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Begutachtung mit Restaurator

Auf Augenhöhe mit dem Turm der Marienkirche

BOCHUM 70 Meter in der Höhe, eine sacht im Wind schwankende Gondel, weit über den Dächern der Bochumer Innenstadt. Hoch hinaus ging es für Werner Paetzke am Mittwochmorgen an der Marienkirche. Natürlich nicht nur zum Vergnügen. Paetzke ist der Restaurator, der den Kirchturm der 140 Jahre alten Kirche in Augenschein nimmt.

Auf Augenhöhe mit dem Turm der Marienkirche

Die Marienkirche von oben - Anfang 2013 werden die Sanierungsarbeiten beginnen, um sie zum Foyer des Musikzentrums zu verwandeln.

Er soll ermitteln, was am Turm saniert werden muss. Denn im August hat die Stadt die Eigentümerrolle für den einstigen Sakralbau übernommen. Die Vorbereitungen für den Umbau und die Sanierung der Kirche ab Anfang 2013 gehen mit dem Restaurator und dem Architekten Olaf Fischer nun in die heiße Phase.

Dekorelemente brauchen Schönheitskur

„Bereits 2007 wurden erste Gutachten erstellt“, erklärt Thomas Sichelt vom Kulturbüro der Stadt, jetzt gehe es an die Detailfragen. Entsprechend ist die Sanierung bereits im Gesamtbudget für das Musikzentrum enthalten. Doch sowohl innen als auch außen ist eine Menge an der Marienkirche zu tun. Wo derzeit noch die Künstler und Akrobaten von Urbanatix trainieren und proben, blättert hier und da der Putz von den Wänden. Viele der alten Dekorelemente der Kirche brauchen eine Schönheitskur. „Uns ist es wichtig, möglichst viele dieser Details, die den Charme der Marienkirche ausmachen, zu erhalten“, sagt Architekt Olaf Fischer voller Tatendrang. Ihm pflichtet auch Sichelt bei: „Das sind wir den Bürgern und Kirchenmitgliedern schuldig, wenn sie sie schon nicht mehr als Kirche nutzen können.“

100 Jahre hinterlassen Spuren

Und mit dem Turm, der sogar die verheerende Zerstörung der Kirche im zweiten Weltkrieg überstanden hat, wird auch eine stadtbildprägende Landmarke wieder auf Vordermann gebracht. Was sie auch nötig hat. Denn mehr als 100 Jahre sind natürlich nicht spurlos an dem Bauwerk vorbei gegangen. Restaurator Paetzke erstellt dafür zunächst eine Liste der notwendigen Maßnahmen. „So einen Bewuchs wie hier habe ich noch nie gesehen“, stellt er fest. Umso besser erhalten ist hingegen die Turmspitze aus Ruhrsandstein.

Auf Augenhöhe mit dem Kirchturm der Marienkirche

In einer kleinen Gondel untersucht Restaurator Werner Paetzke den Baubestand des Turmes der Marienkirche - in rund 70 Meter Höhe.
Der Kirchturm der Marienkirche ist dem Stil französischer Kathedralen nachempfunden. Die quadratische Grundkonstruktion des Turms geht nach den kleinen Türmen auf den Ecken in die achteckige Spitze über.
In fast 70 Metern Höhe geht ein beachtlicher Wind. Stets ist Restaurator Werner Paetzke bemüht, die Gondel nicht an den Kurchturm ticken zu lassen.
Ein regelrechter kleiner Garten hat sich auf dem Kirchturm der Marienkirche niedergelassen. Die Erbauer haben laut Restaurator Paetzke wohl mineralienreiches Baumaterial verwendet, sodass die Pflanzen ausreichend Nährstoffe finden.
Restaurator Werner Paetzke begutachtet jeden Zentimeter des Kirchturms, um sein Gutachten über die nötigen Sanierungsarbeiten zu erstellen.
Die Kirchturmspitze aus robustem Ruhrsandstein hat den Zahn der Zeit eigentlich ganz gut überstanden. Lediglich rund um den Blitzableiter hat die Natur deutlich sichtbare Spuren hinterlassen.
Noch stehen die Platanen, die dem Übergang zum eigentlichen Konzertsaal werden weichen müssen.
Die Marienkirche von oben - Anfang 2013 werden die Sanierungsarbeiten beginnen, um sie zum Foyer des Musikzentrums zu verwandeln.
Auf Höhe der Turmspitze der Marienkirche hat man auch einen wunderbaren Blick auf das Exzenterhaus.
Diese Plakette an der Seite des Kirchturms erinnert an die bewegte Baugeschichte der Marienkirche.
Wandgemälde wie dieses machen den Charme der Marienkirche aus. Daher sollen sie auch während der Sanierung erhalten bleiben.
Kleine Details, die die Marienkirche noch zu geweihten Zeiten ausmachten, - wie dieses Wandgemälde - werden erhalten. "Das sind wir den Bürgern schuldig", so Thomas Sichelt vom Kulturbüro.
Noch stehen die Gerätschaften des Teams der Urbanatix zwischen den hohen Säulen. Bis zum Ende des Jahres werden sie auch noch dort trainieren und proben dürfen.
Der Aufbau des Kirchenschiffs samt Bögen und Säulen soll erhalten bleiben, wenn die Kirche als Foyer für das Musikzentrum dient. Auf der Empore wird sich in Zukunft die Gastronomie befinden.

Lediglich Blitze haben rund um den Blitzableiter deutliche Spuren hinterlassen. All dies sieht er natürlich nur in luftiger Höhe von der Gondel des Autokrans aus. Doch der Restaurator ist absolut schwindelfrei. Und trotz vieler Stellen, die Ausbesserung bedürfen, wirkt er zuversichtlich – ebenso wie Thomas Sichelt gegenüber dem gesamten Projekt: „Zwar gibt es viele Kirchen, die als Veranstaltungsort genutzt werden. Aber was wir hier haben, diese direkte Integration in das neue Musikzentrum, das ist einfach einmalig.“

Sanierung für vier Millionen

Die Stadt hat die Marienkirche für rund 1,2 Millionen Euro erstanden. Für die Sanierung und Aufbereitung als Foyer, Garderobe und Gastronomie für das Musikzentrum sind circa vier Millionen Euro im Gesamtbudget veranschlagt. Ehe die Arbeiten Anfang 2013 ans Eingemachte gehen, müssen die Artisten von Urbanatix ausziehen. Bis zum Ende des Jahres dürfen sie noch in der Kirche proben. Derzeit suchen sie in Zusammenarbeit mit der Stadt nach einer neuen Heimat.

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