Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Anzeige
Anzeige

Vor dem Bundesligastart

Zwei Castrop-Rauxeler BVB-Fanclubs über ihren Verein

CASTROP-RAUXEL Für die Castrop-Rauxeler BVB-Fans gibt es viel Grund zur Aufregung: Aubameyang fährt "goldlackierten Edelkarossen" und Fans müssen Geld für die Tickets sparen. Trotzdem: Die Fanclubs hoffen auf den Titel oder einen Platz unter den Top vier - je nachdem ob man bei "Schwarz-Gelb Henrichenburg" oder der "Dortmunder Torfabrik" nachfragt. Wir haben mit beiden gesprochen.

/
Heja BVB! Die vier Habinghorster (von links) Thomas Pieper, Jannis Pieper, Holger Schleicher und Andre Schulz hoffen auf guten Fußball und einen Platz unter den "Top 4".

Stefan Gönnewicht hat eine Dauerkarte für die Ostseite, Reihe 13, genau auf Strafraumhöhe. Und einen BVB-Gartenzwerg.

1. Schwarz-Gelb Henrichenburg: "Bosz muss liefern – oder gehen!"

An der Henrichenburger Straße 80 in Habinghorst liegt das „Gartenhaus“. Die Gaststätte dient als Vereinslokal des BVB-Fanclubs Schwarz-Gelb Henrichenburg. Am Stammtisch sitzen vier Fußballfreunde beim Pils und reden. Worüber? Am liebsten über andere Leute. Zum Beispiel über…

Thomas Tuchel (43), mit durchschnittlich 2,09 Punkten der erfolgreichste BVB-Trainer. "Es war zu 100 Prozent richtig, sich von Tuchel zu trennen. Er hat viel Unruhe reingebracht. Manche Spieler hat er einfach nicht aufgestellt, und wir Fans haben gerätselt warum. Außerdem gab es zu viele Begegnungen, die er hätte gewinnen müssen, aber nicht gewonnen hat. Für den Anhänger, der ins Stadion kommt und mit einer unnötigen Niederlage nach Hause geht, war das nicht der BVB, wie er unter Klopp gespielt hat", sagt Holger Schleicher, 56, Fanclub-Gründer.

Hans-Joachim Watzke (58), Geschäftsführer des BVB. "Einen besseren BVB-Boss als ihn kann man sich nicht vorstellen. Wir haben ihn schon ein paar Mal auf Fan-Treffen erlebt – als authentisch, überlegt und redegewandt. Er liebt den Verein und gibt alles für Borussia. So muss es sein!", meint Thomas Pieper, 49, Serviceleiter im Bereich Großküchentechnik.

Peter Bosz (52), achtfacher NL-Nationalspieler und neuer BVB-Coach. „Sag ich jetzt nix zu. Warten wir mal drei, vier Spiele ab, dann sehen wir, wie er mit dem Personal umgeht, die Mannschaft aufstellt und ob bei ihm alle die gleichen Chancen haben. Vollgas-Fußball, Pressing, verlorene Bälle nach fünf Sekunden zurückerobern – das hört sich gut an, muss aber erst einmal geliefert werden. Wenn Bosz nicht liefert, ist er im Winter weg, dann kommt Nagelsmann", Andre Schulz, 49, Altenpfleger.

Pierre-Emerick Aubameyang (28), mit 31 Treffern Torschützenkönig 2016/2017. "Wenn ich ihn mit seinem Dutzend goldlackierter Edelkarossen sehe, ärgert es mich, dass der Fußball eine reine Geldmaschine geworden ist. Die Autos kann er in Miami fahren, aber nicht in Castrop-Rauxel. Das ist unmöglich den Leuten gegenüber, die ihre letzten Kröten zusammenkratzen und ins Stadion gehen, um diese Stars zu sehen", so Andre Schulz. "Einspruch! Ich find’s geil. Die Bundesliga braucht auch Show und nicht nur farblose Typen", sagt Thomas Pieper.

Ousmane Dembélé (20), in den Streik getretenes BVB-Juwel, das wohl in Barcelona Nachfolger von Neymar werden will. "Genialer Fußballer. Es macht Spaß, ihm zuzugucken. Er passt in Dortmund gut rein", sagt Jannis Pieper, 20, Schüler. "Wenn Borussia tatsächlich 100 oder 150 Millionen für ihn bekommt, sollte man das Geld nicht nur in Ablösesummen oder Spielergehälter stecken. Man sollte das Fanclub-Management stärken und in den Zusammenhalt der Anhänger investieren", so Thomas Pieper.

Frank Golabeck, Gastwirt im Fanclub-Lokal „Gartenhaus“. „Der Frank ist ein feiner Kerl, hält aber zu Schalke. Deshalb tut es uns für ihn leid, dass wir auch am Ende der kommenden Saison klar vor den Blauen stehen werden. Wir wollen wieder in die Champions League!“

Schwarz-Gelb Henrichenburg






2. „Dortmunder Torfabrik“: Ein Protest der Fanclubs ist überfällig

Stefan Gönnewicht ist 46, lebt auf Schwerin und verdient sein Geld im Außendienst beim Paketservice DHL. Als Stürmer war er unter anderem für Eintracht Ickern und SuS Merklinde aktiv, bei Blau-Gelb Schwerin fungierte er als sportlicher Leiter. Heute konzentriert sich Gönnewicht auf seine „echte Liebe“: Er führt den Vorsitz im BVB-Fanclub „Dortmunder Torfabrik“.

Wie er echte Liebe in Worte fasst: „Der BVB ist mehr als ein Fußballverein. Der BVB ist unsere Kindheit, unsere Heimat, unsere Leidenschaft“, formuliert Gönnewicht: „Wenn der BVB sportlich etwas Großes erreicht, dann schwebt die ganze Region. Die Menschen identifizieren sich mit den Erfolgen des Vereins. Das ist ein überragendes Gefühl.“ Diese Begeisterung mit anderen zu teilen, sieht der Vorsitzende als Sinn und Zweck des Fanclubs. Die Borussia als soziales Erlebnis.

Warum er dem BVB den Titel zutraut: „Wenn wir die Bayern jemals packen können, dann in diesem Jahr“, ist sich Stefan Gönnewicht sicher. Die Münchner haben mit Alonso und Lahm zwei Stützen verloren, „Rib & Rob“ sind wieder ein Jahr älter, und die Vorbereitung des FCB war aufgrund der Strapazen in China miserabel. „Unsere junge Mannschaft hat Reife gewonnen, der Kader ist noch stärker als in der letzten Spielzeit“, überlegt der Experte. Zudem gehe die Spielweise des Peter Bosz zurück zu Klopps Wurzeln: „90 Minuten lang Dampf machen – das ist zwar kraftaufwendig. Aber ich verlange von den Spielern, dass sie bis aufs Zahnfleisch gehen. Dafür kriegen sie reichlich Kohle.“

Wieso ihm Aubameyang auf den Nerv geht: Natürlich hängen die Perspektiven auch davon ab, ob Dembélé und Aubameyang in Dortmund bleiben. „Seit Februar 2016 hören wir alle drei Tage, dass Auba nach China wechseln will. Das ist unerträglich!“, schimpft der Fan-Vertreter: „Der Spieler muss auch mal ein Bekenntnis abgeben, so wie er hier geliebt wird. Wenn er sich nicht bekennen will, soll er gehen. Damit wir endlich Ruhe haben!“ Und Dembélé? „Wenn wir wirklich 100 Millionen erlösen können, muss man ihn ziehen lassen.“

Was im Fußball völlig falsch läuft: Millionen und Abermillionen Dinge. Bei dem Thema kriegt Stefan Gönnewicht ganz schlechte Laune. „Eigentlich müssten die Fanclubs in einer gemeinsamen Aktion mal einen Spieltag boykottieren, um gegen die Fehlentwicklungen zu protestieren“, sagt der Castrop-Rauxeler. Eintrittskarten, Fan-Artikel, Pay-TV – alles wird immer teurer. „Für den normalen Zuschauer, gerade hier im Ruhrgebiet, sind die Preise nicht mehr tragbar!“ Auch der Auftritt von Helene Fischer in der Pause des Pokalfinales war ein falsches Signal: Fußballpuristen wollen zur Halbzeit Bratwurst, nicht Showbiz.

„Wir freuen uns auf den Saisonstart“, spricht Gönnewicht für die 52 Mitglieder des Clubs: „Aber wir sehen mit Verärgerung, dass es nur um Kohle geht.“

Dortmunder Torfabrik






 

/
Heja BVB! Die vier Habinghorster (von links) Thomas Pieper, Jannis Pieper, Holger Schleicher und Andre Schulz hoffen auf guten Fußball und einen Platz unter den "Top 4".

Stefan Gönnewicht hat eine Dauerkarte für die Ostseite, Reihe 13, genau auf Strafraumhöhe. Und einen BVB-Gartenzwerg.

Anzeige
Anzeige
Das könnte Sie auch interessieren

Nach Streit um Geländenutzung

Bauarbeiten am Golfplatz Frohlinde beginnen

FROHLINDE Nachdem die Verhandlungen über die Nutzung des Gelände des Golfplatz Frohlinde abgebrochen wurden, haben am Mittwoch die ersten sichtbaren Arbeiten begonnen: Der Golfplatz soll auch ohne den Grund der Verpächterin Elisabeth Grümer bespielbar bleiben. Pläne für 18+9 Kurzbahnen gibt es schon seit Jahren.mehr...

Party für guten Zweck

Aids-Gala in Castrop-Rauxel feiert Volljährigkeit

CASTROP-RAUXEL Die größte Benefiz-Party in NRW steigt am 25. November in Castrop-Rauxel in der Europahalle. Viele Promis aus der Schlagerszene werden mit dabei sein, wenn die Aids-Gala ihren in diesem Jahr ihren 18. Geburtstag feiert. Veranstalter Jörg Schlösser verspricht eine tolle Show und ein tolles Rahmenprogramm.mehr...

Nachzahlung für Gasrechnung

Streit im Schloss Bladenhorst geht vor Gericht

CASTROP-RAUXEL Von außen betrachtet ist Schloss Bladenhorst eine Idylle. Doch hinter den Mauern knatscht es gewaltig. Ein Streit um die Gasrechnung erregt die Gemüter des Schlossherren und einem seiner Mieter, der eine geforderte Nachzahlung nicht leisten möchte. Und damit steht er nicht allein da. Der Streit wird jetzt vor Gericht ausgetragen.mehr...

Am 29. Oktober

So wird das Star-Wars-Fantreffen in Henrichenburg

HENRICHENBURG Darth Vader, Chewbacca und Co. treffen auf die Kulisse des altehrwürdigen Schiffshebewerks Henrichenburg. Wenn der Fan-Club "Krayt-Riders" einlädt, erwartet die Besucher einiges: So bauen die Veranstalter beispielsweise Modelle der intergalaktischen Fahrzeuge aus Star Wars auf und bieten Trainings für den Lichtschwertkampf an.mehr...

FWI will Klartext

Was ist Stand der Dinge beim Gartencenter Dehner?

CASTROP-RAUXEL Jetzt will es die Freie Wähler Initiative (FWI) wissen: Was passiert im und mit dem ehemaligen Gartencenter Dehner? Wieweit sind die Pläne für die über 20.000 Quadratmeter großen Immobilie an der Siemensstraße, gediehen? Dazu hat die FWI einen Fragenkatalog an die Stadtverwaltung Castrop-Rauxel gestellt.mehr...

Kataster des RVR

Wie hoch ist Castrop-Rauxels Solar-Potenzial?

CASTROP-RAUXEL Die Lambertuskirche ist grün markiert im neuen Solardachkataster des Regionalverbands Ruhr (RVR). Das bedeutet: Das Dach der Kirche ist gut geeignet für eine Solaranlage. So eine Einschätzung gibt es nun für jedes einzelne Gebäude in Castrop-Rauxel. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur interaktive Karte des RVR.mehr...