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Ende im Fördergeld-Streit?

Ronge sieht positive Signale bei Zukunft der Jugendtreffs

Castrop-Rauxel Jugendeinrichtungen in Castrop-Rauxel beklagen seit Monaten die Förderrichtlinien des Landes NRW. Man müsse heute Projektantrag über Projektantrag ausfüllen, um Geld zu akquirieren. Ändern sie sich bald? Es gibt Anzeichen dafür.

Ronge sieht positive Signale bei Zukunft der Jugendtreffs

Die Open Stage im Café Q in Habinghorst ist nur ein kleiner Bestandteil des weiten Spektrums an Aktionen im offenen Jugendtreff an der Wartburgstraße. Aber für jedes Projekt Fördermittel beantragen? Das hält Leiter Frank Ronge von der pädagogischen Arbeit ab. Foto: Foto: Tobias Weckenbrock

Das Landesministerium hat Vertretern der Jugendarbeit in Castrop-Rauxel und aus anderen Städten in NRW angedeutet, dass bei der Förderung von Jugendeinrichtungen Änderungen geplant sind. Diese Botschaft brachte Frank Ronge, Vorsitzender des Stadtjugendrings und Leiter des offenen Treffs Café Q, von einer Sitzung in Düsseldorf mit.

Ronge, der mit Friedhelm Libuschewski (Kirchenkreis Herne) und Vertretern von Jugendtreffs anderer Städte im Landtag war, berichtete Donnerstag im Jugendhilfeausschuss: „Die neuen Akteure im Ministerium haben einen guten Eindruck hinterlassen.“ So sei die Botschaft mitgegeben worden, dass die Landesregierung für 2018 anpeile, die sogenannte Strukturförderung anzuheben. Damit werden Einrichtungen generell bezahlt. In den vergangenen Jahren war diese Strukturförderung zugunsten von mehr Fördergeldern für einzelne Projekte gesenkt worden. Das führte dazu, dass Einrichtungsleiter statt der eigentlichen pädagogischen Arbeit vermehrt Arbeitszeit mit Projektbewerbungen verbrachten. Details sind aber wohl erst im Frühjahr zu erwarten. „Es wurde viel Hoffnung gemacht“, so Ronge. „Abwarten, was am Ende davon bleibt.“

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Zum Hintergrund: Resolution im Februar 2017

Im Februar verabschiedete der Jugendhilfeausschuss eine Resolution gegen die aktuelle Strategie, Fördergelder vermehrt nach Projekten auszuzahlen. Wir sprachen damals mit dem Leiter des Stadtjugendrings, Frank Ronge, über die damit verbundenen Probleme:

Herr Ronge, wie wirkt sich das Problem, das die Resolution aufwirft, konkret aus?

Ich bin im Café Q in Habinghorst der einzige Hauptamtliche. Meine Hauptaufgabe ist, dass wir täglich öffnen, aber ich habe viele geschäftsführende Dinge zu erledigen: Ich muss Veranstaltungen abrechnen und die Zahlen dem Presbyterium der Kirchengemeinde vorlegen. Open Stage, Kinderkino, Sommerfreizeit: alles mit Kosten verbunden. Ein Jugendzentrum ist für die Kinder und Jugendlichen ein Stück Zuhause. Dass es ihnen nur ein Dach überm Kopf ist, unter dem sie abhängen können, ist seit 15 oder 20 Jahren vorbei. Es geht um Kreatives und Kultur, ums Ausprobieren und die Selbstverwirklichung. Gibt es das bei uns nicht mehr, bleiben die Schule, die Offene Ganztagsschule oder kostenpflichtige Angebote. Zum Thema Schule nur so viel: Lehrer sind zur Sozialarbeit nicht ausgebildet. Wir sind Freund und Helfer und stehen den Kindern und Jugendlichen zur Seite; ein Lehrer kann das nicht leisten.

Wie ist denn der Anteil Ihrer Arbeit mit den Jugendlichen im Verhältnis zu Verwaltungsaufgaben?

Ich habe 39 Wochenarbeitsstunden. 26 Stunden ist das Haus geöffnet. Also habe ich ein Drittel Büroarbeitszeit. Dazu gehören neben finanziellen Dingen Werbung für Aktionen, das Entwerfen und Verteilen von Plakaten, Einkäufe. Das wichtigste ist aber doch, dass wir täglich öffnen und Kontakt zu den Jugendlichen haben. Wir müssen uns auf deren Probleme einlassen – das wird schwierig, wenn man noch eine Abrechnung machen muss. Wir haben zum Glück noch einen Jahrespraktikanten, der in die elfte Klasse am Berufskolleg geht. Er ist dreieinhalb Tage pro Woche bei uns, anderthalb an der Schule.

Da wäre doch ein Bufdi oder FSJ-ler eine ideale Ergänzung.

Die müssten vom Träger bezahlt werden – unmöglich. Ich habe angefangen, ein Team von ehrenamtlichen Jugendlichen aufzubauen. Unser Angebot könnte ich allein nicht stemmen.

Und dann der Einspar-Druck. Wie gehen Sie damit um?

Es gibt den Kinder- und Jugendförderplan der Stadt, der alle fünf Jahre verabschiedet wird. Castrop-Rauxel ist im Stärkungspakt, also unter Druck. Jedes Jugendzentrum muss zeigen, warum es nicht geschlossen werden darf.

Da kann man doch nach Besucherzahlen schauen, oder?

Die sind von Haus zu Haus unterschiedlich, auch aufgrund der Bedingungen. Unser Café Q ist nur ein Raum; aber wir haben ein tolles Außengelände und die Skaterbahn. Zu vielen unserer Veranstaltungen kommen 30 bis 40 Kinder. Jugendliche haben wir sonst auch 15 bis 20.

Strukturmittel und Projektfördermittel: Das ist doch beides gutes Geld. Wo liegt der Unterschied?

Um die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen, die Ausstattung zu verbessern oder auch nur intakt zu halten, dafür gibt es keine Mittel – es sei denn, man entwirft ein Projekt. Am besten ein noch nie Dagewesenes. Mit Altbewährtem spricht man viele Kinder und Jugendliche an. Aber es muss alles neu sein. Am Ende musst du eine Auswertung schreiben. Erklären, dass es toll gelaufen ist. Einmal kann man das Projekt wiederholen – für ein drittes Mal wird kein Geld mehr gewährt. Beispiel: Wenn ein Theaterprojekt gut funktioniert, warum soll ich nach zwei Jahren damit aufhören? Genau das wäre der Unterschied zwischen einer Projekt- und einer Strukturförderung: Ich könnte es als funktionierendes festes Angebot in die Arbeit integrieren. Kann ich aber nicht.

Muss also die Förderpraxis überdacht werden?

In der Theorie ist sie vielleicht vernünftig, aber für die Praxis nicht tragbar. Fördermittel gibt es auch nur bei einem Eigenanteil der Träger. Auch wenn es nur 10 Prozent sind: Das ist im Grunde für viele nicht möglich. Sie legen ihr Jahresbudget fest und können dann auch diese 10 Prozent nicht locker machen.

Projektförderung wirkt aber dem Problem entgegen, dass bei einer allgemeinen Strukturförderung zu viel Geld verschleudert wird, oder? Die öffentliche Verwaltung gäbe die Kontrolle ab.

Ich muss mich mit den Förderrichtlinien auseinandersetzen. Das fängt schon mit der Schwelle von unten an: Ich muss im Grunde immer etwas beantragen, das mehr als 1000 Euro kostet – auch wenn man manchmal weniger Geld braucht. Man hat riesigen Verwaltungsaufwand – und man weiß nicht, ob die Anträge bewilligt werden. Wenn sie abgelehnt werden, hat man Arbeit umsonst investiert. Das geht zulasten der Beziehungsarbeit zu den Kindern.

Und fern der Praxis ist, dass ich einen Antrag bis zum 10. Januar stellen muss – der wird im Mai oder Juni bewilligt. Erst dann kann man loslegen; vorher kann man gar nicht für das Projekt werben. Es muss aber noch im selben Jahr stattfinden, sonst muss man den Antrag überjährig stellen. Das geht, aber macht es noch komplizierter.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Zunächst wäre wichtig, 2020 im Jugendförderplan eine Garantie zu haben, dass wir alle weitermachen können. Die Freien Träger befürchten wieder eine Kürzung. Im schlimmsten Fall stünden Projektgelder bereit, aber die Jugendzentren sind nicht mehr da.

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Im Interview mit unserer Redaktion sagte Horst Libuschweski im März 2017:

Wie lange geht das noch gut, Herr Libuschweski?

Die Evangelische Kirche unterhält drei Offene Jugendzentren in Castrop-Rauxel. Über die Finanzierungssorgen und die Resolution ans Land NRW sprachen wir mit Friedhelm Libuschewski vom Evangelischen Kirchenkreis Herne:

Herr Libuschewski, wie viele Stellen unterhält die Evangelische Kirche in der Offenen Jugendarbeit in Castrop-Rauxel?

Das Café Q in Habinghorst hat eine Vollzeitstelle, das Café Frosch auf Schwerin eine Vollzeitstelle, der Meeting-Point in Dorf Rauxel eine halbe Stelle für die Offene Jugendarbeit.

Ist weniger oder mehr Personal im Einsatz als vorher?

Trotz steigender Betriebskosten und zurückgehender Kirchensteuereinnahmen haben wir bisher die Stellen in diesem Umfang gehalten. Es sind nicht weniger Stellen, aber alle sind befristet und es bleibt kaum noch Geld für Honorare, Programm oder notwendige Investitionen. Der Stellenumfang kann im Augenblick nur durch höhere Eigenmittel gehalten werden.

Wie lange geht das noch gut?

Das bleibt bei steigenden Kosten und der fehlenden Dynamik im aktuellen Förderplan eine drängende Frage.

Abgesehen davon: Ist dann nicht zurzeit eigentlich alles in Ordnung?

Nein. In vielen Einrichtungen müssen die pädagogischen Fachkräfte inzwischen alles selbst machen. Damit meine ich, dass sie zum Teil reinigen oder defekte Dinge reparieren müssen und vieles mehr. Das geht natürlich am Ende von der Zeit am Jugendlichen oder Kind ab.

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