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Dreckig und ungepflegt

Der Hauptbahnhof Castrop-Rauxel empört seine Benutzer

Castrop-Rauxel Ein Vorzeigeobjekt ist der Castrop-Rauxeler Hauptbahnhof schon seit langer Zeit nicht mehr. Gerade aber glänzt er wieder einmal durch viel Dreck auf den Böden und in den Toiletten. Es gibt ständig Beschwerden von Nutzern. Wir haben nachgefragt, wie es weiter geht am Berliner Platz in Rauxel.

Der Hauptbahnhof Castrop-Rauxel empört seine Benutzer

Der Zustand im Hauptbahnhof Castrop-Rauxel sorgt bei Reisenden und Castrop-Rauxeler Bürger immer wieder für Klagen. Unhygienische Toiletten, Dreck und kein Zeitungsangebot gehört zu den häufig genannten Macken. Foto: Vanessa Wobb

Laut unserem Leser Martin Eßmann ist der Hauptbahnhof „der einzige Bahnhof in NRW oder vielleicht sogar ganz Deutschland, an dem man keine Zeitungen oder andere Dinge kaufen kann“. In den vergangenen Wochen erreichten unsere Zeitung mehrere Beschwerden wie diese. Immer wieder geht es um den Hauptbahnhof in Rauxel, seine Kundenfreundlichkeit, sein unschönes Erscheinungsbild und sein Umfeld. Wir haben uns vor Ort umgesehen, mit Menschen gesprochen und bei Stadt und Bahn nachgefragt, wie es denn nun mit dem Bahnhof weitergehen soll.

Das ist der Stand der Dinge:

Bei unserer Recherche vor Ort stellte sich schnell heraus: einladend ist anders. Beim Betreten des Bahnhofes fällt schnell der Schmutz in den einst weißen Lamellen auf dem Fußboden auf, die Sehbehinderten helfen sollen, den richtigen Weg zu finden. Und die Wände und Fenster sind mit dunklen Spinnenweben verziert. Der Service fällt karg aus: ein Bäcker, die Radstation und die Fahrkarten-Ecke – das war‘s.

Vereinzelt laufen Bahnreisende durch den Tunnel, mit denen wir über diese Situation sprechen. Besonders die Sauberkeit im Bahnhof wird bemängelt: „Ich wünsche mir mehr Hygiene“, sagt eine Pendlerin. Die Toiletten, die beim Bäcker zur Verfügung stehen, seien „ganz schrecklich“, sagt eine andere Frau – und man müsse dafür entweder bezahlen oder sich etwas zu essen kaufen. Auch die Leere rund um den Bahnhofsvorplatz wird bemängelt: „Viele Geschäfte sind geschlossen – es werden immer weniger“, erzählt uns eine weitere Frau.

Das mit dem Zeitungskauf sei seit fast zwei Jahren nicht mehr möglich, meckert Martin Eßmann. Und eine weitere Frau, die sich jeden Morgen mit anderen älteren Frauen beim dortigen Bäcker auf einen Kaffee trifft, aber nicht namentlich genannt sein will, fragt sich: Wer ist überhaupt für den Bahnhof zuständig?

Die Deutsche Bahn sagt dazu:

Fünf Mal in der Woche werde gereinigt, hieß es am Montag auf eine Anfrage unserer Redaktion, die wir vor inzwischen zehn Tagen schriftlich an die Pressestelle der Deutschen Bahn gestellt hatten. Gereinigt würden demnach der Boden, die Aufzüge, Bänke, Handläufe, Aschenbecher und Mülleimer. Für die Toiletten beim Bäcker sei die Bahn nicht zuständig.

Ansonsten verweist der Pressesprecher auf die Bahnflächen-Entwicklungsgesellschaft NRW (BEG). Die wiederum konnte am Montag spontan keine Antworten geben. Die gemeinsame Tochtergesellschaft von Land NRW und Deutsche Bahn AG soll aber laut eigener Beschreibung „in enger Kooperation mit den Städten und Gemeinden zügig eine städtebaulich sinnvolle und ökonomisch tragfähige Neuordnung und Integration der Bahnliegenschaften herbeiführen“. Genau das scheint in Castrop-Rauxel nicht reibungslos zu funktionieren. Projektmanager für Kommunen, Türöffner für den Bahnkonzern, praxisverhafteter Vordenker fürs Land: Mit diesen Begrifflichkeiten ist die Startseite des Internetportals der BEG versehen.

Das sagt die Stadtverwaltung dazu:

In Castrop-Rauxel ticken zu diesem Thema die Uhren anders. Hier geht es erstmal um ein gemeinsames Gutachten von Stadt und Bahn, das jetzt eingegangen ist. Darin sollen Wert und Investitionsbedarf des Gebäudes bestimmt werden. Schon im Frühjahr dieses Jahres ist bekannt geworden, dass die Bahn das Bahnhofsgebäude am Berliner Platz gerne verkaufen möchte. Die Stadt hat ein Vorverkaufsrecht, aber auch die Möglichkeit, Dritte vorzuschlagen. Von Anfang an war kommuniziert worden, dass die Kommune aufgrund ihrer klammen Kasse kaum als Käufer werde auftreten können, ausgeschlossen wird das aber nicht. In diesem Jahr wird aber weiter politisch erst mal nix passieren, die politische Sitzungsphase ist abgeschlossen. Stadtsprecherin Nicole Fulgenzi sagt: „Das Gutachten wird bewertet und im neuen Jahr der Politik vorgestellt.“

Verkauft werden sollen der Backshop und die Radstation. Durchgang am Bahnhof, Aufzug und Aufgang zu den Gleisen sollen weiter im Bahnbesitz bleiben. Die völlig unbefriedigende Toilettensituation ist schon seit vielen Jahren Thema, ohne dass sich hier etwas zum Positiven getan hätte. Die Stadt hatte vergeblich versucht, die Bahn zum Einbau von behindertengerechten Klos zu bewegen.

Unabhängig vom Verkaufs- und Zustandsthema wird im nächsten Jahr mit dem RXX-Ausbau begonnen, für den die Bahnsteige bei uns angepasst werden müssen. Während der auf acht Monate veranschlagten Bauzeit wird es beim Parken für Pendler zu einem weiteren dicken Problem am Bahnhof kommen.

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