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Gewerkschaft kritisiert Lohn-Prellerei im Kreis

Zoll ermittelt: 50 Verstöße gegen Mindestlohn

KREIS. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) Gewerkschaft kritisiert „Lohn-Prellerei“ im Kreis Borken. Allein im ersten Halbjahr 2017 hat der Zoll 50 Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen den Mindeslohn eingeleitet.

Zoll ermittelt: 50 Verstöße gegen Mindestlohn

Der Besuch vom Zoll kann für viele Betriebe unangenehm werden. Die Beamten kontrollieren auch die Einhaltung des Mindestlohns. Foto: NGG

Wenn der Chef den Lohn prellt: Im Kreis Borken bekommen immer noch nicht alle Beschäftigten die Bezahlung, die ihnen per Gesetz zusteht. Das kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Die NGG beruft sich hierbei auf neue Zahlen des Bundesfinanzministeriums. Danach leitete das verantwortliche Hauptzollamt Münster in den ersten sechs Monaten des Jahres insgesamt 50 Ermittlungsverfahren wegen nicht gezahlter gesetzlicher Mindestlöhne ein. Im Gastgewerbe wurden die Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) 13 Mal fündig.

Tarifliche Untergrenze von 9,25 Euro pro Stunde

Für Helge Adolphs von der NGG Münsterland steht fest: „Jeder Verstoß ist einer zu viel. Es kann nicht angehen, dass sich auch zwei Jahre nach seiner Einführung noch immer nicht alle Betriebe an den Mindestlohn halten.“ Auch im NRW-Gastgewerbe, wo eine tarifliche Untergrenze von 9,25 Euro pro Stunde gilt, gebe es weiterhin zahlungsunwillige Arbeitgeber. Positiv wertet Adolphs dabei die Zunahme der Kontrollen.

Im ersten Halbjahr prüften die Münsteraner Zollbeamten laut Statistik 105 Hotels, Gaststätten und Restaurants – das sind 44 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

„Schmutzige Praktiken“

„Je gründlicher der Zoll kontrolliert, desto größer ist das Risiko für Unternehmen im Kreis Borken, bei schmutzigen Praktiken erwischt zu werden“, betont der Gewerkschafter. Hierfür müsse das Zoll-Personal jedoch deutlich aufgestockt werden. Die Arbeit der FKS sei eines der wichtigsten Mittel, um die Einhaltung des Mindestlohns flächendeckend durchzusetzen, so Adolphs weiter. Hier gelte einmal mehr: „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

Zugleich wendet sich die NGG gegen Pläne, die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn aufzuweichen. Dafür hatten sich Union und FDP im Wahlkampf ausgesprochen. Adolphs: „Nur wenn für die Beschäftigten die Arbeitszeiten genau erfasst werden, lässt sich Lohn-Prellerei verhindern. Denn gerade im Gastgewerbe kommt es immer wieder vor, dass Chefs versuchen, ihre Mitarbeiter zu Umsonst-Überstunden zu zwingen.“

Grünen-Anfrage

Die Zoll-Halbjahresbilanz geht auf eine aktuelle Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke an das Bundesfinanzministerium zurück. Deutschlandweit wurden demnach im ersten Halbjahr gut 3.700 Betriebe des Gastgewerbes vom Zoll überprüft – 21 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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