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Ex-Kommentator im Interview

Marcel Reif: Der BVB spult nicht ab, was er kann

Dortmund Marcel Reif hat schon viele Derbys begleitet. In seiner Zeit als Kommentator polarisierte der 67-Jährige stets. Vor dem Revierduell am Samstag kann er sich entspannt nun aber zurücklehnen. Im Interview mit Daniel Otto spricht Reif über die Dortmunder Krise und den Schalker Höhenflug.

Marcel Reif: Der BVB spult nicht ab, was er kann

Marcel Reif gefällt die Art von Peter Bosz, glaubt aber nicht daran, dass er alles aus dem BVB herausholt. Foto: picture alliance / dpa

Marcel Reif, wie froh sind Sie, dass Sie am Samstag um 15.30 Uhr nicht kommentieren müssen?
Och, warum soll ich froh sein? Ich bin allerdings jetzt auch nicht todtraurig, dass ich nicht kommentiere, das hab ich ja so gewollt. Das ist völlig in Ordnung und jetzt kann ich mir das Spiel in Ruhe anschauen, ohne arbeiten zu müssen. Es fehlt mir nicht.


Ich frage, weil das Derby selten sportlich so brisant war und man Ihnen hinterher sicher vorgeworfen hätte, Sie wären wahlweise Schalke- oder Dortmund-Fan.

(lacht) Und zwar während des Spiels wechselnd. Nein, das gehört dazu und wenn sich beide Seiten hinterher beschweren, kann man nicht alles falsch gemacht haben. Das gehört dazu, ich hatte mich daran gewöhnt und es hat mir den Job nicht verleidet.

Dortmund "Mannoman, was war das für eine Woche - zwei Niederlagen, Spalstick-Tore am Fließband - Borussia die Lachnummer der Saison." Dringend muss für den BVB ein Sieg im Revierderby gegen Schalke her, sagt Günna in seinem Klartext schwarzgelb. Und auch schon eine Idee, wie das klappen könnte.mehr...


Aber Sie sind schon froh, dass Sie sich damit nicht mehr wöchentlich rumschlagen müssen, sondern das Problem jetzt die Kollegen haben oder?
Ach, die machen ihren Job und wenn ich Zeit habe, höre ich zu. Und damit hat es sich dann aber auch.


Schauen wir aufs Sportliche: Können Sie sich an ein Revierderby mit mehr sportlicher Brisanz erinnern?

Ehrlich gesagt lange nicht. Einmal konnte Schalke Meister werden, das war mit das Spannendste ansonsten war‘s allerdings oft eher Folklore. Aber jetzt ist das ja ein absolutes Spitzenspiel mit unterschiedlichen Vorzeichen.

DORTMUND Vier Spielzeiten hat Ingo Anderbrügge das Trikot von Borussia Dortmund getragen. Im Sommer 1988 wechselte er zum FC Schalke 04, wo er im Jahr 2000 seine Profi-Karriere beendete. Im RN-Talk sprach Thimo Mallon mit ihm über fast 16 Jahre Derbyerfahrung, die schwierige Zeit von BVB-Trainer Peter Bosz und Schalkes neue Stabilität unter Domenico Tedesco.mehr...


Der BVB spielt um den Job des Trainers...
Ich sehe das nicht ganz so dramatisch, es fällt ja niemand unter das Armenrecht, wenn es schiefgehen sollte. Aber es ist jetzt so, dass Dortmund in einer Spirale drin ist und da musst du halt irgendwann rauskommen. Am Ende zählt das Ergebnis und ein Sieg im Derby würde sicher Luft verschaffen. Aber ein Sieg alleine wird nicht reichen, sondern da muss ja Einiges wieder funktionieren, was im Moment überhaupt nicht klappt.


Passt Peter Bosz mit seiner ruhigen Art vielleicht nicht in den Emotionenkessel von Dortmund?
Ach, es gab Klopp, der war sehr emotional, dann gab es Tuchel, der war gar nicht emotional und Bosz ist ja eigentlich eine Mischung aus dem Ganzen und ich mag seine Art des unaufgeregten Auftretens, aber es geht nicht darum, wie einer von der Art her ist, sondern wie er die Mannschaft dazu kriegt, dass sie spielt, was sie kann. Und sie war sicher nicht so gut, wie in den ersten sieben Spielen, aber sie ist ganz sicher auch nicht so schlecht, wie danach. Die Qualität liegt irgendwo dazwischen. Ich bewerte einen Trainer danach, ob er in der Lage ist, das Beste aus der Mannschaft rauszuholen, Spieler besser zu machen und im Moment habe ich nicht das Gefühl, dass die Borussia alles abspult, was sie kann und das muss sich ein Trainer fragen lassen.

DORTMUND Nur noch wenige Tage, dann steht das Revierderby auf dem Programm. Für Borussia Dortmund kommt das vermeintlich wichtigste Spiel des Jahres zur Unzeit.Trainer Peter Bosz scheint die Mannschaft nicht mehr zu erreichen, seine Kritiker werden immer lauter. Über all das sprechen wir in der 70. Folge unseres BVB-Podcasts.mehr...


Ganz anders ist es bei Schalkes Domenico Tedesco...
Da hast du das Gefühl, er läuft gerade übers Wasser. Ich denke, dass die Schalker nicht ganz so gut sind, wie sie im Moment dastehen. Sie stehen da, weil andere ihnen den Raum lassen. Aber Tedesco holt aus der Mannschaft - und da komme ich wieder auf Bosz zurück - vielleicht sogar noch mehr raus, als sie drin hat. Und deshalb macht er das toll, da gibt es gar nichts schlecht zu reden. So wie bei der Borussia gerade gar nichts klappt, läuft bei Schalke gerade alles zusammen.


Ist Schalke für Sie schon ein Champions-League-Kandidat?
Na das ist noch ein bisschen sehr früh. Andererseits: So eine Tabelle lügt nicht nach mehr als einem Drittel der Saison. Die gehören schon in höhere Regionen. Ob es am Ende für ganz da oben reicht, weiß ich nicht, aber warum sollte Schalke nicht unter den ersten Vier einlaufen? Da sehe ich nicht viele Teams, die ihnen den vierten Platz streitig machen könnten.

Dortmund/Gelsenkirchen Sie sind jung, sie stammen aus den Vereinigten Staaten und sind die aufstrebenden Stars ihrer Teams. Dortmunds Christian Pulisic (19) und Schalkes Weston McKennie (19) sprechen vor dem Revierderby über das wichtigste Spiel des Jahres, ihren Beginn in Deutschland und Heimweh.mehr...


Der BVB vielleicht?
Ja, der BVB ist sicher mit dem Kader und von den Möglichkeiten her eine der vier besten Mannschaften in Deutschland, davon bin ich überzeugt. Aber das musst du halt Woche für Woche auf den Platz kriegen. Und das schaffen sie im Moment nicht.


Wie optimistisch sind Sie, dass sich das ändert?
Ich glaube, die Saison ist auch da noch lang genug und sie werden nicht weiterhin jedes Spiel verlieren. Diese Wette halte ich.

Buchautor und „Doppelpass“-Experte
Marcel Reif ist am kommenden Sonntag, 26. November, ab 11 Uhr als Experte im „Check24 Doppelpass“ auf Sport1 zu Gast. Sein im März erschienenes Buch „Nachspielzeit - Ein Leben mit dem Fußball“ ist im gut sortierten Buchhandel erhältlich.

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