuen, wenn wir unsere Serie zu Hause weiter fortführen könnten.

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