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Ex-BVB-Spieler im Interview

Sven Bender: Teamerfolg steht für mich immer über allem

DORTMUND Sein Abschied im Sommer kam überraschend. Sven Bender hält nun die Knochen für Bayer Leverkusen hin, so wie er das acht Jahre lang für den BVB getan hat. Vor dem Wiedersehen mit den Schwarzgelben hat der 28-Jährige mit Dirk Krampe über seinen neuen Klub, die Krise des BVB und den Anschlag auf den Dortmunder Mannschaftsbus im April dieses Jahres gesprochen.

Sven Bender: Teamerfolg steht für mich immer über allem

Neustart in Leverkusen geglückt: Sven Bender. Foto: imago

Man kommt bei Ihnen um die Einstiegsfrage nach der Gesundheit nicht drumherum. Oder stehen Sie dann gleich sofort auf und gehen?

(lacht) Nein, keine Sorge. Und danke der Nachfrage! Es geht mir gut!


Das Wiedersehen mit den alten Kollegen wird also auf dem Rasen stattfinden?

Es sieht ganz gut aus, mal abwarten. Ich hatte am Ende der vergangenen Woche noch kein so gutes Gefühl, daher haben wir entschieden, es nochmal zu verschieben. Diese Woche ist es bislang besser gelaufen, ich fühle mich deutlich wohler.


Sie müssten während des Spiels einen Rippenschutz tragen. Sven Bender als Michelin-Männchen ist ehrlich gesagt eine etwas skurrile Vorstellung...

(lacht) So schlimm ist es nicht. Den sieht und spürt man eigentlich gar nicht. Es ist auch eher eine Art Platte. Aus Carbon, also sehr leicht. Es geht dabei mehr um einen Schutz, damit sich die Rippen nicht verschieben, wenn man einen Schlag abbekommt. Der mögliche Schmerz spielt eine eher sekundäre Rolle.

Umfrage

BVB gegen Leverkusen - wie endet das Spiel?

42%
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Sieg BVB
12%
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Unentschieden
46%
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Sieg Leverkusen
1012 abgegebene Stimmen

Sie sind jetzt gut vier Monate weg aus Dortmund. Was bekommen Sie mit vom BVB?

Ich schaue natürlich so viel wie möglich. Ist ja klar, dass mich das noch interessiert.


Was haben Sie am Samstag gedacht?

Ich hab erst unser Spiel geschaut, danach dann irgendwann die Tore gesehen. Ein irres Ding. Aus Dortmunder Sicht hat das Spiel die komplette Saison widergespiegelt. Erst extrem stark, fast nicht zu packen. Sie haben eine sensationelle erste Hälfte gespielt. Aber dann auch die schwierige zweite, in der sie das Spiel komplett aus der Hand gegeben haben.


Im Stadion herrschte eine Art Schockzustand...

Kann ich mir vorstellen. Ich habe es ein wenig im Ticker verfolgt. Bei 4:0 habe ich gedacht, jetzt geht es richtig zur Sache, jetzt platzt der Knoten. Hinten raus hat man dann bei den Bildern im Fernsehen gespürt, dass Schalke tatsächlich das Spiel noch drehen kann.


Wir rätseln: Kopfsache oder doch konditionelle Mängel?

Da bin ich zu weit weg, als dass ich das beurteilen könnte.


Ihr Wechsel kam damals für viele überraschend. Wann haben Sie Signale empfangen, dass es Sinn machen könnte?

So war es gar nicht. Das Thema ist bei mir erstmals in der Rückrunde aufgekommen. Da ist viel auf uns als Mannschaft eingeprasselt, auch ich habe viele Dinge mitgemacht, Höhen und Tiefen. Ich hatte wieder Verletzungen, und irgendwann reifte der Entschluss, dass es Sinn machen könnte, nochmal etwas anderes zu probieren.

DORTMUND Die Mannschaft in der Bringschuld, der Trainer vor einem persönlichen "Endspiel". Bei Borussia Dortmund schrillen seit dem 4:4 gegen Schalke die Alarmglocken. Und am Samstag (15.30 Uhr) geht es zu Bayer Leverkusen. Eine Bestandsaufnahme.mehr...

Dabei hatten sie in der Vorsaison erst Ihren Vertrag verlängert...

Ja, und im vergangenen Winter noch hätte ich abgewunken, wenn mich jemand danach gefragt hätte. Aber Dinge entwickeln sich einfach.


Der Wechsel war also unabhängig vom neuen Trainer Peter Bosz?

Ja, der Entschluss reifte irgendwann, das war völlig unabhängig vom Trainer. Ich war acht Jahre da. Ich hatte tolle Erlebnisse mit den Meisterschaften, wir haben viel Spektakel geboten. Dazu gehörten aber auch die Verletzungen, schwierige Zeiten. Gerade in der vergangenen letzten Rückrunde war dieses Auf und Ab auch bei mir persönlich schon sehr extrem. Ich hatte einfach das Gefühl, es ist richtig, nochmal was Neues zu machen.


Hat es gedauert, bis Sie Abstand von Borussia Dortmund gewonnen hatten?

Na klar, dafür sind acht Jahre ja auch einfach zu lang. Es war gewiss nicht so, dass ich gesagt habe, okay, ich mache das, werfe die Tür hinter mir zu und das war's dann. Am Ende meiner Karriere wird Borussia Dortmund der Klub sein, bei dem ich am längsten war. Und ich habe im Laufe der Jahre viele Menschen kennengelernt, Freunde gefunden und lieb gewonnen. Im Verein waren alle unfassbar nett und offen, daher ist mir der Abschied das natürlich schwer gefallen. Die ersten Spiele vom BVB habe ich auch nicht verfolgt. Das ging nicht.


War es auf der anderen Seite auch der bewusste Ausbruch aus einem bekannten Trott? Irgendwann haftete Ihnen in Dortmund an, der Spieler zu sein, der immer sehr großes Verletzungspech hat...

Vielleicht ein wenig. Ich habe es ja allerdings immer geschafft, mich wieder zurückzukämpfen. Und ich habe mich am Ende immer behauptet. Ich habe mich auch nicht darüber beschwert, dass ich zuletzt nicht mehr unumstrittener Stammspieler war. Für mich stand und steht der Teamerfolg immer über allem. Doch man hat ja nur diese eine Karriere. Irgendwann war ich an dem Punkt, an dem ich natürlich auch an mich gedacht habe.


Da war der Wunsch zu spielen größer als das Heimatgefühl?

Du willst einfach die Jahre bestmöglich nutzen. Und die schönsten Gefühle hast du als Spieler nicht, wenn du auf der Bank sitzt. Die hast du auf dem Rasen.

Mussten Sie lange betteln bei Sportdirektor Michael Zorc?

Ich bin dankbar, dass der BVB mir diese Chance ermöglicht hat. Aber ehrlich: Es wäre kein Problem gewesen, wenn Michael Zorc auf den Tisch gehauen und gesagt hätte, wir lassen dich nicht gehen, es gibt keinen Wechsel.


Wann kam denn ganz offiziell Leverkusen ins Spiel?

Ende der vergangenen Saison ging das los. Ich habe dann einige Wochen nichts mehr gehört. Richtig weiter ging es dann, als feststand, dass Heiko Herrlich Trainer wird. Ich habe mich dann im Urlaub so richtig damit befasst und am Ende des Urlaubs auch erstmals mit Michael Zorc gesprochen.


War er überrascht?

Wir haben gegenseitig einige Tage Bedenkzeit vereinbart. Es ging am Ende sehr reibungslos über die Bühne, worüber ich sehr froh und dankbar bin. Alle sind sehr respektvoll miteinander umgegangen, das hat mich besonders sehr gefreut. Das war auch mir sehr wichtig.


Sie wohnen weiter in Dortmund. Wie wichtig war es, einen Klub in der Nähe zu finden?

Dortmund ist eine zweite Heimat für uns, auch meine Frau fühlt sich hier sehr wohl. Leverkusen war aber nicht nur deshalb die perfekte Option. Es passte auch sportlich perfekt.


Und Ihr Bruder hat keine Rolle gespielt?

Das hat mir ja keiner geglaubt, aber es war wirklich nicht entscheidend. Ich hab ihm sogar erst sehr spät Bescheid gesagt. Ich musste es für mich entscheiden, letztlich stehst du auf dem Platz ja auch allein da. Auch wenn wir ein Brüderpaar sind. Der Wechsel durfte nicht abhängig davon sein, aber natürlich ist es sehr schön, dass wir nach der 1860er-Zeit wieder in einem Klub spielen.

BVB-Training in Brackel am 30. November

Bilder des BVB-Training in Brackel am 30. November.
Bilder des BVB-Training in Brackel am 30. November.
Bilder des BVB-Training in Brackel am 30. November.
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Bilder des BVB-Training in Brackel am 30. November.
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Wenn Sie Bilanz ziehen der ersten Monate, alles richtig gemacht?

Ich bin sehr glücklich mit meiner Entscheidung. Ich wollte wieder spielen, wollte viel spielen. Ich wollte ein wichtiger Teil der Mannschaft sein. Und ich wollte es mir beweisen, und das habe ich geschafft.


Sogar den Stempel der Verletzungsanfälligkeit konnten sie wegwischen...

Ich habe die ersten elf Saisonspiele alle gemacht. Man muss aber auch sehen, dass die meisten meiner Verletzungen in Dortmund Kontaktverletzungen waren. Das passiert im Fußball. Wie kann man das verhindern? Änderst du deine Spielweise, raubst du dir auch viel von deiner Qualität. Das jetzt mit der Rippe war ebenso einfach nur Pech.


Leverkusen hat ein wenig gebraucht, um in die Spur zu kommen. Dabei ist die Qualität unbestritten. Woran lag es?

Ich hatte zu Beginn das Gefühl, dass die vergangene Saison doch noch an einigen genagt hat. Dazu kam ein schwieriges Auftaktprogramm mit ambitionierten Gegnern. Es war kurios: Wir haben viele gute Spiele gemacht, aber wir haben die Ergebnisse nicht geholt. Es war für mich in dieser Phase schön zu sehen, dass alle im Klub ruhig geblieben sind. Dann haben wir uns gefangen, und jetzt spürt man, dass wir deutlich stabiler sind als zu Beginn.


Mussten Sie sich von der Spielweise umstellen?

Nicht sonderlich. Leverkusen hat ja auch seit Jahren eine sehr gute Qualität. Wir spielen schnell nach vorne, wir laufen viel. Wenn wir die Qualität bündeln mit einer immer seriösen Herangehensweise, ist da schon viel Potenzial da. Und da kommt hoffentlich noch einiges, denn unsere Mannschaft ist ja noch jung. Wenn ich mir nur Kai Havertz anschaue mit seinen 18 Jahren...


Hat sich da viel verändert? Sind die jungen Spieler heute weiter als Sie früher in dem Alter?

Definitiv. Sie sind unglaublich komplett. Kai Havertz hat letztes Jahr schon die Dreifachbelastung gehabt mit Bundesliga, Champions League und Pokal - und gut weggesteckt. Früher kamst du mit 20, 21 zu den Profis. Wenn du es heute in dem Alter noch nicht geschafft hast, wird es schon sehr schwer. Die Auslese ist viel größer. Und die, die es packen, sind daher viel weiter.

Fühlen Sie sich mit Ihren 28 Jahren schon einer anderen Generation zugehörig?

(lacht) Vor allem, wenn ich in der Kabine höre, wie sie sich untereinander unterhalten und ich mit dieser Jugendsprache aber so gar nichts anfangen kann. Ich habe darüber kürzlich noch mit Roman Weidenfeller geflachst. Der ist ja schon 37, wie muss er das erst empfinden?


Sie haben von dem turbulenten zweiten Halbjahr der vergangenen Saison gesprochen. Dazu gehörte auch der Sprengstoff-Anschlag. Haben Sie das Geschehen verarbeitet?

Man denkt ab und an noch daran, aber ich glaube schon. Ich verspüre Dankbarkeit, dass es so weit glimpflich abgelaufen ist. Und das gibt mir ein gutes Gefühl. Jeder verarbeitet das aber natürlich anders.


Wo saßen Sie im Bus?

Ziemlich mittig. Drei Reihen vor Marc Bartra, glaube ich. Ich habe zur Seite geschaut in dem Moment, habe die Explosion also gesehen. Das war natürlich ein krasser Moment, der auch immer wieder mal hochkommt. Aber ich bin dankbar, dass wir alle doch sehr viel Glück hatten. Und daraus ziehe ich positive Energie.


Sie waren damals erst seit ein paar Monaten Vater. Erleben Sie Dinge seither anders und intensiver?

Mir waren bestimmte Werte im Leben immer schon wichtig. Aber klar, du kommst nach Hause, und da ist dein Sohn, vier, fünf Monate alt. Man merkt dann auch, wie wichtig Familie ist, wie wichtig das Leben neben dem Fußball ist.


Ihr Sohn ist jetzt ein Jahr alt. Sind irgendwelche Ansätze erkennbar, dass da ein Talent heranwächst?

Oh, er hat sehr viel von mir. Er läuft auch immer mit dem Kopf irgendwo gegen (lacht).

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