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Medienabhängigkeit

Bundesdrogenbeauftrage trifft Experten

BOCHUM Die Abhängigkeit von Medien wird ein zunehmendes Problem, da sind sich die Experten der Bochumer Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sicher. Doch beim Besuch der Bundesdrogenbeauftragten Marlene Mortler am Dienstag zeigte sich auch, dass dahinter ein gesamtgesellschaftliches Problem steckt.

Bundesdrogenbeauftrage trifft Experten

ARCHIV - Ein Mann sitzt am 16.08.2012 in Köln an einem Computer. Menschen mit einem starkem Medienkonsum suchen in Thüringen bislang eher selten professionelle Unterstützung. Foto: Oliver Berg/dpa (zu lbn vom 25.12.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Denn noch haben weder Verbraucher noch Wissenschaftler eine Ahnung davon, inwiefern die Nutzung moderner Medien für den Menschen schädlich sein kann. „Das Thema Internetabhängigkeit ist ein wirkliches Problem“, sagt Mortler, die auf ihrer Sommertour durch Deutschland nach Bochum gekommen war, um sich mit Bert te Wildt, Leiter der Medienambulanz, und weiteren Experten über diese ganz neue Form der Sucht auszutauschen.

Sie findet es bedenklich, dass sich Menschen zunehmend in digitale Realitäten flüchten und sucht deshalb nach neuen Wegen der Präventionsarbeit, an denen auch gerade das Bochumer Team um Bert te Wildt arbeitet. Für den Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ist Aufklärung über das Suchtpotential moderner Medien ein gutes Mittel, aber kaum ausreichend, um langfristig Schutz zu bieten: „Restriktionen können sinnvoller sein“, sagt er.

Mehr Restriktionen

Deshalb erzählt Te Wildt auch von der – heute so noch nicht umgesetzten – Möglichkeit, Spiele und andere Medien auch auf ihr Suchtpotential hin zu prüfen und freizugeben. Doch nicht alleine die Industrie und den Gesetzgeber sehen die Experten gefordert, sondern auch die Gesellschaft ganz allgemein.

Diese Einschätzung teilt auch Alexander Markowetz. Der Professor am Institut für Informatik der Universität Bonn ist Mitentwickler der „Menthal Balance“-App, die Nutzer auf die Dauer ihrer Smartphone-Nutzung aufmerksam macht und zu mehr bewussten Offline-Phasen animieren will.

„Die Eltern einer Klasse könnten sich zum Beispiel absprechen und ihren Kindern nach 20 Uhr geschlossen die Smartphones abnehmen. So entsteht erst gar kein Bedürfnis online zu gehen, weil die Freunde auch nicht mehr online sind“, sagt er. Wichtig sei, dass die Gesellschaft Strategien gegen das digitale Überangebot entwickle, in dem sich die Menschen zunehmend überfordert fühlten.

Selbstbeschränkung lernen

„Das Thema ist jedoch nicht schwarz-weiß. Es gibt kein böses und kein gutes Internet“, sagt Markowetz und setzt vor allem auf die Vorbildfunktionen von Eltern und Lehrern: „Man muss die Qualität von Offline-Momenten vermitteln können.“ Doch wie lässt sich die Lust an der digitalen Selbstbeschränkung vermitteln?

Für die Drogenbeauftragte Marlene Mortler ist das eine der zentralen Fragen, mit denen sie Bochum wieder verlässt. Dass Thema sei ihr wichtig, sei sogar einer ihrer fünf Schwerpunkte, die sich für ihre Arbeit vorgenommen habe. Deshalb möchte sie mit der Bochumer Klinik und dem daran angeknüpften Experten-Netzwerk in Kontakt bleiben.

Ob und wie die Experten nun in die Arbeit der Bundesdrogenbeauftragten einbezogen werden, das stand jedoch am Dienstag noch nicht fest.

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