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Arbeitsmarktstatistik

Zu wenig Lehrstellen auf dem Ausbildungsmarkt

CASTROP-RAUXEL Es gibt zu wenig Ausbildungsplätze. Das geht aus Zahlen hervor, die die Agentur für Arbeit auswertet. Immer bleiben einzelne junge Menschen als Härtefälle auf der Strecke. Woran liegt das? Wir haben beim Leiter der Arbeitsagentur in Castrop-Rauxel nachgefragt.

Zu wenig Lehrstellen  auf dem Ausbildungsmarkt

Immer wieder bleiben junge Menschen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz auf der Strecke. Woran liegt das? Foto: picture-alliance/ dpa

Deutlich zu wenig Lehrstellen: Diese Nachricht verschickte jetzt die Agentur für Arbeit zusammen mit dem Jobcenter. Die Gründe und die Auswirkungen: 5340 junge Menschen schlugen zwischen Oktober 2016 und September 2017 bei der Berufsberatung agenturweit als Bewerber für einen Ausbildungsplatz auf. 335 weniger als im Vorjahr. Von ihnen gelten 5254 jetzt als versorgt – also im besten Falle mit einer Lehrstelle, ansonsten über weiteren Schulbesuch, Wehrdienst, soziales Jahr, Auslandsaufenthalt – oder im schlechtesten Fall in einer berufsvorbereitenden Maßnahme.

Für 86 Frauen und Männer (im Vorjahr 80) konnte kreisweit gar keine berufliche Perspektive geschaffen werden. Die Zahlen für Castrop-Rauxel sind kleiner (siehe Grafik). Doch auch hier gibt es solche Härtefälle. „Für sie wird die Nachvermittlungsaktion wichtig“, so die Agentur für Arbeit in Recklinghausen.

Nicht immer gibt‘s den Wunschberuf

Stefan Bunse schilderte Mittwoch einen Fall aus Castrop-Rauxel: Die Person kümmerte sich zu spät um die eigene Ausbildung, so Bunse. „Trotz Besuchs im BIZ und in der Berufsberatung in der Schule kam sie erst im Juli auf uns zu“, erklärte er: „Das ist für einen Ausbildungsplatz deutlich zu spät.“ Bis dahin hatte die Person fünf Bewerbungen geschrieben – verhältnismäßig wenig.

Mediengestalter Bild/Ton war der Wunschberuf, doch es gab nur Absagen. Nun sei das Angebot solcher Stellen in Castrop-Rauxel gering, so Bunse. Ein Umzug in Städte wie Berlin, Köln oder Düsseldorf zum Beispiel wäre möglicherweise erforderlich. Das kam für die Person nicht infrage. Man schaute nach einer Alternative: Fachinformatiker Anwendungsentwicklung – Bunse: „Dazu ist aber mehr als ein ‚ausreichend‘ in Mathe nötig.“

Kürzlich gab es zwei Termine für die Nachvermittlung in Recklinghausen: Die Handwerks- und die Industrie- und Handelskammer brachten noch offene Stellen aus der Region mit. Man versuchte, Interessenten und Stellenanbieter zusammen zu bringen. Doch die Person erschien zu beiden Terminen nicht. Verbleibt die Option, mit ihr an der Qualifikation zu arbeiten und das Jahr bis zum nächsten Ausbildungsturnus zu nutzen. Auch eine berufsvorbereitende Maßnahme ist denkbar. Bunse: „Da laufen jetzt Überlegungen.“

Unternehmer müssen mitziehen

Ein Beispiel. Neun solcher unversorgter Fälle gibt es aktuell. Castrop-Rauxel ist trotzdem eine der wenigen Städte im Vest, die nicht über weniger bei der Agentur gemeldete Lehrstellen verfügen, sondern mehr: 227 waren es im September, 205 im Vorjahr. Bunse sagt trotzdem: „Auch in Castrop-Rauxel gibt es deutlich zu wenig Ausbildungsplätze.“ Nur mit eigener Ausbildung könnten Unternehmer dem Fachkräfteengpass entgegenwirken.

Und wenn die Bewerber ungeeignet sind? „Ich muss mit Jugendlichen noch an Schwächen arbeiten“, so Bunse. Betriebe könnten bei Härtefällen auch vorbereitende Maßnahmen mit der Agentur für Arbeit vereinbaren. „Oft ist es so, dass man in dieser Zeit näher zusammenkommt mit den gegenseitigen Vorstellungen – und am Ende eine erfolgreiche Ausbildung steht.“

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