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Das Rätsel Tuchel

Wutrede des BVB-Trainers sorgt für große Unruhe

Dortmund Erleichterung und neue Kampfeslust nach dem 1:0 gegen den FC Bayern hielten bei Borussia Dortmund nur ganze sieben Tage. Der farblose Auftritt beim 1:2 in Frankfurt und vor allem die anschließende schonungslose Wutrede des Trainers trafen den Verein mit voller Wucht. Die Unruhe ist groß.

Wutrede des BVB-Trainers sorgt für große Unruhe

Im Fokus: Thomas Tuchel fand nach dem 1:2 in Frankfurt harsche Worte. Die Emotionalität seiner Brandrede irritierte.

Immer im Advent besuchen Borussia Dortmunds Fußballer die städtischen Kinderkliniken, überbringen Weihnachtsgeschenke und verbringen einige Zeit mit den jungen, zum Teil schwer kranken Patienten. Zu einem für beide Seiten lieb gewonnenen Ritual ist das geworden im Laufe der Jahre, und auch am Montag zeigten die Bilder die Freude der Kinder über den Besuch ihrer Vorbilder.

Tuchel sorgt für Irritationen

Die und ihr Trainer hatten ein hartes Wochenende hinter sich. Thomas Tuchels gnadenlose Abrechnung mit seiner Mannschaft nach dem 1:2 in Frankfurt hallte über das Wochenende weitreichend nach – und sorgte nicht nur in Dortmund für große Irritationen. Hätte Tuchel sich in den einschlägigen Foren und sozialen Netzwerken ein Bild von der Stimmung gemacht (was er sicher nicht getan hat), er hätte in den Beiträgen vorwiegend großes Unverständnis und eine riesige Enttäuschung vorgefunden. Im Zentrum der Kritik stand dabei zumeist der Trainer selbst – und dabei vor allem die Tatsache, dass er sich selbst aus der Kritik komplett herausnahm.

DORTMUND Keine TV-Interviews, dafür aber eine Pressekonferenz, die es in sich hatte. BVB-Trainer Thomas Tuchel präsentierte sich nach der 1:2-Niederlage bei Eintracht Frankfurt hochgradig angefressen und kanzelte sein Team öffentlich ab. Wir diskutieren: Ist Thomas Tuchel mit seinem Auftritt nach dem Frankfurt-Spiel zu weit gegangen?mehr...

Nach dem verlorenen Pokalfinale im Mai, beim ersten emotionalen Ausbruch dieser Art, hatte der 43-Jährige diese Verantwortung noch nicht gescheut. Dass er die quälende Suche nach fünf Elfmeterschützen nicht rigoroser unterbunden und es selbst entschieden hätte, kreidete Tuchel sich an. Derlei Selbstkritik gab es am Samstag allenfalls in Form des zuvor in Dortmund nie dagewesenen Dreifach-Wechsels, mit dem er seine taktischen Fehlgriffe zu korrigieren versuchte. Nach dem Spiel aber lederte Tuchel gegen die komplette Mannschaft, es war eine Generalabrechnung, bei der er so deutlich auf Distanz zu seinen Spielern ging wie nie zuvor.

Hohe Anerkennung

In seinem ersten Jahr in Dortmund hat Tuchel für die Weiterentwicklung der Mannschaft zu Recht hohe Wertschätzung erfahren. Den Übergang von der Klopp-Ära meisterte er auf allen Ebenen bravourös. Tuchel impfte dem BVB die Elemente des Spiels ein, die er bevorzugt und gern sehen wollte, ohne dabei die Kloppschen Wurzeln zu ignorieren. Zu überfallartigem Konterspiel gesellten sich so strategische Flexibilität und ein deutlich höherer Ballbesitzanteil.

FRANKFURT Dass Thomas Tuchel auf Niederlagen zuweilen angefressen, impulsiv und fast persönlich beleidigt reagiert, konnte man in Dortmund erstmals nach dem verlorenen DFB-Pokalfinale im Sommer beobachten. Öffentlich nagelte er damals seinen Kapitän Mats Hummels an die Wand. Nach der Niederlage in Frankfurt holte der 43-Jährige zum Rundumschlag aus.mehr...

Das führte im Ergebnis zu Platz zwei in der Tabelle, zu 78 Punkten, dem zweitbesten Wert der langen Vereinsgeschichte, und 82 erzielten Toren. Borussia Dortmund stand nach einem desaströsen letzten Klopp-Jahr wieder für Spektakel, Spaß und Erfolg.

Team wirkt überfordert

Schon im vergangenen Jahr aber gab es Spiele, in denen der Kopfmensch Tuchel seine Elf mit seinen Ideen zu stark und daher auch überforderte. Der „Getriebene seiner hohen Ansprüche“ (FAZ) verordnete dem BVB nicht nur beim 1:5 in München eine Taktik, die mehr zu Verunsicherung und Konfusion führte als zu Überraschungseffekten beim Gegner.

FRANKFURT/MAIN Statt eine großartige Woche zu krönen, beginnen in Dortmund Debatten um Trainingsleistung und Einstellung. ThomasTuchel kritisiert seine Profis harsch. Vor allem die Konstanz scheint dem BVB vor den bedeutenden Spielen gegen Gladbach und in Madrid zu fehlen. Personell gab es am Sonntag eine positive Nachricht.mehr...

Dieses Handlungsmuster hat sich in dieser Saison noch verstärkt. Das übermäßige Ausrichten der eigenen Taktik am Gegner verwundert, weil man sich so nicht selten der eigenen Stärken beraubt. So ließ Tuchel beim 3:3 in Ingolstadt (dem damaligen Tabellenletzten) im 4-4-2 spielen, trainiert hatte das der BVB zuvor noch nie. Heraus kam eine konfuse erste Hälfte ohne jeden Zugang zum Spiel.

Sechs verschiedene Systeme

Insgesamt sechs verschiedene taktische Systeme hat Tuchel spielen lassen in den bisherigen Pflichtspielen. Vom in der Vorsaison erprobten 4-3-3 ist Dortmund weitgehend abgewichen. Zudem ändert er seine Formation im Vergleich zur Partie zuvor im Schnitt auf vier Positionen. Dass einige Spieler (Castro, Ginter) permanent auf dem Feld hin- und herverschoben werden, hat ihrer Form ebenfalls nicht gut getan.

Besuch in der Kinderklinik

BVB-Spieler muntern kleine Patienten auf

Dortmund Es ist eine der schönsten Traditionen des Jahres: Am Montag haben die Spieler von Borussia Dortmund der Dortmunder Kinderklinik wieder einen Besuch abgestattet. Für die kleinen Patienten gab es von ihren Idolen aufmunternde Worte, Autogramme und Erinnerungsfotos - und für die Spieler, jede Menge leuchtende Kinderaugen. Hier gibt es die Bilder und ein Video des Besuchs.mehr...

Nachdem der Verlust von drei Führungsspielern (Hummels, Mkhitaryan, Gündogan) den BVB seiner kompletten zentralen Achse beraubte, muss sich der Trainer die Frage gefallen lassen, wie sich die dringend benötigten Automatismen bilden sollen, wenn im Drei-Tages-Rhythmus Personal und Taktik so gravierend wechseln. Wie Tuchels deutliche Worte in der Mannschaft angekommen sind, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Schärfe seiner Wortwahl lässt allerdings vermuten, dass im Binnenverhältnis viel mehr im Argen liegt als nur der Ärger über einen schwachen Auftritt in Frankfurt.

FRANKFURT Nach 58 Minuten war am Samstag Schluss für Julian Weigl. BVB-Trainer Thomas Tuchel nahm seinen Sechser in Frankfurt vorzeitig vom Feld. Im Gespräch mit Matthias Dersch analysierte Weigl nach dem 1:2 in der Mixed Zone die Gründe für die dritte Auswärtspleite der Saison.mehr...

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